Das Massaker von Lidice

09.06.2007: Das Massaker von Lidice (Tageszeitung junge Welt)
Vor 65 Jahren verwüsteten faschistische Einheiten die tschechische Ortschaft, die Bewohner wurden ermordet oder verschleppt
Am 4. Juni 1942 erlag Reinhard Heydrich, SS-Obergruppenführer, General der Polizei und amtierender »Reichsprotektor von Böhmen und Mähren« den Folgen eines Attentats. Diese mutige Tat vom 27. Mai faßten alle Hitlergegner in der besetzten Tschechoslowakei, in den gegen Hitlerdeutschland kriegführenden Ländern und auch die deutschen Antifaschisten als Fanal auf, ihren Kampf gegen die faschistische Diktatur und den Aggressionskrieg zu verstärken. Dem wollte die Naziführung durch verstärkten Terror, der zur Vernichtung des Dorfes Lidice führte, entgegenwirken. Noch in der Nacht nach dem Staatsbegräbnis für Heydrich auf dem Berliner Invalidenfriedhof am 9. Juni umzingelte eine von SS-Obersturmbannführer Horst Böhme, Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Prag, befehligte Truppe, bestehend aus SS-Männern, Staats- und Schutzpolizisten das nur zwei Dutzend Kilometer nordwestlich von Prag gelegene Dorf Lidice, um alle Einwohner zu töten und den Ort zu zerstören. Als erste Reaktion auf das Attentat hatte Hitler am 28. Mai befohlen, für die Ergreifung der Täter eine Million Reichsmark Belohnung auszusetzen und jeden mit seiner gesamten Familie zu erschießen, der den Tätern irgendwie Hilfe geleistet habe. Schließlich folgte der Befehl: »Als Sühnemaßnahmen sind 10000 verdächtige Tschechen oder solche, die politisch etwas auf dem Kerbholz haben, zu ergreifen bzw. soweit sie bereits in Haft sind, in den Konzentrationslagern zu erschießen.« (…) Kaltschnäuzig meldete der Berichterstatter weiter: »Die Ortschaft, die aus 95 Häusern besteht, wurde vollständig niedergebrannt, 199 männliche Einwohner über 15 Jahre wurden an Ort und Stelle erschossen, 184 Frauen in das Konzentrationslager Ravensbrück, 7 Frauen in das Polizeigefängnis Theresienstadt, 4 schwangere Frauen in das Krankenhaus in Prag, 88 Kinder nach Litzmannstadt überführt.« In der so umbenannten polnischen Stadt Lodz befand sich ein Judenghetto, von wo die meisten in das Vernichtungslager Chelmno (Kulmhof), in dem schon seit Herbst 1941 in einer Gaswagenstation systematisch Häftlinge ermordet wurden. Wenige Kinder aus Lidice überlebten, weil sie von »Rassenbiologen« als »eindeutschungsfähig« bewertet wurden. Im Bericht heißt es dazu: »Sieben Kinder unter einem Jahr wurden in ein Heim nach Prag gebracht. Drei Kinder werden zur Eindeutschung in das Altreichsgebiet gebracht.« Tatsächlich wurden 105 Kinder verschleppt, von denen nur 16, zumeist schwerkrank und traumatisiert, den Krieg überlebten.

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