Alte Ziele und neue Strategien der NPD
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Mitschrift eines Vortrags von Michael Kohlstruck in Hohen Neuendorf am 28. März 2007. Der Vortragsstil wurde beibehalten. Dr. Michael Kohlstruck, Politikwissenschaftler, ist an der „Arbeitsstelle Jugendgewalt und Rechtsextremisms“ des Zentrums für Antisemitismusforschung (TU Berlin) beschäftigt. Der Text liegt hier im PDF-Format zum Download bereit, inklusive ergänzender Fussnoten. (…) Die Aktivitäten der NPD spielen sich – bildlich gesprochen – in einem Haus mit mehreren Etagen ab: Wir haben zunächst als stabiles Fundament eine bestimmte Weltanschauung, nämlich die völkische Weltanschauung. Über diesem – nur teilweise sicht baren – Fundament erheben sich drei Etagen: die Aktivitäten in Bund, Ländern und – unser Thema – in den Gemeinden. Verbunden werden sie durch vier Säulen, die den ganzen Bau zu sammenhalten und mit dem Fundament verbinden.(…)
Ich komme zurück auf die drei Etagen und die vier tragenden Säulen der NPD-Aktivitäten: Die NPD hat selbst vier Bereiche ihrer Parteiarbeit definiert. In ihrem Hang zu einem kämpferischen, heroischen Selbstbild spricht sie vom „Kampf um die Parlamente“, dem „Kampf um die Köpfe“, dem „Kampf um die Straße“ und schließ lich noch vom „Kampf um den organisierten Willen“. Schauen wir uns diese martialischen, geschichtsgroßen Vokabeln etwas genauer an: „Kampf um die Parlamente“ heißt: Wahlkampf mit dem Ziel von Parlamentssitzen; „Kampf um die Köpfe“ meint den Versuch, für das eigene weltanschauliches Fundament und daraus abgeleitete tagespolitische Positionen Anhänger zu finden; „Kampf um die Straße“ beinhaltet die Öffnung zum aktionsorientierten Teil der rechtsextremen Bewegung, zu den neonazistischen Demonstranten und Aufmarschteilnehmern, die jährlich im August das Grab des früheren Hitler-Stellvertreters Heß besuchen und versuchen, in Halbe halbjährlich am Soldatenfriedhof Kränze niederzulegen und das sog. „Treuelied“ zu intonieren. „Kampf um den organisierten Willen“ besagt – bei Licht betrachtet – schließlich, daß man um Bündnisse innerhalb der rechtsextremen Parteien unter der Führung der NPD bemüht ist. Ein Ergebnis war der sog. Deutschlandpakt, der 2004 mit der DVU geschlossen wurde und Absprachen bei Wahlen beinhaltet. Damit sollen die Wähler stimmen jeweils auf eine rechtsextreme Partei konzentriert werden. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre hat sich die NPD auch zu den sog. „Freien Kräften“, den Rechtsextremen außerhalb der Partein geöffnet. Vertreter solcher Strömungen und Gruppierungen wurden bewußt in den NPD-Bundesvorstand aufgenommen.


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