Ein Stasi-Opfer gerät ins Zwielicht

taz, die tageszeitung - Ein Stasi-Opfer gerät ins Zwielicht
Die Stasi-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen will einen Preis nach Walter Linse benennen, der 1952 aus Westberlin entführt und in Moskau hingerichtet wurde. Doch der Anwalt war in der Nazi-Zeit an der Enteignung von Juden beteiligt (…) Inzwischen ist die geplante Namensgebung des Preises ins Zwielicht geraten. Der Publizist Benno Kirsch veröffentlichte dieses Frühjahr eine Studie über Walter Linse, die erstmals die Tätigkeit des Anwalts in den Dreißiger- und Vierzigerjahren beleuchtete. Kirsch wies darin nach, dass Linse bei der Chemnitzer Industrie- und Handelskammer gutachterlich mit der “Arisierung” jüdischen Eigentums zu tun hatte. Dieser Umstand war noch Ende 2006 der Autorin Barbara Hennecke entgangen, die für den Förderverein der Gedenkstätte den Lebensweg Walter Linses skizziert hatte. Kirsch betont in seiner Studie, dass Linse sich in diesen Verfahren nicht persönlich bereicherte, sich eher zurückhielt. Durch die Tätigkeit in der IHK sei er aber “Teil des Verfolgungsapparats” geworden. Untersuchungen zur Arisierung belegen in ihrer Zusammenschau, dass die Industrie- und Handelskammern eine wichtige Rolle beim Raub jüdischen Eigentums spielten.

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