“Neonazis werden zu viele Felder überlassen”

Volksstimme.de - “Neonazis werden zu viele Felder überlassen”
Es war nicht die politische Überzeugung, die den Neonazi Michael aus Niedersachsen zum Ausstieg aus der rechten Szene vor fünf Jahren bewog. ” Es war die Geburt meines Sohnes “, erinnerte sich der heute 29-J ährige am Mittwoch auf dem 2. Jugendgerichtstag im Landgerichtsbezirk Dessau-Roßlau. Die Fachtagung stand unter dem Thema ” Rechtsextremismus und Jugend : Leere – Irrweg – Endstation “. Geladen waren Vertreter von Amtsgerichten, Staatsanwaltschaften, Polizei, Jugend ämtern und Vereinen, die Präventionsarbeit zum Thema betreiben. Michael beschrieb in seinem Vortrag Innenansichten einer Szene, in die Experten noch wenig Einblick haben. Problematisch sei vor allem der leichte Einstieg in die Szene, erläuterte Professor Roland Roth von der Hochschule Magdeburg-Stendal. Die rechte Szene biete Jugendlichen gerade dort Erlebniswelten, wo andere Institutionen versagen. Die Leere im Jugendbereich würde durch Veranstaltungen von Rechts gefüllt, die nicht gleich als solche erkennbar seien. Dem stimmte Aussteiger Michael zu : ” Wir haben Jugendliche an der Bushaltestelle angesprochen, ob sie nicht mit uns Fußball spielen wollen. Wir haben ihnen Bier besorgt, uns um sie gekümmert und ihnen ein familiäres Umfeld geschaffen, das sie Zuhause oft nicht hatten. ” Die politische Überzeugungsarbeit erfolgte in einem späteren Schritt, wenn die Bindung an die Gruppe gefestigt gewesen sei.

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