Der «deutsche Klang» in Goebbels’ Diensten
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Musik als Propaganda: Erstmals wird die Vergangenheit der Berliner Philharmoniker als «Reichsorchester» erforscht. Auch zwei Biografien führen in die Nazi-Zeit. Es ist noch nicht lange her, dass ein deutscher Journalist dem Briten Simon Rattle vorwarf, er würde den Berliner Philharmonikern den «deutschen Klang» austreiben. In der anschliessenden Debatte wurde eine Tatsache erstaunlicherweise nie erwähnt: Dass nämlich der «deutsche Klang» die Geschichte gerade dieses Orchesters ebenso entscheidend wie problematisch geprägt hat. Dokumentiert ist das etwa in einem Aufsatz mit dem Titel «Musik als Propagandamittel», in dem 1937 der Orchester-Bratschist Werner Buchholz die Bedeutung der «völkisch bedingten Klangfarbe» hervorhob. Dass das Berliner Philharmonische Orchester, wie es damals noch hiess, vom Propagandaminister Joseph Goebbels als «Reichsorchester» finanziert und genutzt wurde, war zwar bekannt, aber nie Thema einer gründlichen Untersuchung gewesen. Diese liefert nun der 29-jährige kanadische Historiker und Opernregisseur Misha Aster. Faktenreich und angenehm nüchtern, wenn auch etwas redundant erzählt er die Geschichte eines Orchesters, das einst als selbst verwaltetes Ensemble gegründet worden war; das 1933 vor dem Bankrott stand und in der Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten eine neue Perspektive fand; und das während des Dritten Reichs viele Privilegien genoss – nicht zuletzt jenes, im Hinblick auf die musikalische Qualität nicht in allen Punkten «gleichgeschaltet» zu werden.














