Uni Leipzig: Honorarprofessor unter Rechtsextremismus-Verdacht
Uni Leipzig: Honorarprofessor unter Rechtsextremismus-Verdacht – UniSPIEGEL – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten
Aufregung über den Leipziger Medienwissenschaftler Michael Vogt: Er hat wegen Rechtsextremismus-Vorwürfen alle Seminare abgesagt. Der Honorarprofessor bestreitet die Beteiligung an einem dubiosen Treffen – mehrere Teilnehmer behaupten das Gegenteil. (…) Im Kern geht es um zwei Vorwürfe: erstens um Vogts Vorträge und Filme über die Nazi-Zeit und den Zweiten Weltkrieg, zweitens um ein dubioses Treffen in Straßburg. Grund für die Anschuldigungen: Am 26. September 2007 tauchte Vogts Name auf der Homepage der NPD auf. Er habe am Vortag an einer Veranstaltung der rechtsextremen Fraktion “Identität, Tradition, Souveränität” (ITS) des Europäischen Parlaments teilgenommen, stand dort zu lesen. Eingeladen hatte der österreichische Europapolitiker und FPÖ-Veteran Andreas Mölzer. Im Europäischen Parlament ist er der einzige FPÖ-Vertreter, doch nach der Wahl 2009 sollen ein paar deutsche Kollegen die Fraktion stärken; das ist sein Plan. Die Presseerklärung der NPD scheint eindeutig: Neben Michael Vogt stehen auf der Liste der rund 20 Teilnehmer die Namen der NPD-Führungsriege, darunter der niedersächsische Spitzenkandidat Andreas Molau (mehr…), und von Politikern der Republikaner sowie der DVU, darunter Gerhard Frey. Vogt streitet jegliche Beteiligung ab: “Ich kann mir nicht erklären, warum mein Name dort auftaucht, ich war an diesem Tag definitiv nicht in Frankreich, ich habe deshalb sofort veranlasst, dass mein Name gelöscht wird”, sagte er auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Mehrere Veranstaltungsteilnehmer äußern sich ganz anders. So erinnert sich der stellvertretende Republikaner-Chef Johann Gärtner: “Ich war geschockt, auf Leute wie Udo Voigt und Holger Apfel von der NPD zu treffen. Mit denen wollen wir nichts zu tun haben. Da war ich erfreut, Professor Michael Vogt zu sehen, den kenne ich schon lange.” Auch Rolf Schlierer, Bundesvorsitzender der Republikaner, sagte SPIEGEL ONLINE, er habe Michael Vogt am 25. September in Straßburg getroffen: “Ja, er war da, wir haben sogar miteinander gesprochen.”
siehe auch: Professor Braun. Michael Friedrich Vogt ist ein umtriebiger Mann. Der Historiker und Publizist brüstet sich damit, namhafte Sender wie die ARD, ZDF, Pro Sieben oder n-tv mit seinen Dokumentarfilmen beliefert zu haben. Er war das Sprachrohr von Deutschlands Pharmabanche und hat auch schon einen Verlag des Bundeslandwirtschaftministeriums geleitet. Aktuell hat Vogt eine Honorarprofessur am Institut für Medienwissenschaft der Uni Leipzig inne. Eines seiner Fachgebiete: Krisen-PR. Das trifft sich gut – er wird es nun in eigener Sache gebrauchen können. (…) Den Stein hatte eine E-Mail der Antifa ins Rollen gebracht: Darin verwiesen die Absender auf eine Solidaritätsbotschaft, die führende Rechtsextremisten im September an die ultrarechte ITS-Fraktion im Europaparlament gesandt hatten. Unterzeichner unter anderem: NPD-Chef Udo Voigt, DVU-Chef Gerhard Frey – und ein gewisser Prof. Dr. Michael Friedrich Vogt. Seltsamerweise fehlt dessen Unterschrift zwar mittlerweile auf etlichen einschlägigen Internet-Seiten. NPD-Sprecher Klaus Beier aber bestätigte der FR am Montag, dass Vogt unterschrieben habe. Stutzig geworden, begann Henrike Böhm, Referentin für Antirassismus des StudentInnenRates, selbst zu recherchieren. Und stieß schnell auf den in Neonazi-Kreisen beliebten Film “Geheimakte Heß”. Die Autoren heißen Olaf Rose – heute Berater der sächsischen NPD-Fraktion – und Michael Friedrich Vogt. Studentin Böhm schrieb daraufhin den Professor an und bat um Aufklärung. Dessen Antwort: Es handele sich um einen Namensvetter. Dabei übersah Vogt wohl, dass die “Geheimakte Heß” sehr wohl auf seiner Publikationsliste an der Uni Leipzig auftauchte. “Der hat mich blöd und dreist angelogen”, sagte Böhm der FR.
Posted on 14.11.2007, in DVU, NPD, Rechtsextremismus, REP. Bookmark the permalink. Leave a Comment.









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