16 vor – Nachrichten aus Trier | » Trierer CDU engagiert Monarchisten
Die Debatte um eine Umbenennung von HGT und Hindenburgstraße geht weiter. Foto: Marcus StölbMit einer Podiumsdiskussion will die CDU die anhaltende Debatte um die Umbenennung des HGT versachlichen. Dazu beitragen soll Professor Wolfgang Stribrny. Doch der Historiker böte selbst Anlass zu Diskussionen: acht Jahre stand er an der Spitze der umstrittenen Vereinigung “Tradition und Leben”, die sich für eine Rückkehr der Monarchie in Deutschland einsetzt. Außerdem plädiert Stribrny für eine Wiedererrichtung Preußens. Für den Preußen Hindenburg wird er am Freitag gleichwohl nicht Partei ergreifen. (…) Doch Stribrny selbst böte Anlass zu Diskussionen. Denn der Professor ist nicht nur erklärter Monarchist, vielmehr plädiert er auch unentwegt für die Wiedererrichtung Preußens, des 1947 auf Druck der Alliierten aufgelösten und über viele Jahrzehnte dominierenden Teilstaats im einstigen Deutschen Reich. Vor einem Jahr hielt Stribrny einen Vortrag, in dem er Preußen glorifizierte und den in der Tat problematischen “Vertrag von Versailles” und dessen “Mantelnote” mit folgenden Worten bedachte: “Es war sozusagen der Mantel, in den die demütigenden und rachsüchtigen, die unerträglichen und unerfüllbaren Bedingungen des Diktatfriedens eingewickelt waren”. Stribrny weiter: “Man könnte nun mit der bekannten Statistik beweisen, dass Preußen weit weniger Kriege geführt hat als alle anderen Großmächte”. In seinem in der Preußischen Allgemeinen Zeitung abgedruckten Festvortrag heißt es außerdem: “Militarismus und rückschrittliches Denken gibt es auch anderswo. Ich schlage vor, wir versuchen dem von den Siegern von 1918 bekämpften Zerrbild von Preußen den kritisch geprüften preußischen Staatsgedanken entgegenzusetzen.” Der Professor spricht sich dafür aus, “einem Hohenzollern eine repräsentative Funktion in Preußen” einzuräumen, “um das neue Preußen in Herz und Verstand zu verankern”. Der Vereinigung “Tradition und Leben” sollen nach Information von 16vor aktuell rund 300 Mitglieder angehören, andere Schätzungen gehen von kaum mehr als der Hälfte aus. Unter anderen fand sich auch der bundesweit bekannte und 1991 verstorbene Neonazi Michael Kühnen in den Reihen der TuL.
zu TuL siehe auch: Adel aktuell. Deutsche Monarchisten kämpfen für eine Wiedereinführung der Monarchie. Es gibt sie noch die letzten deutschen Kaisertreuen. Inzwischen sogar neben dem Verein „Tradition und Leben“ (TuL; Motto: „Wir setzen der Demokratie die Krone auf!“) in einer Partei, der „Bürgervereinigung Monarchiefreunde“, organisiert. Um ein positiveres Image von Wilhelm II bemüht sich zudem das 2003 gegründete Kaiser-Wilhelm-Kuratorium. (…) Auffällig ist auch das Mitglieder von „Tradition und Leben“ für die extrem rechte Wochenzeitung „Junge Freiheit“ zu Feder griffen. So Markus-Wilhelm Weingartz (b), Redakteur der Zeitschrift „Erbe und Auftrag“ (zweimonatlich, Auflage: 900) und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft „Tradition und Leben e.V.“, oder Knut Wissenbach (c), Vorsitzender des Vereins aus Kelkheim. Das TuL-Beiratsmitglied Rene Häusler stand nicht nur der „Jungen Freiheit“ (d) im Interview Frage und Antwort, er schrieb auch für das neurechte Magazin Criticon (e). Häusler referierte 1999 auch schon bei den rechtsextremen „Unabhängigen Ökologen Deutschlands“ (UÖD) (f), mit denen TuL auch schon früher anbandelte (g).
In Grußworten an die TuL äußerte sich auch schon der CSU-Abgeordnete und Paneuropäer-Chef Otto von Habsburg (h); Freunde des «blauen Bluts» mit nicht immer «feinem» Umgang. Monarchistischer Verein «Tradition und Leben» mit Rechts-Kontakten (…) Wahrscheinlich kein Zufall ist es da, dass zwischen «Tradition und Leben» und der «Preußischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg» Berührungspunkte vorhanden sind – beispielsweise in der Person des ehemaligen TuL-Vorsitzenden Professor Dr. Wolfgang Stribrny. Im Beirat der «Preußischen Gesellschaft»: Fürst Ferdinand von Bismarck, der Urenkel des Reichskanzlers Otto von Bismarck. Der Fürst unterstützt die rechte Wochenzeitung «Junge Freiheit», referiert vor der vom Verfassungsschutz beäugten «Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft» (SWG) und steht als Schirmherr dem «Bismarckbund» zur Seite. Dem Bismarckbund können Kontakte zu rechtsextremistischen Kreisen nachgewiesen werden. Sogar militante Neonazis wurden schon mit dem «Bismarckorden» bedacht, der in Silber oder Gold ans Revers geheftet wird – oft von Fürst Ferdinand von Bismarck persönlich. Folgt man der Selbstdarstellung des Vereins, dann geht die Gründung des «Preußeninstituts» letztlich auf ihn zurück. Auf der Jahrestagung 2002 des «Preußeninstituts» war Albrecht Jebens der Starredner. Das damalige Vorstandsmitglied der rechtsextremistischen, vom Verfassungsschutz observierten «Gesellschaft für freie Publizistik» (GfP) wurde als Geschäftsführer des erzkonservativen «Studienzentrums Weikersheim» bekannt. Eine Zusammenarbeit zwischen TuL und «Preußeninstitut» besteht nach wie vor; auch personelle Überschneidungen sind Fakt – so etwa in Form von Dr. Rolf Sauerzapf, der an TuL-Veranstaltungen teilnahm und zugleich im «Preußeninstitut» tätig ist. Der ehemalige Pfarrer beim Bundesgrenzschutz ist ein scharfer und aktiver Kritiker des «Linkskurses» in der Evangelischen Kirche. Er ist aber zum Beispiel auch für das «Hilfskomitee Südliches Afrika» (HSA) zu begeistern, das 1976 von dem einstigen NPD-Funktionär Peter Dehoust (Chefredakteur und Herausgeber des ultrarechten Strategieorgans «Nation Europa») mitbegründet wurde. Das HSA kämpfte jahrzehntelang für das Apartheid-Regime in Südafrika und somit für die Rassentrennung. Noch heute ist es präsent – als «Interessenvertreter» deutscher Siedler in Afrika. Von der Burschenschaft Thuringia in Braunschweig wurde Sauerzapf sogar als HSA-Vorsitzender bezeichnet, nachdem sie ihn für den Februar 2005 als einen der Referenten ihres 12. Braunschweiger Seminars aufgeboten hatte. Weitere Vortragende waren laut Vorankündigung der Burschenschaft der ehemalige «Republikaner»-Landesvorsitzende Professor Dr. Klaus Weinschenk aus Berlin und der Holocaust-Leugner Gerhoch Reisegger aus Österreich.