Der Waldkircher Hitler
Der Waldkircher Hitler – einestages
Er war fleißig, gutaussehend, musikalisch – und einer der effizientesten Massenmörder der Geschichte: Als SS-Standartenführer organisierte Karl Jäger die Ermordung von über 130.000 litauischen Juden. Über seine Verbrechen führte der gelernte Prokurist mit dem Spitznamen „Waldkircher Hitler“ penibel Buch. Als den „Henker des litauischen Judentums“ hat ihn der Holocaust-Überlebende Arno Lustiger bezeichnet. Für den Historiker Hans-Heinrich Wilhelm war er „wahrscheinlich einer der effizientesten Massenmörder der neueren Geschichte“. Ein Mann aus der zweiten Reihe der SS-Führerschaft, von dem die Öffentlichkeit bis zum heutigen Tage kaum etwas gehört hat. Die Rede ist von Karl Jäger, unter dessen Leitung 1941/42 die systematische Ermordung der litauischen Juden erfolgte. Die wesentlichen Ereignisse des Genozids sind uns durch den „Jäger-Bericht“ vom 1. Dezember 1941 bekannt. Er spielt in der nationalen und internationalen Literatur über den Holocaust eine wichtige Rolle: Akribisch genau dokumentiert er die Mordtaten eines einzelnen Einsatzkommandos. Da Jäger zuvor, im Zivilleben, auch als Kaufmann gearbeitet hatte, war ihm das sorgfältige Bilanzieren geläufig.


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