12.03.2008: Der erste Raubzug (Tageszeitung junge Welt)
Vor 70 Jahren wurde Österreich von Hitlerdeutschland annektiert – die Aggression wurde von den Nazis propagandistisch als »Wiedervereinigung« gefeiert. Am Morgen des 12. März 1938 drang die 8. deutsche Armee in Österreich ein. Starke Polizeieinheiten und Einheiten der SS-Verfügungstruppe, dem Vorläufer der Waffen-SS, waren in die Wehrmachtsverbände integriert. SS-Kommandos unter Leitung des Reichsführers-SS und Chefs der Deutschen Polizei, Heinrich Himmler, waren auf dem Wiener Flughafen Aspern gelandet und hatten an Hand vorbereiteter Listen mit Verhaftungsaktionen begonnen. (…) Am 12. März 1938 hatte der deutsche Faschismus zum ersten Male einen unabhängigen Staat unterworfen, um ihn sich einzuverleiben. Die gloriose Kaisermetropole Wien wurde über Nacht eine Provinzstadt des Deutschen Reiches. Österreich war das erste Opfer der neuen Etappe nazistischer Expansionspolitik, die mit der sogenannten Hoßbach-Besprechung am 5. November 1937 eingeleitet wurde (siehe jW-Thema v. 3.11.2007). Damals war beschlossen worden, die seit langem geplanten Expansionsziele, die unter der Chiffre »Erweiterung des Lebensraums« dem Nazireich die Herrschaft über den Kontinent und eine territorial genügend große Plattform für den Kampf um die Weltherrschaft bringen sollten, von nun an notfalls mit militärischer Gewalt schrittweise zu realisieren. Um Flankenbedrohungen bei einem Einschreiten der Großmächte zu beseitigen, wählte man Österreich und die Tschechoslowakei als erste Angriffsziele aus.
siehe auch: Ein schwarzer Tag für Österreich. Wehrmacht in Wien – Zeitzeugenbericht über den 12. März 1938. Heute vor 70 Jahren marschierte die deutsche Wehrmacht in Österreich ein. Einen Tag später erliess Hitler ein Gesetz zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Der Schweizer ETH-Professor Eduard Imhof wird während einer Vortragsreise Augenzeuge der politischen Ereignisse. Seine Eindrücke hat er schriftlich festgehalten.