Thüringen: Krause verzichtet auf Amt des Kultusministers – Länder – Politik – FAZ.NET
Peter Krause wird nicht neuer Thüringer Kultusminister. Der CDU-Landtagsabgeordnete sagte am Montag in Erfurt, er habe am Sonntagabend Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) gebeten, ihn am 8. Mai 2008 nicht zum Thüringer Kultusminister zu ernennen. Die heftigen Auseinandersetzung der vergangenen Tagen ließen keine sachliche Verteidigung mehr zu, teilte er mit. Er sehe keine Möglichkeit, das sensible Amt in angemessener Sachlichkeit erfolgreich ausüben, im Amt politisch souverän handeln und „ein halbwegs normales Leben“ führen zu können. Krause war 1998 vier Monate Redakteur bei der „Jungen Freiheit“. Zudem soll er Beiträge in der Zeitschrift „Etappe“ veröffentlicht haben, in dem auch das ins Lateinische übersetzte Horst-Wessel-Lied als „Culturcuriosa“ abgedruckt war. Er sollte bei einer Kabinettsumbildung Nachfolger von Jens Goebel (CDU) werden.
siehe auch: weitere Presseartikel zu Krause
siehe auch: Krauses aktuellste Hitler-Analyse. Der designierte Thüringer Kultusminister war länger als bekannt als rechtslastiger Publizist aktiv. Noch 2003 beschrieb er „die argumentative Kraft der nationalsozialistischen Reden“. (…) Man solle doch bitte erst mal seine Texte lesen, bevor man ihn als rechtsextrem tituliere, sagte Krause im Interview. „Die Opposition arbeitet sich seit einer Woche daran ab und findet nicht eine Bemerkung, die auch nur annähernd anstößig wäre.“ Das stimmt nicht ganz. So geriet Krause prompt in Erklärungsnot, als er gefragt wurde, was genau er denn mit dem Begriff der historischen „Schuldmetaphysik“ der Deutschen meine, von dem er 2000 im Ostpreußenblatt sprach. Wer Krauses Aufforderung ernst nimmt, sollte vielleicht auch dessen Aufsatz „Hätte ein Redner wie Hitler heute Erfolg?“ studieren, den er 2003 in einem Sammelband mit dem Titel „Hitler der Redner“ veröffentlichte. Dort finden sich einige Passagen, die neue Fragen aufwerfen dürften. So schreibt Krause etwa: „Die argumentative Kraft der nationalsozialistischen Reden muss zur Kenntnis genommen werden, will man das Phänomen verstehen. Es gab Gründe, die NSDAP zu wählen.“ Weiter vorne heißt es: „Hitler als historisches Individuum ist exzeptionell“, seine Analyse der gesellschaftlichen Situation bezeichnet Krause als „scharf“. Dem Nationalsozialismus bescheinigt er in verschiedenen Bereichen „eine partielle oder sogar forcierte Modernität“. Es liege nahe, so der Verfasser, „vor allem Hitlers Reden während der demokratischen Weimarer Republik auf ihre Aktualität hin zu befragen“.