Eichen-Reigen

09.05.2008: Eichen-Reigen (Tageszeitung Neues Deutschland)

Rainer Funke warnt vor rechtem HdJ-Brauchtum. Man backt gemeinsam Plätzchen, singt Volkslieder, bläst die Fanfare und tanzt im Reigen um die zur Dorflinde erklärten deutschen Eiche. Man trifft sich zu kriegerischen Geländespielen, Märschen, Zeltlagern, Messerproben, zum Fallschirmspringen, übt den Paradeschritt. In der Pflege von Brauchtum, der Ertüchtigung des Leibes und Stählung des Charakters steckt ein völkisch brauner Geist. Die »Heimattreue Deutsche Jugend«, die sich selbst sinnigerweise mit HdJ abkürzt, versucht Kinder und Jugendliche mit Freizeitabenteuern in ihren Bann zu ziehen. Bei diesem Verein handelt es sich um einen Ausfluss des militanten Rechtsextremismus, der u.a. seinen »Jüngern« Ekel vor Pazifismus nahelegt. Toleranz gegen Schwächere, Andersdenkende und Andersseiende wird im HdJ als niedere Charaktereigenschaft, als Schwäche verachtet. Im Zeltlager kommandiert man aus dem »Führerbunker«. Man gedenkt Massenmördern und ehrt sie als Helden. Ein klassischer Naziverein – mitten unter uns.

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