Die Jüdische – Links – Antisemitismus der klugen Kerle
Zu den Sätzen, mit denen man auf jeder Party Punkte sammeln kann, gehören Gemeinplätze wie „Die Basis ist die Grundlage des Fundaments“, „die Armut kommt von der Powerteh“ und „Antisemitismus ist eine Frage der Bildung“. Während die beiden ersten Behauptungen über jeden Zweifel erhaben und richtig sind, erweist sich die dritte immer wieder als reines Wunschdenken. Antisemitismus hat so viel mit Bildung bzw. Unbildung zu tun wie Durchfall mit der politischen Haltung des Betroffenen. Dennoch ist die Überraschung jedes mal groß, wenn ein Angehöriger der gebildeten Schichten mit beiden Beinen im antisemitischen Fettnapf erwischt wird. Wie der Direktor des Sportwissenschaftlichen Instituts an der Universität Göttingen, Prof. Dr. Arnd Krüger, ein bekannter und anerkannter Sporthistoriker. Er hat Hunderte von Beiträgen zur Kulturgeschichte des Sports und angrenzender Disziplinen veröffentlicht – über Nudismus in Nazi-Deutschland, internationalen Arbeitersport, Sport, Politik und Appeasement in den 30er Jahren, die Anfänge der olympischen Bewegung in Europa. In der Juni-Ausgabe des Göttinger Hochschulsportmagazins „Seitenwechsel“ erschien ein Interview mit Krüger, in dem er u.a. auch gefragt wurde, ob es stimmen würde, dass er 1972 „als Betreuer der israelischen Olympiamannschaft“ einem der Ringer „zur Flucht verholfen“ habe, als die Israelis von einem palästinensischen Terrorkommando überfallen wurden. Das sei so nicht gewesen, antwortete Krüger, er habe die israelischen Leichtathleten 1971 bei den „Vorolympischen Spielen“ betreut. Ob er auch ein Jahr später in München dabei war, ließ Krüger offen, trotzdem erzählte er eine Geschichte, die bis dahin niemand je gehört hatte. „Als die Attentäter in das Olympische Dorf eindrangen, flüchtete einer der Geher als letzter aus dem israelischen Quartier über den Balkon. Er hatte zentimeterdicke Brillengläser, d.h. er war praktisch blind ohne Brille. Und wenn jemand wie er flüchten konnte, hätte jeder flüchten können. Aber die Anderen wollten nicht, sie hatten sich freiwillig gemeldet und wussten, dass die Palästinenser kommen würden. Nicht wann – aber dass.“
siehe auch: German university teaches anti-Semitic theory. Mounting pressure from non-Jewish groups and the Israeli Embassy in Berlin has led the German Sports Science Association and the University of Göttingen to convene special sessions to address an anti-Semitic theory propagated by Göttingen Prof. Arnd Krüger. At an academic conference on June 20 in Göttingen, Lower Saxony, Krüger argued in his lecture on “Hebron and Munich: How do we communicate sports history without getting caught in [the] snare of anti-Semitism?” that the 11 Israeli athletes and coaches who died at the 1972 Olympic Games in Munich essentially committed suicide “for the cause of Israel.”