Neonazis in Nordhessen etabliert
24.07.2008: Neonazis in Nordhessen etabliert (Tageszeitung junge Welt)
Nach Überfall auf Jugendcamp festgenommener Tatverdächtiger ist bekannter Aktivist der rechtsradikalen Szene. Der von der Polizei nach einem Überfall auf ein linkes Jugendcamp im hessischen Neuental festgenommene Gewalttäter Kevin S., der am Sonntag morgen ein 13jähriges Mädchen schwer verletzt hat, ist für Kenner der hessischen Neonaziszene kein Unbekannter. »Uns ist der eng mit dem früheren NPD-Parteivorsitzenden und vielfach vorbestraften Gewalttäter und Holocaustleugner Marcel Wöll kooperierende Kevin Schnippkoweit schon lange ein Begriff«, erklärte Pfarrer Hans-Christoph Stoodt von der Frankfurter Anti-Nazi-Koordination gegenüber junge Welt. Es sei ein »unglaubliches Maß an Unverschämtheit«, wenn die Polizei behaupte, den bereits im Vorfeld seiner Attacke im Camp bei einer Demonstration in Treysa kurzzeitig Festgenommenen nicht zu kennen. »Entweder die Polizei will nichts wissen, oder sie ist gänzlich inkompetent«, fügte Stoodt hinzu. Die Anti-Nazi-Koordination hatte bereits im Vorfeld eines Neonaziaufmarschs in Frankfurt am Main am 7. Juli 2007 auf Schnippkoweit aufmerksam gemacht. Unter dem Tarnnamen »exvodsphoenix« habe dieser antisemitische und gewaltverherrlichende Videos im Internet veröffentlicht. Damals habe der Frankfurter Polizeisprecher Jürgen Linker jedoch abgewiegelt und ein Video, in dem eine NPD-Aktivistin mit einer Molotow-Cocktail herumfuchtelt und zur Teilnahme an der Demonstration aufruft, als »Antifa-Fake« bezeichnet.
siehe auch: Wo der braune Reisekader zuschlägt. Überfall am Zelt. Solche Nachrichten kommen sonst nur aus dem Osten Deutschlands: Neonazis überfallen ein Zeltlager mit links-alternativen Jugendlichen, schlagen wahllos zu. Ganz selbstbewusst, am helllichten Tag. Diesmal aber geschah es mitten im Westen, in Nordhessen, am Neuenhainer See zwischen Homberg und Schwalmstadt. (…) Die braunen Schläger aber kamen morgens, als es längst hell war, und überraschten die Camper im Schlaf. Ein 13-jähriges Mädchen prügelten sie krankenhausreif, wohl mit einem Klappspaten. Der mutmaßliche Haupttäter, der bereits seit Montag in Untersuchungshaft ist und die heimtückische Attacke nach Polizeiangaben gestanden hat, ist in der rechtsextremistischen Szene bekannt: Kevin S., 19 Jahre alt, stammt aus dem Umfeld des ehemaligen hessischen NPD-Vorsitzenden Marcel Wöll in Butzbach und verbreitet über eine eigene Internetseite selbstgemachte Propaganda-Videos übelster Natur; Attacke rechtsextrem motiviert. Im Schlaf attackiert: Eine 13jährige liegt schwerverletzt im Krankenhaus - auch der Bruder ist verletzt. Die Täter kommen offenbar aus der organisierten rechtsextremen Szene. In seinen Videos soll er behauptet haben, Deutschland befände sich im Krieg gegen die Juden. Nun sitzt Kevin S. in Untersuchungshaft, weil er selbst in den Krieg gezogen ist. Der 19jährige hat gestanden zusammen mit anderen Rechtsextremisten ein Camp der Linken-Jugendorganisation Solid in Hessen angegriffen zu haben. Ein 13jähriges Mädchen liegt seitdem schwer verletzt im Krankenhaus; Schnippkoweit gesteht Überfall auf Solid-Camp. Kevin Schnippkoweit, bekanter Neonazi und Volksfrontmedien-Aktivist hat gestanden, an dem brutalen Überfall auf das Solidcamp am 20.07.08 in Nordhessen; Rechtem Schläger droht Anklage wegen versuchten Mordes. Im Fall einer Verurteilung könnte der 19-Jährige maximal lebenslang hinter Gitter kommen. Dem rechtsradikalen Hauptbeschuldigten des Überfalls auf ein Zeltlager von linken Jugendlichen in Nordhessen droht eine Anklage wegen versuchten Mordes. Im Fall einer Verurteilung könnte der 19-Jährige damit sogar maximal lebenslang hinter Gitter kommen. Die Kasseler Staatsanwaltschaft sieht Hinweise, dass bei der Tat die beiden Mordmerkmale Heimtücke und niedrige Beweggründe erfüllt sein könnten. Dies müssten die weiteren Ermittlungen aber noch bestätigen, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Hans-Manfred Jung, am Donnerstag auf Anfrage. Jung erläuterte, wer schlafende Camper mit einem Klappspaten und einer Bierflasche attackiere, handele heimtückisch. Wenn dies aus einer rechten Gesinnung heraus geschehe, müsse man außerdem über das Mordmerkmal niedrige Beweggründe nachdenken; “Kollateralschaden” - das faschistische Internetportal “Altermedia” verhöhnt das Opfer der Nazi-Mordattacke vom Neuenhainer See. Während Polizei, CDU-Landesregierung und viele andere sich jetzt heuchlerisch-betroffen zum Nazi-Überfall auf das ['solid]-Camp äußern, obwohl sie selber die politische und praktische Mitverantwortung dafür tragen, daß es dazu kommen konnte (gegen Schnippkoweit hätte man spätestens 2007 wegen Volksverhetzung und Gewaltverherrlichung vorgehen können, wenn man nur gewollt hätte - wer weiß, ob es dann zu seiner neuerlichen Tat gekommen wäre! siehe auch *Anmerkung_1) , äußert sich das Nazi-Internet-Portal “Altermedia” geradezu erfrischend offen und wirbt um Verständnis für den seit langem bekannten Täter:
Unter der Überschrift “Missglückter SOLID-Campingausflug” heißt es da über das Opfer: “Die 13-Jährige ist nichts weiter als ein Kollateralschaden in den Auseinandersetzungen zwischen Rechts und Links. Schließlich wird sie ja wohl niemand gezwungen haben, im SOLID-Jugendcamp zu übernachten oder an der Demonstration gegen Rechts einen Tag zuvor teilzunehmen”; Polizei behauptet weiterhin: Schnippkoweit war uns als Nazi kein Begriff, rechte Vernetzung im Schwalm-Eder-Kreis gibt es nicht…Der in U-Haft einsitzende Kevin Schnippkoweit war der Polizei des Schwalm-Eder-Kreises angeblich als Neonazi unbekannt. Das behauptet nach einem Bericht in “junge Welt” der Polizeisprecher der Direktion Schwalm-Eder, Markus Brettschneider. Auch behauptet er weiterhin, es gebe keine “Vernetzung rechtsextremer Kräfte” in Nordhessen. Dabei hätte ein Blick auf die Seite “antimanifest.de” genügt, um die Vielzahl neofaschistischer Aktionen in der Region genau aufgelistet zu finden. Ihren konzentrierten Ausdruck findet diese objektiv den Nazis nutzende Ideologie und Praxis im aktuellen Verfassungsschutz-Bericht des Landes Nordrhein-Westfalen, dessen politische Linie allerdings das genaue Gegenteil von dem ist, was der FR-Kommentator zu Recht fordert: den Schulterschluss aller Feinde der Rechtsextremisten.
















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Nazi-Überfall: ‘Plötzlich sagte er Scheiß-Zecke’ « dokumentationsarchiv
27 Jul 08 at 1:56 Uhr nachmittags