Zschäpe verhinderte Flucht der Zwickauer Zelle nach Südafrika

Das Mitglied des Terror-Trios weigerte sich offenbar, Deutschland zu verlassen. Längere Auslandsaufenthalte halten die Ermittler inzwischen für nahezu ausgeschlossen. Die Rechtsextremisten wurden entgegen früheren Berichten im Untergrund auch nicht von Fahndern fotografiert. Bei der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe gibt es inzwischen zwölf Beschuldigte (…) In einem Punkt zumindest scheint Klarheit zu herrschen. Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe sind offenbar nicht ins Ausland gegangen, um sich der Verfolgung zu entziehen. Längere Aufenthalte in Bulgarien, Tschechien, Ungarn oder Belgien, über die in den Medien immer wieder spekuliert worden war, halten die Ermittler inzwischen für nahezu ausgeschlossen. Allerdings stand wohl eine Flucht nach Südafrika zur Debatte. Die fiel aus, weil sich ein Mitglied der Gruppe weigerte. Zschäpe wollte offenbar nicht weg aus Deutschland, so eine Einschätzung der Ermittler. Diese Darstellung wird durch die Aussagen eines streng geheimen Papiers (“VS-Einstufung endet mit Ablauf des Jahres 2041″) gedeckt, in dem die Verfassungsschutzämter von Bund und Ländern aus den Archiven ihr früheres Wissen über die Zelle zusammengetragen haben. Das 24 Seiten starke Dokument, das dieser Redaktion vorliegt, umfasst lediglich die Jahre von Anfang 1998 bis Ende 2001. Danach seien den Verfassungsschützern “keine Hinweise auf Verbleib, Aktivitäten oder Kontakte der drei Flüchtigen” bekannt geworden. Inzwischen haben die Ermittler eine Vermutung, weshalb die Informationen zu Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe augenscheinlich versiegten: Ab 2001 habe das Trio offenbar realisiert, dass es von Banküberfällen leben konnte und nicht mehr auf Unterstützung aus der rechten Szene angewiesen war. Daraufhin habe man sich zunehmend abgeschottet und nur noch ganz wenigen Unterstützern vertraut. Zu “Unterbringungsmöglichkeiten in Südafrika” ist in dem geheimen Verfassungsschutz-Konvolut die Aussage eines V-Manns aus dem April 2001 wiedergegeben: “Während Böhnhardt und Mundlos mit dem Ziel einverstanden seien und dies auch als Daueraufenthaltsort anstrebten, beabsichtige Zschäpe, die nicht ins Ausland wolle, sich nach der Abreise der beiden den Behörden zu stellen.” Stimmt das, dann hätte Zschäpe den Verbleib aller drei Gesuchten in Deutschland mit einer unverblümten Drohung erzwungen. Was vor allem gegen die These eines längeren Aufenthalts im Ausland spricht: Die Ermittler gehen davon aus, dass die Rechtsextremisten von 1998 bis 2011 ununterbrochen über Wohnungen in Sachsen verfügten. (…) Eindeutig für eine Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung spricht aus Sicht der Ermittler zudem, dass Zschäpe gemeinsam mit Böhnhardt und Mundlos vermutlich im Jahr 2001 in Zwickau unter konspirativen Umständen eine Waffe in Empfang genommen hat. Sie soll dem Kurier auch einmal rund 3000 D-Mark übergeben habe. Besorgt haben soll die Waffe der Jenaer Neonazi Ralf Wohlleben, ein langjähriger NPD-Funktionär, der mittlerweile in Wuppertal in Untersuchungshaft sitzt und jede Aussage verweigert.

via welt: Zschäpe verhinderte Flucht der Zwickauer Zelle nach Südafrika

siehe auch: „Dackel“ soll Waffen für Neonazi-Trio besorgt haben. Der ehemalige Chef der Neonazi-Gruppe „Blood & Honour“ gerät nach FOCUS-Informationen ins Visier der Ermittler: Jan W. soll Waffen für den NSU beschafft haben. Der frühere Chef der sächsischen Neonazi-Gruppe „Blood & Honour“ soll der Zwickauer Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) mehrere Waffen beschafft haben. Die Bundesanwaltschaft führt Jan W. aus Chemnitz, eine bundesweit bekannte Größe der Neonazi-Musikszene, nach Informationen des FOCUS seit einigen Tagen als Beschuldigten. Am Mittwoch wurde seine Wohnung durchsucht. Nach FOCUS vorliegenden Verfassungsschutzakten unterstützte W. das Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe im Untergrund massiv; Zschäpe wollte nicht mit Neonazi-Trio nach Südafrika fliehen: Vor gut zehn Jahren hatte die Zwickauer Zelle offenbar eine Flucht nach Südafrika geplant. Die mutmaßliche Terroristin Beate Zschäpe habe aber nicht fliehen, sondern in Deutschland bleiben wollen, berichten Medien. (…) Diese Darstellung werde durch eine geheime Dokumentation (“VS-Einstufung endet mit Ablauf des Jahres 2041″) gedeckt, in der die Verfassungsschutzämter von Bund und Ländern ihr früheres Wissen über die Terrorzelle zusammengetragen hätten. Das 24-seitige Papier enthält demnach die Aussage eines V-Manns aus der rechten Szene, der im April 2001 über “Unterbringungsmöglichkeiten in Südafrika” berichtete.

Dossier Rechtsterrorismus / articles about right-wing terrorism: Nationalsozialistischer Untergrund – Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe. Polizistinnenmord, Dönermord, Rohrbombe, Thüringer Heimatschutz (THS) – Dossier: Kategorie NSU – http://bit.ly/ths-nsu

Über dokumentationsarchiv

faschismus ist keine meinung - faschismus ist ein verbrechen fascism is not an opinion - fascism is a crime

Posted on 30.01.2012, in Dienste, Gewalt, Kameradschaft, nsu, Rechtsextremismus. Bookmark the permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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