Kinderlachen beim Küssel-Prozess

Wieder gab es im Verfahren gegen Neonazi-Frontmann Küssel Probleme mit Geschworenen. Diesmal brachte eine Laienrichterin ihre Kinder mit. „Die Verhandlung steht unter keinem guten Stern“, seufzt die Richterin. Da wird im überhitzten Verhandlungssaal 303 des Wiener Straflandesgerichts das Strafverfahren gegen Neonazi-Leitfigur Gottfried Küssel („Ich bin Nationalsozialist“) fortgesetzt – und ausgelassenes Kinderlachen unterlegt die Szenerie. Zu dieser Diskrepanz zwischen „Bild“ und „Ton“ kam es am Montag – als erörtert werden sollte, ob Küssel und Co. für eine Homepage mit nationalsozialistischer Hetze verantwortlich sind. Grund für die Anwesenheit von Kindern in einem an den Gerichtssaal angrenzenden Nebenraum: Es gab erneut – zum bereits dritten Mal! – Probleme mit der Besetzung der Geschworenenbank. „Die Verhandlung steht unter keinem guten Stern“, seufzt Richterin Martina Krainz. Eine Laienrichterin habe ganz kurzfristig wissen lassen, dass sie ihr Amt nicht ausüben könne, da ihre Betreuung für ihr zweijähriges Kind ausgefallen sei. „Doch bevor die Verhandlung platzt, habe ich sie gebeten, mit Kind zu kommen.“ (…) Nun stand die Befragung jenes Abteilungsinspektors vom österreichischen Verfassungsschutz auf dem Programm, der die Einvernahmen von Wilhelm A. geführt hatte. A. wird vorgeworfen, für die „technische Betreuung“ der rechtsextremen Homepage „alpen-donau.info“ verantwortlich gewesen zu sein. B. wiederum soll die „inhaltliche Gestaltung“ vorgenommen haben – während Küssel als „Mastermind“ gilt. Alle drei bekennen sich nicht schuldig. Da A. zuletzt erklärte, ihm sei ein EDV-Bericht der Polizei nur unvollständig vorgehalten worden, wollte sich der Senat selbst ein Bild von dem Beamten machen. Dieser schilderte, dass gerade die erste Vernehmung – diese dauerte übrigens eine ganze Nacht lang – durch „ausschweifende“ Angaben des Verdächtigen A. gekennzeichnet gewesen sei. Der Beamte: „Er wurde von uns gut serviciert.“ So habe A. etwa „meine halben Zigaretten geraucht“. Das Verhör sei „so entspannt“ gewesen, „wie man sich um ein Adoptivkind bemüht“. Auch verriet der Beamte, dass er von A. offenbar „für dümmer gehalten wurde, als er selbst ist“. Dies sei entschieden von Vorteil gewesen: „Wenn man für dümmer gehalten wird, kann man den Beschuldigten reden lassen.“

via diepresse.com: Kinderlachen beim Küssel-Prozess

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faschismus ist keine meinung - faschismus ist ein verbrechen fascism is not an opinion - fascism is a crime

Posted on 20.08.2012, in Dienste, holocaust, Internet, Kameradschaft, Rechtsextremismus, Revisionismus. Bookmark the permalink. Leave a comment.

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