Gedenkwochenende Lichtenhagen: Tausende halten die Erinnerung wach

Das Gedenkwochenende anlässlich der Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen ist vorüber. Es war geprägt von vielfältigen Aktionsformen, der Rede des Bundespräsidenten und zahlreichen Entschuldigungen. Dennoch ging es an der hiesigen Bevölkerung größtenteils vorbei. Bereit seit etlichen Monaten fanden im Stadtteil Lichtenhagen als auch in anderen Vierteln der Hansestadt facettenreiche Veranstaltungen statt, organisiert vom städtischen Bündnis „Lichtenhagen bewegt sich“, dem Dutzende Organisationen und Vereine angehörten. Dennoch waren es vor allem die Demonstration am gestrigen Tag und die am Sonntag vom Bundespräsidenten Joachim Gauck gehaltene Rede auf der zentralen Gedenkveranstaltung, die medial die größte Aufmerksamkeit auf sich zogen. Etwa 1.000 Teilnehmer zogen Samstagvormittag zum Neuen Markt, auf dem u.a. Mitglieder der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten“ (VVN-BdA) und Sprecher linker Gruppierungen Reden hielten, in denen vor allem Polizei und Politik Kritik einstecken mussten. Eigentlicher Höhepunkt war jedoch der wiederholte Versuch, am Rostocker Rathaus eine Gedenktafel anzubringen. Bereits im Herbst 1992 und somit nur wenige Wochen nach dem Pogrom hatte eine Gruppe versucht, diese an der Außenfassade anzubringen. Allerdings wurde sie seinerzeit sofort wieder entfernt und mehrere Mitglieder vorübergehend festgenommen. 20 Jahre später sollte der zweite Versuch jedoch vom Erfolg gekrönt sein. Bürgermeister Roland Methling hatte bereits im Vorfeld signalisiert, das Schild nicht entfernen zu lassen. Zumindest vorerst.

via endstation rechts: Gedenkwochenende Lichtenhagen: Tausende halten die Erinnerung wach

siehe auch: “Es gibt keine Entschuldigung”. Er schonte keinen, weder den Staat noch seine Heimatstadt. Joachim Gauck ist beim Gedenken an das Pogrom vor 20 Jahren im Stadtteil Lichtenhagen hart mit den Rostockern und der Politik ins Gericht gegangen. Für ihn war es ein emotionaler Auftritt. Das offenbarte auch die Reaktion auf Störer. Von einer Eiche kann keine Rede sein. Allerhöchstens ein Eichlein wächst da seit Sonntagmorgen hinter dem Sonnenblumenhaus im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen. Es hat einigen Ärger in den vergangenen Tagen wegen des Bäumchens gegeben, das hier in Zukunft an das Pogrom im August 1992 erinnern soll. Linke Gruppen finden es befremdlich, dass ausgerechnet eine Eiche das Ereignis symbolisieren soll, bei dem Dutzende Ausländer nur knapp dem Tode entrannen – weil Deutsche es auf sie abgesehen hatten. Die Befürworter sagen: “Was kümmert es die deutsche Eiche, wenn sich ein Nazi daran schabt.” Der Herr im ersten Stockwerk des Sonnenblumenhauses, einem Plattenbau aus DDR-Zeiten, hat ganz andere Sorgen: Er bangt um seine Aussicht. “Hauptsache, sie wird nicht zu groß”, ruft der Lichtenhagener aus dem Fenster und schaut skeptisch auf das neue Mahnmal. Lichtenhagen steht seit Wochen im Fokus der Öffentlichkeit, wie seit 20 Jahren nicht mehr. Damals randalierte ein Mob tagelang vor dem Sonnenblumenhaus – zunächst richtete sich der Hass auf Asylbewerber, die nebenan untergebracht waren. Dann wandte er sich gegen vietnamesische Vertragsarbeiter, die im Sonnenblumenhaus wohnten. Am Ende zündeten sie das Gebäude an, wie durch ein Wunder kam niemand ernsthaft zu Schaden.

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About rudolf kleinschmidt

faschismus ist keine meinung - faschismus ist ein verbrechen fascism is not an opinion - fascism is a crime

Posted on 26.08.2012, in Dienste, Gewalt, Kameradschaft, Rechtsextremismus. Bookmark the permalink. Leave a comment.

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