“Gezielte Gewalt” und “taktische Zurückhaltung” – Interview mit “Störungsmelder” Johannes Radke

Verbote in der Kameradschaftsszene, rechtsextreme “Labelwechsel” und der fließende Übergang zwischen Rechtsextremismus und den “PRO-Bewegungen”. Das sind einige Themen unseres heutigen Samstagsinterviews mit Johannes Radke. Er ist freier Journalist mit dem Themenschwerpunkt Rechtsextremismus und Jugendkultur. Seit 2009 betreut er für ZEIT-Online den “Störungsmelder”. Vor kurzem veröffentlichte er mit Toralf Staud das Buch “Neue Nazis”. Herr Radke, Sie haben vor kurzem gemeinsam mit Toralf Staud das Buch „Neue Nazis. Jenseits der NPD: Populisten, Autonome Nationalisten und der Terror von rechts“ veröffentlicht. Worum geht es darin genau? Und warum haben Sie sich ausgerechnet den Autonomen Nationalisten gewidmet, denen Sie in diesem Buch einen breiten Rahmen einräumen? Wir haben als Schwerpunkt einige Entwicklungen im Rechtsextremismus thematisiert, die abseits der NPD ablaufen. Im Mittelpunkt stehen die Autonomen Nationalisten, die wir für die momentan gefährlichste Strömung halten. Von der Öffentlichkeit wurden diese radikalen Neonazis noch gar nicht richtig zur Kenntnis genommen. Natürlich kamen wir nicht umhin, in diesem Kontext auch die Terroristen des Nationalsozialistischen Untergrunds unter die Lupe zu nehmen. Außerdem nähern wir uns auch den sogenannten Rechtspopulisten, in unserem Fall PRO Köln. Wie schätzen Sie die Situation der Autonomen Nationalisten derzeit ein? Wo liegen ihre geographischen Schwerpunkte? Welche ideologischen Besonderheiten zeichnen diese Strömung der extremen Rechten aus? Die Autonomen Nationalisten (AN) sind gefährlich, Razzien zeigen das terroristische Potential der Neonazi-Szene, es wurden u. a. Bauteile für Bomben gefunden. Die Gefährlichkeit der AN liegt vor allem darin begründet, dass sie sich nicht taktischen Zwängen unterwerfen müssen. Oder mit anderen Worten: Es gibt keine taktische Zurückhaltung, es gibt keine Skrupel, Gewalt gezielt einzusetzen. Anders bei der NPD, die ja immer auch die nächsten Wahlen im Blick haben muss und deshalb nach außen verhältnismäßig gemäßigt auftritt. Geographisch sind die Autonomen Nationalisten ein urbanes Phänomen. Ihre Ursprünge liegen in Berlin mit der „Kameradschaft Tor“ und in Dortmund mit der Gruppe um Dennis Giemsch. Der Kleidungs-Stil hat sich mittlerweile aber über ganz Deutschland ausgebreitet. Das gilt auch für ländliche Regionen, zum Beispiel in Brandenburg. Ideologisch machen wir keine Unterschiede zu den anderen Neonazi-Kameradschaften aus. Es handelt sich vielmehr nur um eine andere, eine neue Verpackung. Außer vielleicht, dass die Verherrlichung des Nationalsozialismus in diesen Gruppierungen noch weiter verbreitet ist und mit noch mehr Einsatz vertreten wird. Auf dem „Antikriegstag“ vor wenigen Jahren fand sogar ein Frontbanner mit einem Zitat Adolf Hitlers Verwendung, der angesprochene Dennis Giemsch beendet seine Reden ebenfalls gerne mit Hitler-Zitaten. Die NPD würde sich das nicht trauen. Mit der NS-Ideologie sollen nach Auffassung der „Autonomen Nationalisten“ alle Probleme gelöst werden. Die von ihnen genutzte Wortneuschöpfung „Nationaler Sozialismus“ ist einfach eine juristisch nicht angreifbare bezeichnung für „Nationalsozialismus“. Die Modernisierung des Äußeren darf nicht über die rückwärtsgewandte Weltanschauung hinwegtäuschen.

via endstation rechts: “Gezielte Gewalt” und “taktische Zurückhaltung” – Interview mit “Störungsmelder” Johannes Radke

About these ads

About rudolf kleinschmidt

faschismus ist keine meinung - faschismus ist ein verbrechen fascism is not an opinion - fascism is a crime

Posted on 01.09.2012, in Dienste, Gewalt, Internet, Kameradschaft, NPD, Rechtsextremismus. Bookmark the permalink. Leave a comment.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 772 other followers