Geheimdienste hatten 40 Spitzel in Thüringer Neonazi-Netz

Die Nachrichtendienste von Bund und Ländern wurden insgesamt von etwa 40 Spitzeln aus dem “Thüringer Heimatschutz” informiert. Dies ergibt eine interne Aufstellung der Untersuchungsausschüsse von Bundestag und Thüringer Landtag, die sich mit dem “Nationalsozialistischen Untergrund” (NSU) beschäftigen. Der “Heimatschutz” war in den 1990er-Jahren das stärkste Neonazi-Netz in Thüringen. Ihm gehörten in Hochzeiten rund 140 Mitglieder an, darunter auch die späteren mutmaßlichen Terroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Die hohe Dichte der V-Leute und Quellen des Verfassungsschutzes oder des Militärischen Abschirmdienstes verstärkt die Irritationen in den Parlamenten. Abgeordnete fragen sich: Was wusste der Verfassungsschutz wirklich? Und was teilte er der Polizei mit, die vergeblich nach dem Trio fahndete? Für die Vize-Chefin des Thüringer Untersuchungsausschusses, Martina Renner , wurde der “Heimatschutz” offenkundig nicht nur nachrichtendienstlich beobachtet. “Die Organisation war von Spitzeln durchsetzt”, sagte die Linke-Landtagsabgeordnete unserer Zeitung.

via thüringer allgemeine: Geheimdienste hatten 40 Spitzel in Thüringer Neonazi-Netz

siehe auch: “Spitzel bespitzelt Spitzel”. Im Umfeld der Terrorzelle NSU soll es weit mehr V-Leute gegeben haben als bisher bekannt: Etwa 40 Mitglieder des “Thüringer Heimatschutzes” sollen in den neunziger Jahren Informationen an die Nachrichtendienste gegeben haben. Aber warum führte das zu nichts? Ihre Kampfbereitschaft war so stark wie ihr Hass auf alles, was nicht ihrer nationalsozialistischen Ideologie entsprach. Es brauchte nur wenige Anrufe, und die Mitglieder des “Thüringer Heimatschutz” (THS) liefen innerhalb weniger Stunden mit mehr als 100 Mann auf. In Hochzeiten gehörten zwischen 140 und 160 Neonazis der Organisation an – darunter die Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Der THS, zwischen 1994 und 1995 gegründet, entstammte der “Anti-Antifa-Ostthüringen”. Der Landesverfassungsschutz sprach schnell davon, dass die Gruppe zu einem “neuartigen Bindeglied im neonazistischen Spektrum geworden” sei. Rasant breitete sich der THS in den Regionen Jena, Sonneberg, Saalfeld, Gera, Rudolstadt, Ilmenau, Weimar, Kahla, Gotha und Nordbayern aus. Die Mitglieder organisierten Kameradschaftstreffen, Schießübungen auf alten Truppenübungsplätzen und Busreisen, beispielsweise zum “Deutschlandtreffen” der NPD in Passau, oder Kundgebungen wie die zum Todestag des erstochenen Neonazis Sandro Weilkes aus Sonneberg. Der THS war bis 2001 das mitgliedsstärkste, militanteste, dichteste Neonazi-Netzwerk in Thüringen. Wasserdicht war es nicht: Zwischen 35 und 45 von ihnen sollen den Nachrichtendiensten von Bund und Ländern Informationen aus der Szene gesteckt haben. Damit wäre etwa jedes vierte THS-Mitglied V-Mann, Spitzel oder Informant gewesen. Das ergibt sich aus internen Berechnungen der Untersuchungsausschüsse von Bundestag und Landtagen, die sich mit dem “Nationalsozialistischen Untergrund” (NSU) beschäftigen, wie die “Thüringer Allgemeine” berichtete. Szenekenner waren bislang von etwa zehn Spitzeln in den THS-Reihen ausgegangen. (…) Die Anzahl der Spitzel wirft Fragen auf: Was haben die drei Geheimdienste – Militärischer Abschirmdienst (MAD), Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und das Thüringer Landesamt für Verfassungsschutz (LfV) – mit den Informationen gemacht, die ihnen diese Spitzel steckten? Wurden sie weitergeleitet? Gab es Erkenntnisse, die für eine Militarisierung der Szene oder rechtsterroristische Bestrebungen sprachen? Oder haben die Spitzel gar keine Interna preisgegeben?

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Posted on 04.09.2012, in Dienste, Gewalt, Kameradschaft, nsu, Rechtsextremismus. Bookmark the permalink. Leave a comment.

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