Umstrittene Blut-und-Boden-Rede Orbáns
Ungarns Premier Viktor Orbán sorgt mit einer nationalistischen Rede für neue Irritationen im In- und Ausland. Orbán will auch nicht mehr Vizepräsident der Europäischen Volkspartei werden Von ihrem Ministerpräsidenten Viktor Orbán sind die Ungarn rhetorisch einiges gewohnt. Seit gut zehn Jahren sind seine Reden meist getragen von nationalem Pathos. Seit seinem letzten Regierungsantritt 2010 drängt er Europa auch immer wieder dazu, sich seiner christlichen Werte zu besinnen. Doch die Rede, die Orbán am vergangenen Sonntag zur Einweihung eines großen Turul-Denkmals im südungarischen Ópusztaszer hielt, stellte nach Ansicht vieler Beobachter alles bisher von ihm Vernommene in den Schatten. Warum ein Turul-Denkmal? Der Turul ist ein vogelartiges Fabelwesen, das die Ur-Magyaren aus den Tiefen Innerasiens in die Mitte Europas geführt haben soll. Er wird in mittelalterlichen Chroniken erwähnt, stieg aber erst im 19. Jahrhundert, im Zeitalter des nationalen Erwachens, zum Nationaltier der Magyaren auf. In der Zwischenkriegszeit, unter dem rechtsautoritären Reichsverweser und Hitler-Verbündeten Miklós Horthy, und am Ende des Krieges, unter dem faschistischen Regime der Pfeilkreuzler, erfuhr der Mythenvogel eine weitere symbolische Aufwertung. Horthy-Renaissance An die Symbolik der Horthy-Zeit scheint Orbán bewusst anknüpfen zu wollen, wie auch der gegenwärtig laufende Umbau des Parlamentsvorplatzes in Budapest zeigt, der explizit wieder so wie zur Zeit des Reichsverwesers aussehen soll. Da und dort werden bereits wieder neue Horthy-Denkmäler errichtet. So hat jetzt auch der Turul-Vogel wieder Konjunktur, in der Lesart Orbáns nunmehr auch als Symbol für den “nationalen Zusammenhalt”, was wiederum eine Chiffre für den zumindest moralischen Anspruch auf die nach dem Ersten Weltkrieg im Friedensvertrag von Trianon 1920 – dem nationalen Trauma vieler Ungarn – verlorenen Gebiete darstellt.
via derstandard.at: Umstrittene Blut-und-Boden-Rede Orbáns
Posted on 05.10.2012, in Dienste, Gewalt, Kameradschaft, Rechtsextremismus. Bookmark the permalink. Leave a Comment.







Leave a Comment
Comments (0)