Braune Grenzgänger an der Uni Mainz

An der Universität Mainz versuchen Neofaschisten zunehmend, antirassistische und antifaschistische Zusammenhänge und Veranstaltungen auszukundschaften und Informationen über AntifaschistInnen zu sammeln. Bevorzugte Anti-Antifa-Aktivitäten sind das Sammeln von Flugblättern und Publikationen sowie stupide Ausfragversuche von TeilnehmerInnen verschiedener Veranstaltungen nach Zusammenhängen, Namen, Treffpunkten, Personenzahlen etc., mittlerweile aber auch Versuche, Veranstaltungen zu stören oder zu verhindern.

So wurde im Juli unter dem Pseudonym „Eugenius“ versucht, über das neofaschistische Thule-Netz die rechte Gesinnungsgenossen zu einer Veranstaltung mit dem einer Hetzkampagne ausgesetzten Journalisten Anton Maegerle (vgl. DRR 45) zu mobilisieren. Nach Informationen, die dem Mainzer AStA aus dem Thule-Netz zugespielt wurden, deutet bei Eugenius vieles auf einen Studenten der Mainzer Universität. Zur Veranstaltung erschienen rechte Studierende mit einem „Herrn Sauer“, der mit Zwischenrufen zu stören versuchte und Flugblätter der freiwirtschaftlichen Association Liberal Sociale Ordnung (ALSO), die u.a. den REP nahesteht, verteilte, die sich auf Silvio Gesell und den NS-Wirtschaftstheoretiker Gottfried Feder beruft. Als weiteren „Gast“ brachten sie Ernst Marliany mit, Gymnasiallehrer, Oberstleutnant d.R. und Landesvorsitzende der DSU Rheinland-Pfalz mit diversen Kontakten: Der ehemalige REP-Funktionär war z.B. bei Treffen der mittlerweile verboteten DA in Mainz ebenso zugegen wie bei Treffen des israelischen Journalisten Yaron Svoray mit Heinz Reisz (siehe Svoray-Report). Außer bei Stiefelfaschisten ist Marliany auch im Spektrum rechter Sammlungsbewegungen aktiv. So zählte er z.B. als Landesvorsitzender der Landsmannschaft Schlesien zu den Unterzeichnern des Kyffhäuser-Aufrufs 1996 (3.Oktober-Aufruf) oder, gemeinsam mit Emil Schlee (Aufbruch 94), Hubert Dorn (Bayernpartei) und Johannes v. Camphausen (Deutsche Partei), zu den Referenten des von Lothar Lauck geführten JF-Lesekreises Staatspolitischen Clubs Rhein-Main, nach einer Presserklärung des RCDS Frankfurt „Schnittstelle zwischen National- bzw. Rechtskonservativen und Rechtsextremisten„.

Auf der Teilnehmerliste des Staatspolitischen Clubs steht auch die 1973 geborene Mainzer Studentin Ellen Felicitas Schenke geborene Kositza, die als Ellen Kositza seit 1993 in der rechtsextremen Wochenpostille Junge Freiheit (JF) vertreten ist. Sie gehört zu den trivialen, aus dem JF-Umfeld stammenden rechten Polit-Pubertierenden von Roland Bubiks zum „Generationenmanifest“ aufgeblasenen Buch: „Wir 89′er“. Erschienen ist dieses Machwerk in der Reihe Ullstein Report, die mit weiteren Autoren wie Hans-Helmut Knütter (Die Faschismuskeule), Karlheinz Weißmann (Rückruf in die Geschichte), Klaus Rainer Röhl (Linke Lebenslügen), Rainer Zitelmann oder Heinrich Lumnmer („Asyl – Ein mißbrauchtes Recht“) auch als völkisch-nationalistischer Stichwortgeber fungiert.

Zu einer antifaschistischen Veranstaltung mit Alfred Schobert vom DISS über „Dark Wave und die Neue Rechte“ erschien die JF-Autorin nach Sondierung der Lage mit Joseph Klumb alias Jay Kay und dessen Bruder, beide von der rechten Bingener Gothic-Band Forthcoming Fire. Jospeh Klumb ist (ehemaliger) Mitarbeiter von Werner Symanek, dem Herausgeber der neofaschistischen Unabhängigen Nachrichten (UN). Er propagiert eine faschistoide neurechte Ideologie mit deutlichen Anklängen an die antisemitischen „Protokolle der Weißen von Zion“: „Ganz im Groben gesagt, sind die Illuminaten für mich all jene Kräfte, welche die … [Welt und Menschheit] zu einer Sklavenrasse … mutieren lassen. … Es sind dies die Hochfinanz, es sind dies die Kräfte, welche hinter ihren Marionetten die Welt bewegen. … Das Gesicht des kommenden Regimes drückt sich aus durch die UNO, NATO, Weltbank, Zionismus, durch einige unserer Volksvertreter, Hochfinanz und Wirtschaft.“ (aus einem Interview mit dem Magazin Gothic).

Dazu paßt, daß er im selben Interview das mittlerweile verbotene Buch „Lexikon der Geheimgesellschaften“ von Jan Udo Holey alias Jan Van Helsing als Beispiel der Aufklärung gegen diese „Verschwörung“ empfiehlt. Dieses Interview belegt auch den Kontak Klumbs zu Holey: „Jay Kay war es auch, der für mich den Kontakt zu Jan van Helsing schuf“. Dieses Buch war auch im Literaturangebot des VAWS (Verlag + Agentur Werner Symanek), ebenso wie Bücher von Knütter, Mechtersheimer, Haider oder des österreichischen Antisemiten Guido von List, einem Begründer der Ariosophie, der Irrlehre der Höherwertigkeit einer arischen Rasse. Der deutlichen und mehrmaligen Aufforderung an Ellen Schenke und die Klumbs, die Veranstaltung zu verlassen, widersetzten sich diese zuletzt mit Tritten und Bissen. Der dabei entstehende Tumult wurde von ihnen genutzt, um die Polizei zu rufen. Schenke-Kositza nutzte dies darüberhinaus zu einem hetzerischen Halbseiten-Artikel in der JF und zu einer Beschwerde bei der Universitätsleitung. Die gesamte Aktion entspricht der von Schenke-Kositza in „Wir 89′er“ beschriebenen Hoffnung auf „Befreite Zonen“, dem neofaschistischen Konzept, zu dem auch das Verhindern antifaschistischer Veranstaltungen zählt. Die propagandistische Meisterleistung dieses Artikels war ein dramaturgisch gewähltes Bild eines „Rettungseinsatzes“ mit zwei Rettungswagen und einem Polizisten, das weder von diesem Abend noch von der Universität Mainz stammt. Damit bleibt der Eindruck, daß die sich gern als seriöse „Zeitung“ gebende JF bewußt die Wahrheit in ihrem Sinne manipuliert und daß es sich bei ihr letztlich um nichts anderes als um ein rechtsextremes Lügenblatt handelt.

Meist sind die Artikel von Schenke-Kositza das, was sie von Anbeginn waren: Filmkritiken. Die „Blutsvertriebene der späten Geburt“, die laut „Wir 89′er“ ihre jüngere Schwester Susanne schon mal als „pädagogische Maßnahme“ zur Bewahrung der völkischen „Identität“ zum Schweinestreicheln und Kartoffelernten nach Polen schleift, ist entweder ins rechte Netz eingebunden oder sucht dort Anschluß. Darauf deutet – neben dem Staatspolitischen Club – ihr Bericht vom Neonazitreffen in Diksmuide 1995, zu dem sie (erneut) ihre minderjährige Schwester mitnahm. Da der JF dies einen Kositza-Schenke-Artikel wert war, wissen wir, daß sie dort nach einer Polizeikontrolle wie andere Neofaschisten einige Zeit „hinter belgischen Gardinen“ verbringen durfte. Zu einem weiteren halbseitigen „Bericht“ in der JF mutierte ihre Sichtweise des Protests Mainzer Studierenden („Linksradikale“) gegen einen Lehrauftrag für die Direktorin des Bevölkerungsforschungsinstituts in Wiesbaden, Charlotte Höhn, aufgrund von deren rassistischen Äußerungen. Der Abdruck eines Flugblattes mit der Heartfield-Fotomontage: „Stimme aus dem Sumpf“ geriet der JF zur „Menschenverachtenden Antifa-Propaganda“.

Schenke-Kositza, die sich in ihrer Schulzeit in einem katholischen Mädcheninternat noch mit Skin-Outfit samt Doc Martens mit weißen Schnürsenkeln produzierte, war dem Focus den zweifelhaften Versuch der Stilisierung zum rechten Sexsymbol („Schlesische Claudia Schiffer“) wert. Da sie den Namen Schenke im Personalausweiß trägt und es deutliche Hinweise gibt, daß sie auch unter dem Namen Felicitas Schenke in der JF veröffentlicht(e) (JF 36/96), muß von ihrer Heirat ausgegangen werden. Damit steht zu befürchten, daß sie ihre Drohung aus „Wie 89′er“ wahr macht: ihren „Glauben an mindestens vier eigene Kinder weitergeben“ – dafür gab es ab 1938 das Mutterkreuz in Bronze…

stefan peter; Der Rechte Rand 48

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 777 other followers