Fragwürdige burschenschaftliche Traditionspflege in Mainz

Mainz: Von Justiz, Presse und antifaschistischen Kräften weitgehend unbeachtet agierte bislang die Burschenschaft Germania Halle zu Mainz. Ihr Dachverband ist die stark nach rechtsaußen tendierende Deutsche Burschenschaft (DB), deren extrem rechter Flügel die Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG) ist – auch diesem gehört Germania Halle Mainz an. Bekanntere Burschenschaften der BG sind die alljährlich vom Verfassungsschutz erwähnte Burschenschaft Germania Hamburg sowie die regelmäßig im neofaschistischen Periodika Nation Europa werbende Burschenschaft Frankonia Erlangen. Die genannten haben quer durch die Geschichte dieser Republik reichende Verbindungen in diversen burschenschaftlichen Kartellen: Entstanden aus dem Ostwestdeutschen Bund 1949, gründeten sie 1959 erneut das bis heute fortbestehende Schwarz-Weiß-Rote Kartell im Rahmen der Weißen Interessengesellschaft (WIG), die 1961 von der BG abgelöst wurde, dem aus dem Zusammenschluß besonders rechtsstehender Bünde institutionalisierten Kern des rechten Flügels der DB. Anlaß für die 1961 bei der Münchner Burschenschaft Danubia, ebenfalls einschlägig bekannt, erfolgte Gründung der BG war die ablehnende Haltung der Mehrheit der DB in der Frage der Fusion mit den österreichischen Burschenschaften sowie dem dahinter stehenden völkischen Staatsbegriff, der mittlerweile in der DB durchgesetzt wurde.

Obgleich öffentlich weniger präsent (gemacht) als ihre befreundeten Verbindungen, agiert auch die Germania Halle zu Mainz in einem eindeutigen Spektrum. So standen auf ihrem Veranstaltungskalender für dieses Semester nebem Trinkabenden unter anderem Heiner Kappel und der rechte Mulitfunktionär Boris Rupp (ex-REP-Bundesvorstand, Mitunterzeichner der Gründungserklärund des Institut für Konservative Bildung und Forschung (IKBF), Evangelische Notgemeinschaft in Deutschland (ENiD), Autor in JF, Nation Europa etc.). Wer – den Werbeplakat der Germania Halle folgend – sich für das „politische Verhalten bierseliger junger Männer während der Studienzeit“ interessierte und eine ihrer Veranstaltungen besuchte, konnte sich einen ersten Eindruck dieses Verhaltens machen, zu dem eine deutliche Nähe zu den rheinland-pfälzischen REP zählt: So kandidierte der derzeitige Schriftwart der Germania, Frank Grabert, mehrfach für die REP, und mit Kurt Ekkehart Goldmann konnte die Germania zeitweise den REP-Landesvorsitzenden stellen.

Der „Publikumsbereich“ ihres schlagenden Männerwohnheims beschert plastische Eindrücke des hier gepflegten politischen Verhaltens und der unseligen deutschen Traditionen dieser Verbindung. In den bei Veranstaltungen öffentlich zugänglichen Räumen hängen die Bilder ehemaliger und aktiver Burschenschafter samt Eintrittssemester – einige davon konnten sich selbst in den letzten Jahren nicht entblöden, ihren Beitritt in einem Sommersemester mit der doppelten Sig-Rune, dem SS-Zeichen der Nazis, abzukürzen. Burschenschaften propagieren das Bewahren von Traditionen – eine dieser Traditionen beweist die Germania Halle zu Mainz, in dem sie mit alten Bildern an ihr Gründungshauses in Halle an der Saale erinnert, auf das sie nach einem jüngst beendeten Rechtsstreit keinen Anspruch gültig machen kann. Scheinbar einer weiteren deutschen Tradition verpflichtet, hängt daneben ein „Gemälde“, das dieses Haus sowohl mit der Fahnen der Germania wie der Hakenkreuzfahne zeigt. Traditionsbewußt ist Germania Halle auch beim Eintreten für deutsche Minderheiten [ Änderung ] – zur Reihe der öffentlich zur Schau gestellten Reliquien politischer Gesinnung und Werthaltung zählt auch ein Bild als Erinnerung an den Ausflug Mainzer Germanen mit ihrem Alten Herren und Multifunktionär der DB, Dieter Niederhausen, nach Südtirol im Jahre 1985. Niederhausen war Anfang der 70er Jahre auch Vorsitzender der BG. „Verziert“ wurde es mit der Überschrift: „Sprengt den Mast in Südtirol…“ – der Bezug zum von Burschenschaften mitzuverantwortenden Südtirolterrorismus, der zahlreiche Menschenleben kostete und bis heute in den Reihen der Burschenschaften ebenso wie bei Neofaschisten als „Südtirolbumser“ verharmlost wird, liegt auf der Hand.

Zu den derzeitigen Dauerbewohnern des Hauses der Mainzer Germania Halle gehört ein Verbindungsbruder aus Hamburg. Dessen schlagende Mitstreiter werden sich zwischen dem 25. und 27. Juni zum 128. Stiftungsfest der Germania Halle zu Mainz einfinden – steht dieser Termin doch nicht nur bei der Mainzer Germania, sondern auch in bei der Hamburger im Terminkalender – vier Tage nach der dort gefeierten Sonnenwende…

stefan peter, Juni 1999 (Mainzer Unipress 321, extern Der Rechte Rand Nr.59)

[ änderung ] Im 1999 veröffentlichten Text, auf den es keine inhaltliche Reaktion seitens der B!Germania Halle oder sonst jemandem gab, behaupteten wir fälschlicherweise, dass der Rechtsanwalt Hans-Joachim Jungbluth Funktionär der Burschenschaftlichen Stiftung für Minderheiten in Europa sei (der genaue Wortlaut steht direkt unter dieser Anmerkung).
Herr Jungbluth erklärte dazu mittlerweile per Email: „Richtig ist nämlich, ich war zu keinem Zeitpunkt Funktionär dieser Stiftung, weder führend noch sonst wie.“ Wir bedauern dieses Versehen. Mainz, 13.08.2000

ursprünglicher Text an dieser Stelle: „…so ist ihr Altherrenvorsitzende, der Rechts-Anwalt Hans-Joachim Jungbluth, einer der führenden Funktionäre der Burschenschaftlichen Stiftung für Minderheiten in Europa, einer Art verbindungsstudentischem „Verein für das Deutschtum im Ausland“ und…

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