Größenwahn im Internet gegen Bedeutungslosigkeit in der Realität – die Deutsche Soziale Union (DSU)

Wer im politischen Alltag nichts zu melden hat, lebt Größenwahn und Profilneurosen im Internet aus – so auch die Deutschen Sozialen Union (DSU), die, dem Beispiel anderer rechter Splitterparteien folgend, fehlende politische Relevanz mit der Präsens im Internet auszugleichen sucht. Dabei bleibt die Realität oft auf der Strecke – auch hier macht die DSU keine Ausnahme.

Eine Darstellung der Geschichte der 1990 von der CSU mitgegründete Partei im Internet lehrt den oder die LeserIn, daß diese Splitterpartei über sechs Landesverbände im Osten der Republik verfügt, in einer Übersicht der Kreisverbandsadressen wird diese Zahl dann sogar auf vier Bundesländer reduziert: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Darüberhinaus verfügt sie nach eigenen Angaben über einen in Gründung begriffenen Landesverband im Westen. Bei diesem handelt es sich um den Kreisverband Mainz der DSU, dem Prof. Dr.med. Friedrich Ehrenbrandt und Ernst Marliany vorstehen.

Ehrenbrandt, Tempelritter und langjähriger Leiter des Evangelischen Arbeitskreises der CDU Rheinland-Pfalz, war Festredner beim zehnjährigen Bestehen der Burschenschaft Germania und Mitunterzeichner des rechten Aufrufs zum 8.Mai 1994. Marliany ist beamteter Lehrer an einem Mainzer Gymnasium. Darüberhinaus ist der ex-REP-Funktionär Landesvorsitzender der Schlesischen Landsmannschaft Rheinland-Pfalz, Oberstleutnant der Reserve (als solcher unterschrieb er den Aufruf zum 8.Mai 1995), Mitglied des Bundesvorstandes der DSU und deren Aufbauleiter West sowie Regionalbeauftragter des Friedenskomitees 2000 von Alfred Mechtersheimer, der vom Verfassungsschutz in eine Reihe mit den Rechtsextremisten Franz Schönhuber und Harald Neubauer gestellt wurde.

Der (Wunsch-) Vorstellung der DSU im Internet als bundesweiter Partei dient eine Übersicht ihrer „Landesverbände“ mit Querverweisen zu weiteren Internet-Seiten. Nach dieser Übersicht hat die DSU plötzlich bundesweit 16 Landesverbände, acht davon in Gründung. Weitere fünf nicht explizit „Landesverbände“ genannte liegen jenseits deutscher Grenzen: Schlesien, Pommern, das Sudetenland, Ost- und Westpreußen. Während die „Schlesien“- und „Pommern“-Seiten jeweils zu einer Internet-Seite führen, die in einem von Ernst Marliany in als Funktionär der Schlesischen Landsmannschaft zu verantwortenden revanchistischen Flugblatt bestehen, weisen die drei anderen just auf die DSU-Internetseite, die sie als Landesverbände in Gründung ausweist. Damit kann davon ausgegangen werden, daß die DSU weite Teile östlich Deutschlands als „deutsches Stammesgebiet“ beansprucht. Summa summarum macht das 21 Landesverbände und ein Bild Deutschlands in den Grenzen weit vor 1945, das weder mit der Realität noch mit der Verfassung in Einklang zu bringen ist…

Weitere Internet-Seiten bieten diverse Flugblätter und Presseerklärungen, Adressen der wenigen real existierenden Landes- und Kreisverbände und ihrer Ansprechpartner sowie einige Seiten der Jungen Sozialen Union (JSU). Dieser wird nachgesagt, daß sie sich die Aussage des Dresdner DSU-Funktionärs Jürgen Schwarz, rechts der DSU dürfe es nichts geben, zueigen gemacht habe. Dort ist auch zu erfahren, daß der 8. DSU-“Bundesparteitag“ in Leipzig von 79 Deligierte und 40 weitere „Mitglieder und Freunde“ besucht wurde, die den bisherigen Parteichef, Roberto Gottfried Rink, im Amt bestätigten, während der rechte Multifunktionär Ernst Marliany nicht in die unmittelbare Parteispitze gewählt wurde. Doch auch die Präsens im Internet ändert nichts an der parteipolitischen Bedeutungslosigkeit der DSU, die zum „in der Tendenz rechtsextremen Bündnis um Schrenck-Notzing, Alfred Mechtersheimer und dem BKKD“, so das Handbuch Deutscher Rechtsextremismus (siehe auch intern Rezension), zu zählen ist.

Dies wurde erneut am Kyffhäuser gezeigt, wo sich am 3.Oktober laut Berliner Zeitung „Rechts-Konservative und National-Liberale, Anhängern der Neuen Rechten und Korpsstudenten“ trafen. Starredner war das (Noch-) FDP-Mitglied Heiner Kappel, am Mikrofon war auch Roberto Rink zu finden. Zu diesem Kreis zählen die Gruppen um das von der DSU mitgegründeten Bündnis Konstruktiver Kräfte Deutschlands (BKKD), der Bund Freier Bürger (BFB), die Mechtersheimer-Organisationen Friedenskomitee 2000 und Deutschlandbewegung, der Staatspolitische Club Rhein-Main um Lothar Lauck, die Unabhängige Ökologen Deutschlands (UÖD), die Dresdner Freitagsgespräche (DFG) und ihre Aktion 99-Deutsche Mark sowie diverse Vertriebenenorganisationen. Die Dresdner Freitagsgespräche um den ehemaligen Wiking-Jugendlichen Hans Holger Malcomeß, heute DSU-Mitglied, sind nach Angaben dortiger AntifaschistInnen Sammelbecken des „schwarz-braunen Sumpfes von Dresden“. Dazu zählen Mitglieder von JU, JSU, REP, Autoren der faschistoiden Gruftzeitschrift Sigill und der inzwischen eingestellten Zeitenwende, Aktivisten der stark rechtslastigen Dresdner Burschenschaft Cheruscia und ehemalige Mitglieder inzwischen verbotener rechtsextremer Organisationen, so ein Flugblatt aus Dresden.

stefan peter (Der Rechte Rand 49)

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