Brauner „Netzherr“

Diverse neonazistische Webseiten haben einen gemeinsamen Urheber. Links verweisen den Nutzer immer wieder darauf.

Der sich selbst als „nationaler Sozialist“ bezeichnende Dennis Entenmann aus dem bayerischen Iphofen zählt neben anderen zu den umtriebigsten Rechtsextremisten im Internet. Bekannt wurde er mit einem Mordaufruf, den er unter dem Namen „Davids Kampfgruppen“ (nach dem amerikanischen Naziterroristen David Lane) ins Netz stellte. Bei Kennern der Szene gilt Entenmann zudem als Betreiber zahlreicher weiterer rechtsextremer Seiten im World Wide Web. Darüber hinaus sind diverse Domainnamen auf ihn registriert, darunter die ins virtuelle Niemandsland führende Adresse „netz-gegen-links“ oder die Internetadresse „Totalgeschenkt“.

Unter dieser Adresse betreibt er eine noch im Aufbau befindliche, auf den ersten Blick scheinbar apolitische Portalseite. Diese bietet beispielsweise neben diversen Werbebannern eine Einwahlsoftware für einen „Nationalen Internet Dienst“ (NID). Am Fuß der Einstiegsseite fordert eine animierte Grafik „Solidarität mit Frank Rennicke“ und verlinkt zur entsprechenden Homepage. Verwiesen wird hier auch auf die rechtsextreme Splittergruppe Vereinigte Rechte (VR), als deren „Landesbeauftragter für Bayern“ Entenmann gerne auftritt, auf das Bündnis Rechts in Lübeck und den „Deutschen Freundeskreis Schwaben“ (DFS) – Gruppierungen, die in Beziehung zu Entenmann stehen.

In einem Unterverzeichnis der Domain befindet sich aber noch eine weitere Internetseite, von der unbedarfte Surfer nichts erfahren: „Netzherren AKTION: WIR BLEIBEN AUCH IM WELTNETZ DEUTSCH“. Diverse rechtsextreme Homepages verweisen über eine szenetypische Weiterleitungsadresse, die den eigentlichen Speicherort verschleiert, auf diese Webseite. Laut Eigendarstellung ist dies „endlich eine Seite für die deutschen Netzseiten Betreiber“. Dort heißt es dann: „Auch wenn das Internet“ (Weltnetz) international strukturiert ist, so muß man als Deutscher sich nicht dieser Amerikanisierung unterwerfen …. Wir sind Deutsche und stehen auch zu unserer Sprache, denn sie ist die schönste der Welt!“

Die Internetpräsenz deutschen Netzherrenmenschentums erscheint einfach strukturiert – sie besteht aus Werbebannern und einigen Verweisen, unter anderem auf diverse Toplisten, wie „Blue Ribbon. Topliste für Meinungsfreiheit“ oder „gegen BRD-Zensur im Internet“, und zu „Partnerseiten“. Verwiesen wird zur „Kameradschaft Germania Berlin“ (KSG), der „Netzseite von Dennis Entenmann“ und dem „Sprechraum“, einer neonazistischen Chatmöglichkeit. Automatisch mit dem Seitenaufruf der Toplisten wird in einem neuen Browserfenster auch eine „Ultima Topliste“ geöffnet. Auch hier sind wieder Links zur Entenmann-Netzseite und den „Netzherren“ verzeichnet – zwischen animierten Porno-Bannern und Seitenverweisen wie „Herren zum Mitficken von Paar gesucht, Wild Tina“ oder „Flotter Feger“ – letzterer scheint in Iphofen nicht unbekannt zu sein, immerhin tauchen genau diese Worte bei „total geschenkt“ auch in den Anmerkungen zur Rubrik „Erotik“ auf.

Nach Angaben des Journalisten Burkhard Schröder, gehört Entenmann eine weitere Homepage mit dem Titel „Freispruch für Dennis Entenmann“, eine simple Seite, die jedoch von strafrechtlicher Relevanz sein kann: Zeigt sie doch eine potenziell volksverhetzende Grafik und, neben dem Verweis auf die neonazistische Knastorganisation HNG und die KSG, auch eine Grafik gegen den Paragrafen 130 StGB samt der Aussage: „Stoppt diesen Verbrecherstaat! Weg mit dem Pack!“ – was einen Anfangsverdacht wegen Verstoßes gegen Paragraf 90b StGB rechtfertigen würde.

Der Seiteninhalt besteht im Wesentlichen aus dem virtuellen Abdruck eines im Mai im Bündnis Rechts-Organ „Lübscher Aufklärer“ erschienenen Textes, der Entenmann zu einem Opfer falscher Freunde, schlampiger Ermittlungen, Vorverurteilungen undsoweiter macht. Die Seite beinhaltet auch ein Bild Entenmanns, das ihn von hinten zeigt. Das gleiche Bild hatte er unter anderem dem Informationsdienst gegen Rechtsextremismus (extern http://www.idgr.de) zugeschickt, nachdem dort Informationen über ihn veröffentlicht wurden. Zeitweise war es auch auf der neonazistischen Internetseite „14WordsBoots“ zu finden – dort allerdings mit dem Pseudonym „Bonzil4/88″ versehen. Andernorts im Netz bezeichnet sich dieser auch als „Bonzi Bonzenjäger“ und verfügt über eine Emailadresse bei einer Seite „Nationaler Widerstand“. Dahinter steckt ein „Nationaler Online-Anzeiger“ (NOA), der zumindest zeitweise betrieben wurde von – Dennis Entenmann.

Rudolf Kleinschmidt, Januar 2000 (redigiert im bnr 1-2000))

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 770 other followers