Das braune Netz

„Kampfjahr 2000 – der Sieg wird unser sein“ – mit diesem Bannerspruch begrüßte der rechtsextreme „Deutschen Freundeskreis Schwaben“ (DFS) auf seiner Site. Heute ist daraus ein: „Wir lassen uns nicht kleinkriegen! Jetzt beitreten!“ geworden – sowie ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßers gegen die Paragraphen 86a und 130 StGB. Der Kündigung durch die Oldenburger Firma Ecce Terram folgte der Wechsel zum Lübecker Provider Checkdomain sowie eine .NET-Domain über die amerikanische Firma NameZero, während die Seiten selbst beim neonazistischen Provider Yoderanium gespeichert sind.

Weitere rechtsextreme Domainnamen sind bei deutschen Providern angemeldet, die meisten davon trifft es zufällig, zumal eindeutige Domainnamen wie das berüchtigte „heil-hitler.de“ selten gewählt werden. Diversen rechtsetxremen Seitenbetreiber wurde zudem gekündigt, nachdem die Provider Kenntnis vom Seiteninhalt hatten: „Nachdem sich die Firma Puretc dazu entschlossen hat, mit einem altkommunistischen Stasi-Ableger zusammenzuarbeiten, hat sich die Schriftleitung entschlossen, … den Anbieter zu wechseln“, erklärt z.B. die neonazistischen „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene“ (HNG; siehe dazu auch intern HNG ins Netz gegangen) nach der Kündigung ihrer .DE-Domain. Seither ist die HNG über eine .COM-Domain zu erreichen, die vom amerikanischen Neonazi Garry Lauck, dem „Führer“ der NSDAP-AO, angemeldet wurde. Teilweise bestehen – wie bei anderen Seitenanbietern auch – diese Domain nur aus dem Redirect zu Anbietern von Webspace, die in den seltensten Fällen eindeutig rechtsextrem sind; Provider wie Yoderanium (siehe auch intern Artikel über Yoderanium) oder Americanskinheads bilden dabei die unrühmliche Ausnahme. Die meisten Seiten werden, oft mehrfach gespiegelt, über Anbieter wie Geocities, Tripod, Internettrash oder andere ins Netz gebracht. Dazu kommt die gängige Praxis der Weiterleitungsadressen, um auch nach einen virtuellen Umzug wiedergefunden zu werden. Während dabei Adressen wie come.to, fly.to etc. in der Vergangenheit rechtsextreme Weiterleitungen schon gesperrt haben, sind Anbieter wie tsx.org derzeit ein Beinahe-Standard neonazistischer Webauftritte.

Als interaktive und verbindende Elemente dienen diesem Spektrum teilweise Gästebücher und Foren. So erbrachte eine Auswertung von 40 rechtsextreme Internetseiten samt Gästebücher und Foren durch extern jugendschutz.net, der Zentralstelle der Länder für den Jugendschutz in den Mediendiensten, alleine 600 Querverweise und 800 Kontakt- und Emailadressen. Diese dienen auch der Mitteilung über Seitenverlagerungen, neue Homepages sowie der Kontaktaufnahme. Dabei wird meist zurückgegriffen auf gängige und bekannte Angebote im Internet, sowohl für Foren, Gästebücher wie für E-mails.

Auf einigen Seiten wird zudem versucht, über Werbung Geld zu verdienen – wie z.B. über Werbebanner wie bei DFS. Dass dies wie die Pop-up-Werbeeinblendungen von Freehostern rechtsextremen Saitenbetreibern auch Probleme bereiten können, zeigte sich jüngst daran, dass ein amerikanischer Anbieter eine rechtsextreme Seite sperrte, nachdem sich eine der beworbenen Firmen beschwert hatte, dass sie mit der rechtsextremen Seite in Verbindung gebracht wurde.

Rudolf Kleinschmidt, 11-2000 (online today)

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