FESTAKADEMIE EUROPA 2000 und FESTKOMMERS – Waffenstudentischer Kongress nach ersten 100 Tagen der Haider-Koalition

Innsbruck: Am 12. Und 13. Mai findet, veranstaltet von den „Burschenschaften Brixia Innsbruck“, „Germania Oberösterreich“ und „Suevia Innsbruck“ sowie der „Landsmannschaft Tyrol“, dem „Corps Athesia“ und der „ATV Innsbruck“, im dortigen Kongresshaus ein verbindungsstudentischer Festkommers sowie die „Festakademie Europa 2000″ statt, zu dem zahlreiche Gäste aus dem extrem rechten Lager erwartet werden, darunter Alfred Mechtersheimer, der Führer der rechtsextremen „Deutschland-Bewegung“, sowie Hans-Helmut Knütter, beide regelmäßige Autoren der rechtsextremen Wochenzeitung „Junge Freiheit“, der österreichische Altnazi Otto Scrinzi, Burschenschafter, ehemaliger SA-Sturmführer und NSDAP-Mitglied sowie späterer FPÖ-Vize, oder sowie diverse Autoren der als zentraler Brückenkopf zwischen österreichischem Rechtsextremismus und Rechtskonservativismus geltenden Monatsschrift „Aula“.

Thema des Festkommers, in dessen Mittelpunkt „das Schicksal bedrängter Volksgruppen im heutigen und morgigen Europa“ stehen soll, sollen laut einer Pressemeldung in der „Aula“ „Nationalitäten-, Religions- und Kulturkonflikte im Europa von Morgen“ sein. In einem Artikel in der Wochenzeitung „Zur Zeit“ wurde der „Jahrtausendkommers“ als national-freiheitliche Richtungsweisung und als „Gegenkonzept der Couleurstudenten zu multikulturellen Gesellschaftsexperimenten“ angekündigt. Als Hauptveranstalter fungiert die Innsbrucker „Burschenschaft Brixia“, in der Vergangenheit ebenso wie die rechtsextreme Wiener „Burschenschaft Olympia“ Rekrutierungsfeld für den Südtirolterrorismus des rechtsextremen Multifunktionärs Norbert Burger – unter anderem auch unterstützt von der Erlanger „Burschenschaft Germania“. Der 1992 verstorbene Burschenschafter Burger galt als „lebende Verkörperung des Austro-Nazismus“, ein Großteil der Führungspersonen der österreichischen Neonazi-Szene durchlief seine „Nationaldemokratische Partei“ (NDP), die sich zu einem Großteil aus Altnazis und militanten Burschenschaftern rekrutierte. Die Brixia ist Mitglied der „Burschenschaftlichen Gemeinschaft“ (BG) der „Deutschen Burschenschaft“ (DB), einem Zusammenschluss von Burschenschaften am rechten Rand der ohnehin als rechtskonservativ bis extrem rechts geltenden DB, die bis heute einen „volkstumsbezogenen Vaterlandbegriff“ propagiert. Einen Tag nach dem verbindungsstudentischen Spektakel ist die umstrittene rechtspopulistische blau-schwarze Koalition aus FPÖ und ÖVP genau 100 Tage im Amt.

Unter den Teilnehmern werden sich auch Korporierte der Marburger „Burschenschaft Rheinfranken“ sein, die zwei Monate später den Vorsitz der „Deutschen Burschenschaft“ (DB) übernehmen wird, auch diese – wie andere Burschenschaften dieses Dachverbandes – mit einem fragwürdigen Verhältnis zum mehr als 30 Menschenleben fordernden Südtirolterrorismus der 50er und 60er Jahre. Bei den „Rheinfranken“ referierte im Januar diesen Jahres der ex-Funktionär der „Deutschen Liga für Volk und Heimat“ (DL), Dr. Rigolf Hennig aus Verden, über den „Freiheitskampf in Südtirol“ genannten Rechtsterrorismus, an dem er beteiligt war, auf ihren Internetseiten gibt es einen Kurzbericht über diesen „großen Besuch“. Der Vortrag wird unter anderem mit folgendem Satz beschrieben: „In einer Nacht fielen 40 Strommasten. Die Italiener verkrochen sich, als es überall dunkel wurde und krochen einige Zeit wieder wie die Ratten aus ihren Verstecken“…

Hennings Engagement für Deutschland in anderen Grenzen erstreckt sich nicht nur auf Südtirol. Unter seiner Anschrift ist auch der „Freistaat Preußen“ zu erreichen, für Henning Teil des „Deutschen Reiches“, eine „Verfassung des Freitstaates Preußen“ aus dem Jahre 1995 hat er „für die Preußische Staatsregierung“ unterschrieben. Darüber hinaus ist er auch verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift Preußen, heruasgegeben laut Impressum vom „Freistaat Preußen“, der unter derselben Anschrift wie Henning zu finden ist, was etwas über die Größe seines Hauses oder die geringe Größe (und Bedeutung) Preußens aussagt…

Rudolf Kleinschmidt, April 2000

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