Frankfurter „Hackfressen“ und die deutsche Frau aus Offenbach

Bei der Frankfurt-Leipziger Buschenschaft Arminia, einer der von Spöttern gerne als „Hackfressen“ titulierten, sich Narben ins Gesicht und anderswo schlagenden Studentenverbindungen, kam es am 13.Januar zu einem „Burschenschaftlichen Abend“ der ganz besonderen Art. Im Rahmen einer „Burschenschaftlicher Abend“ genannten Vortragsreihe zu allgemeinpolitischen, akademisch-relevanten oder historischen Themen trat dort, angekündigt als „Frau Ellen Kositza, Autorin“, die als Mainzer Studentin und langjährige Autorin der rechtsextremen Wochenzeitung Junge Freiheit (JF) bekannte Ellen Schenke als Referentin an, um in reaktionär-männerbündlierischem Rahmen einen antiemanzipatorischen Vortrag über: „Die desolat verkommene und wertelose Gesellschaft als Folge von Emanzipation/Feminismus – warum die deutsche Frau die Emanzipation nicht braucht“ zu halten.

Geworben wurde auf dem Flyer mit einem Bild Kositza-Schenkes aus dem dankenswerterweise nicht wiederaufgelegten, vormals in der JF zum Generationenmanifest stilisierten Buch: „Wir 89er“, in dem der JF-Autor seinen Freunde Platz bot, um über ihre Befindlichkeit zu schreiben – heraus kam ein überteuertes Werk in der damaligen versuchten rechtskonservativen Kaderschmiede Zitelmann, das über ein schlechtes Schülerzeitungsniveau nie herauskam; Querverbindungen zum Staatspolitischen Club, einer nicht nur nach Angaben des RCDS der Uni Frankfurt „Schnittstelle zwischen National- bzw. Rechtskonservativen und Rechtsextremisten“, existieren ebenso. Nebenstehendes Bild ist aktueller und zeigt sie für die Kamera posierend vorm Haus Mainusch, bevor sie gemeinsam mit Freunden aus dem rechtsextremen Flügel der Dark-Wave-Szene mit Gewalt versuchte, eine Veranstaltung im Mainusch zu stören (siehe auch Braune Grenzgänger an der Uni Mainz).

Welche Werte nach Kositza-Schenke zur Rolle der deutschen Frau und Mutter passen, stellte sie bislang mit zahlreichen Filmkritiken und wenigen anderen Texten in der JF ebenso wie mit einem Leserbrief an das rechtskatholische Monatsheft „Komm Mit“ 1-98 des gleichnamigen, höchst umstrittenen Verlages (Stichwort: rechtes Gedankengut zwischen Bibelzitaten) dar – letzterer war, um ihre Adresse gekürzt) zeitweise auch im Internet abrufbar und schildert ihre Befindlichkeit und deutschen Mutterstolz angesichts ihrer ersten Geburt, ein gewolltes Kind, das lustigerweise Ergebnis von „hauptsächlich etwas jenseits unserer rationalen (verstandesmäßigen) Übereinkunft“ war – ein Schelm, wer dabei Böses denkt…

Der antiemanzipatorische Ansatz Kositzas entspricht einer klassischen Mutterrolle, wobei Aussagen wie der Wunsch, den eigenen „Glauben an mindestens vier eigene Kinder weiter[zu]geben“, zumindest ansatzweise an die von der NS-Frauenschaft propagierte Mutterrolle, verbunden mit der „privaten“ Weitergabe der deutschen Ideologie, in Einklang scheinen. Wer immer ihren Artikel: „Namen wie Mühlsteine. Eltern strafen ihre Kinder lebenslang: Immer mehr Neugeborene heißen Marvin, Keanu und Kofi“ gelesen hat, wird in dieser Annahme noch mehr bestärkt, führt sie als Beleg für diese Behauptung doch u.a. und allen Ernstes eine Stammessaga der „Christianisierung des freien Geschlechts Ingrabans“ an, worin allein dank christlicher Namensgebung ein Sohn seinem Stamm und dessen tradierten und kriegerischen Traditionen entrissen wird. Auch der Bezug auf das Buch: „Tanz der Elemente“ von Björn Ulbrich alias Stefan Ulbrich, ex-Redakteur der JF, ex-Mitglied der mittlerweile verbotenen Wiking-Jugend und Kopf des klar im rechten Milieu verhafteten Arun-Verlags spricht Bände: „In seinem Kult-Schmöker (sic) … widmet sich Björn Ulbrich ausgiebig der europäischen Tradition der Namensgebung. Danach wurde einst in das Kind durch die Namensgebung all das hineingelegt, was ihm die Sippe zu geben bereit war und was diese ihrerseits von dem Kind erwartete.“ Weiter geht es eindeutig in diesem Text: „In diesem Sinne hatte der Name nicht den bloßen Charakter eines wohlklingenden Schmucks, sondern galt als substantieller Bestandteil des Menschen. Ulbrich stellt einen mehrstufigen ‘Verflachungsprozeß’ fest, an dessen vorläufigem Ende in der Jetztzeit die erwähnten Modenamen ohne einen Gedanken an Sinn und Herkunft und damit die Chantal und Marvin-Massenmenschen stehen.“ Was im Hause Schenke die Sippe dem Balg in die Wiege legt, solle sich jedeR am Namen der Erstgeborenen ablesen: Yelka.

Als Referentin trat Kositza in der Vergangenheit mehrfach auf, unter anderem gemeinsam mit anderen JF-Autoren bei einem Wartburgfest der einschlägigen Deutschland-Bewegung Alfred Mechtersheimers oder bei den REP in ihrem Heimatort Offenbach. Mit ihrem jüngsten, antiemanzipatorischen Referatstitel, dessen Lesen alleine wie eine schlechte Parodie wirkt, paßt sie in den ebenfalls männerbündlerischen Kreisen verklemmter Sexulamoral einer Frankfurter Burschenschaft, die bei Veranstaltungen noch immer Termine für Gäste und Termine für Gäste und Frauen (sic) unterscheiden.

Die Frankfurt-Leipziger Burschenschaft Arminia bevorzugt im Übrigen ReferentInnen aus eindeutigen Zusammenhängen. Der nächste Vortrag wird gehalten von Rechtsanwalt und „Verbandsbruder“ Hannes Kaschkat, der „Bemerkungen zur Rechtsgrundlage Preußens und der deutschen Ostgebiete“ machen wird. Bekannt wurde Kaschkat als früherer Vizepräsident der Universität Würzburg und erster Chefredakteur der rechtskonservativen Zeitung „student“. Desweiteren ist er Autor unter anderem beim „Ostpreußenblatt“, das zeitweise wie ein Sammelbecken abgehalfterter JF-Autoren wirkte, und im revisionistischen „Deutschland in Geschichte und Gegenwart“ aus dem rechtsextremen Grabert-Verlag; desweiteren trat in der Vergangenheit unter anderem als Referent der „Bogenhauser Gespräche“ der rechtsextremen Münchner Burschenschaft Danubia auf. Noch mehr vorbelastet war ein weiterer Referent dieses Semesters: Hans Ulrich Kopp, den manche Mainzer Verbindungsstudenten im Gespräch als „Rechtsextremist“ titulieren und der laut Handbuch deutscher Rechtsextremismus „Multifunktionär und Vertreter der jungen Generation im rechtsextremen Lager mit landsmannschaftlichen und burschenschaftlichen Wurzeln“ ist. Darüber hinaus ist er z.B. Funktionär des Altherrenverbandes besagter Münchener Danubia und im Bundesvorstand des revanchistischen Witikobundes. Sein Thema: „Deutsche Geschichtsschreibung an der Jahrtausendwende – brechen sich Wahrheiten Bahn?“.

Rudolf Kleinschmidt, Januar 2000 (veröffentlicht u.a. in der Mainzer Unipress)

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