Kein Anschluss unter dieser Nummer – neonazistisches „Whitepower Portal“ gescheitert

Zürich: Vorerst gescheitert scheint der Versuch eines Schweizer Rechtsextremisten, auf einer rechtsextremen Portalseite im Internet zahlreiche einschlägige neonazistischen Skinseiten zu bündeln – er hatte versucht, dafür auf einem Server der Züricher Cablecom Management AG Speicherplatz bereitzustellen. Antifaschisten konnten dies bei einer Internet-Recherche dokumentieren, als sie erstmals im Juni auf ein „Whitepower Portal“ stiessen. Dieses war bis dato noch nicht über eine normale Internetadresse, sondern lediglich über eine aus einer Zahlenkombination bestehende IP-Adresse zu erreichen – und auch dafür gilt demnächst „Kein Anschluss unter dieser Nummer“: Seit Anfang Juli erscheint dem „normalen“ Surfer dort nur noch die Mitteilung, dass der Server zum 31.7.2000 geschlossen werden muss und dass bis dahin alle Seitenbetreiber ihre Seiten bei einem anderen Provider unterbringen müssen – die Verweise aus dem Netz auf die dahinterliegenden Neonaziseiten funktionieren aber noch immer.

Diese Links führen zu Seiten, deren Inhalte vom Betreiber des „Whitepower Portals“ als „Privat Besitz“ (Original-Schreibweise) bezeichnet werden („Niemand darf ohne Einwilligung des/der Betreibers/Betreiber Dateien auf diesem Server betrachten“). Dies wie das Fehlen jeglichen Zugangsschutzes zur eigentlichen Portalseite mit Links zu über einem Dutzend Naziskinseiten führen den behaupteten „Privat Besitz“ ad absurdum. Hauptelement der eigentlichen Portalseite ist eine bildschirmfüllende Grafik mit einem an eine Schutz- oder Lebensrune gebundenen Skinhead, „umrahmt“ von szenetypischem „Zahlenspiel“. Rechterhand befindet sich mit der 88 ein Synonym für „Heil Hitler“ (H ist der achte Buchstabe des Alphabets), links steht eine 14. Diese steht bei Neonazis für die von David Lane, einem wegen Mordes verurteilten Mitglied der amerikanischen Naziterrorgruppe „The Order“, geprägten „14 Words“: „Wir müssen die Existenz unserer Rasse und die Zukunft für unsere weißen Kinder sichern“. Eine ähnliche Bedeutung hat auch das Runensymbol – gilt dieses Symbol der „Altvorderen“ bei Neonazis doch als „Schutzrune, sie versinnbildlicht Abwehr gegen Feinde, Schutz von Sippe und Heim“. Ob selbst für Neonazis alle Links diesem „Schutz“ dienen, sei dahin gestellt – der Seitenbetreiber beherbergt neben 4 einschlägig bekannten deutschsprachigen Naziskin-Seiten auch eine Seite namens „OnlyInternet“, die auch mit einem deutschen Domainnamen auf Johni Tomkoko aus Herten in Deutschland registriert ist. Deren Ziel ist es, mit dem Internet Geld zu verdienen. Dementsprechend massiv ist auch die Werbung auf dieser Seite, darunter bisweilen auch für Anbieter von Pornoseiten.

Unter den beim „Whitepower Portal“ gehosteten und verlinkte Internetseiten waren mehrere Seiten noch nicht erreichbar, darunter die von „Thrillseeker“ oder „Wikinger“, die noch „im Aufbau“ waren, oder die Internetseiten von „Das3Reich“, „Rechtsrock“, „Skinheadxx“ oder „Blutbad88″ (bezeichnenderweise in einem Verzeichnis namens „Zeckenklatscher“ gespeichert) oder bei denen ein direkter Seitenzugriff aus anderen Gründen noch nicht möglich war. Hinter diesen Seitennamen finden sich im Internet einschlägig bekannte Hardcore-Naziskinseiten, deren Spektrum von Antisemitismus und Holocaustleugnung über nationalsozialistisches Bildmaterial und Faschomusik bis hin zum Aufruf zur Gewalt und Bombenbauanleitungen reicht. Online und nach wie vor abrufbar sind dagegen Seiten wie „Nie wieder Bruderkrieg“, „Sturmseite“, „Freyja“ und „Division88″, allesamt dem neonazistischen Skinhead-Milieu zuzurechnen. Aus der Schweiz scheint die „Sturmseite“ zu kommen, und auch „Nie wieder Bruderkrieg“ hat unter dem Namen „Kameradschaft“ zumindest eine Weiterleitungsadresse bei der Schweizer Firma Telemedia8, die zur beim „Whitepower Portal“ gehosteten Seite führt. Für deren Inhalt zeichnet „Klansman“ verantwortlich, dahinter verbirgt sich ein Michael, der sich nicht entblödet, in seinem Gästebuch zwischen Naziparolen von anderen Online-Nazis mit seiner Freundin („Klansgirl“) Wochenenden zu verplanen. Daneben zielt seine Seite auf die Förderung von „Zusammenhalt & Kameradschaft in unserer Szene“ und die gemeinsame Organisation von „Nationalisten,Blood&Honour Skinheads,White Power Skinheads, Nazi Skinheads und und und…“ – laut eigenen Angaben wurde er bei der Inhalt und Seitengestaltung von „Freyja“ aus Köln beraten. Hinter diesem Pseudonym steckt eine seit längerem nicht nur im Internet aktive Rechtsextremstin aus Köln, deren Seiten ebenfalls über das „Whitepower Portal“ abrufbar sind bzw. waren – sie hat mittlerweile gemeinsam mit weiteren bekannten Netznazis unter dem Namen „intern Combat Germania Weltnetz Kooperation“ eine weitere Portalseite im Internet errichtet. Jenseits der virtuellen Welt ist sie unter anderem aktiv im „Bund heimattreuer Frauen“ (BhF), vormals als „Nationale Weiber-Aktionsfront“ im Ruhrgebiet bekannt, und versucht, unter anderem mit „Schulungsveranstaltungen in den Bereichen ‘Politik’, ‘Heimatkunde’ und ‘Brauchtumspflege’“ und der „Pflege und Aufrechterhaltung der Kameradschaft … (und) Heimatschutz“ (letzteres oft als synonym für Gewalt gegen alles in rechter Diktion „Undeutsche“ missbraucht) rechte Frauen zu organisieren. Ebenfalls online ist „Division88″, die Seite von „Sturm Trupp Division 88″, ebenfalls als „Privates Eigentum“ deklariert, auf das niemand ohne Erlaubnis zugreifen dürfe, es sei denn, auf eigene Verantwortung. Dahinter verbirgt sich eine Seite mit Hakenkreuzfahnen und massiven Rechtschreibschwächen. Neben dem – szenetypisch – gross geschriebenen doppelten „s“ finden sich Sätze wie: „Mike von http://Blutbad88.tsx.org und Ich haben einen NS-Sitering gegründet.Wo Ihr euere NS-Seite eintragen könnt.“ (Rechtschreibung wie im Original). Ebenso aufschlussreich: „Der Server auf dem die Seiten jetzt gehostet werden, gehört einen Kameraden, in der Schweiz.“

Dieser „Kamerad“ lässt sich zuordnen, denn die Anmeldung beim „Whitepower Portal“ wurde an „Saccara“ gesendet, eine seit längerem bekannte Seite Deutschschweizer Skinheads, die auf Stefan Wegmann in Zürich zugelassen ist. Bei „Saccara“, einer weiteren Seite, zu der das „Whitepower Portal“ verlinkt, ist auch ein Verweis auf das genannte „Portal der Schweiz“ zu finden – beide Seiten weisen zudem eine gewisse Ähnlichkeit in der Seitengestaltung auf. Zumindest bei der Züricher Cablecom sollte es damit bekannt sein, wer hinter „Saccara“ steckt. Denn deren Rechner wurden mindestens einen Monat genutzt, um neonazistische Inhalte ins Internet zu bringen. Und obgleich der Versuch vorerst gescheitert scheint, über einen Schweizer Server im Internet eine neue neonazistische Portalsite zu etablieren, steht zu erwarten, dass dies nicht von Dauer sein wird. Eher dürfte es eine Frage der Zeit sein, bis diese Portalseite unter einer neuen Adresse wieder im Internet zu finden sein wird – konzipiert und realisiert von einem Schweizer Skinhead…

Rudolf Kleinschmidt, Juli 2000

Nachtrag: Das Portal sowie die dahinterliegenden Seiten sind mittlerweile offline. Die Schweizer Saccara-Seite dagegen ist noch immer zeitweise im Netz.

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