Neonazi-Offensive im Netz

Verfassungsschutz beobachtet verstärkte Internet-Aktivitäten

Die neonazistische »Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene« (HNG) geht in die Offensive. Die mittlerweile einzige bundesweit aktive neonazistische Organisation nutzt dabei verstärkt das Internet zur Verbreitung ihrer Propaganda. Nach Angaben des Verfassungsschutzes hat die Gruppe kürzlich eine auf ihren Namen lautenden Domain im Internet angemeldet. Die »Nachrichten der HNG« waren schon einmal über die Internetseiten der im November 1997 selbst aufgelösten Neonazi-Gruppe »Die Nationalen« als Berlin- Brandenburger Zeitung (BBZ) abrufbar. Deren Herausgeber war der ehemalige Chef der »Nationalen«, Frank Schwerdt. Das NPD-Vorstandsmitglied ist vor allem im Osten Deutschlands eine der Schlüsselfiguren des Rechtsextremismus und gilt als Mitgründer einer Reihe von sogenannten »Unabhängigen Kameradschaften«. Die HNG- Domain wurde von Schwerdt persönlich angemeldet, der als Adresse seinen Versandhandel »Vortrag-Buch-Reise-Verlag« (VBR) angab. Der VBR gilt als Berliner Kontaktadresse.

Über die neue HNG-Präsenz im Internet wird nicht nur die jeweils neueste Ausgabe der HNG-Nachrichten verbreitet, sondern auch ein »elektronisches Printarchiv« mit allen Ausgaben ab Januar 1997 zugänglich gemacht. Die dort abrufbaren Ausgaben sind mit den Printausgaben weitestgehend identisch, lediglich die Gefangenenlisten wurden nicht mit ins Netz gestellt. Über die Internetpräsenz sollen Mitteilungen über Gerichtsurteile, Termine und aktuelle Meldungen schneller verbreitet werden.

Die Internetpräsenz nimmt in der Reorganisierung der rechten Szene eine wichtige Rolle ein. In der Aprilausgabe der HNG-Nachrichten wird unter anderem über die HNG- Hauptversammlung in Fulda berichtet. Bei dem Treffen referierten einschlägig bekannte Neonazis wie der frühere Chef der verbotenen Freiheitlichen Arbeiterpartei (FAP), Friedhelm Busse. Unter den Anwesenden war auch Annemarie Paulitsch von der Bewegung »Für unser Land« sowie Mitglieder des jüngst gegründeten »Freien Mädelbundes« aus Bad Gandersheim. Die Gruppe soll nach Eigendarstellung den Frauen inhaftierter Nazis zur Seite stehen und wäre damit das Pendant zur HNG, die dafür sorgt, daß inhaftierte Neonazis »bei der Stange bleiben«.

Rudolf Kleinschmidt, junge welt 8.05.2000

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s

Follow

Get every new post delivered to your Inbox.

Join 792 other followers