Neuauflage des neofaschistischen Heideheims

Lüneburg: Das Oberverwaltungsgericht Lüneburg hat die Schließung des Neonazi-Zentrums im niedersächsischen Hetendorf und das Verbot von dessen Förderverein wie Trägerverein um den Hamburger Rechts-Anwalt Jürgen Rieger bestätigt. Das Vereinsverbot war mit der Begründung ausgesprochen worden, die „Heideheimvereine“ bekämpften die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik. Bereits im April 1998, zwei Monate nach dem Verbot aus Hannover, hatte der 13. Senat des OVG den Vereinen eine eindeutige Niederlage bereitet. Die Richter kamen in einem Eilverfahren zu der Überzeugung, im Hetendorfer „Heideheim“ seien verfassungsfeindliche Ziele mit einer „aktiv kämpferischen Haltung verfolgt“ worden. Die Veranstalter unter anderem der „Hetendorfer Tagungswoche“ setzten sich für das Gedankengut der Nationalsozialisten ein.

In dem OVG-Beschluss hieß es, das Innenministerium habe „belegt, dass bei dem Trägerverein und dessen Vorsitzendem Jürgen Rieger, der auch jetzt als Rechtsvertreter der Vereine auftrat, eine Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus gegeben“ sei. Wann indes ein Urteil ergeht, ist bislang noch offen. Über fünfzehn Jahre lang hatte das Gebäude bei Celle der rechtsextremen Szene für Aktivitäten gedient, die von Sonnwendfeiern über Tagungswochen bis zu Wehrsportübungen reichten, wobei ein breites Spektrum rechtsextremer Gruppierungen dort agierte. Als Veranstalter verschiender Aktivitäten in Hetendorf agierten unter anderem die neuheidnische „Artgemeinschaft / Germanische Glaubensgemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung“, der „Heinrich-Anacker-Kreis“ oder (bis zu ihrem Verbot) „Wiking-Jugend“ /WJ), „Nationale Liste“ (NL) oder „Nationalistische Front“ (NF). Mittlerweile besteht – auch nach Aussagen des Verfassungsschutzes – die Möglichkeit, dass mittelfristig in Amholz in der kleinen niedersächsischen Gemeinde Teldau an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern eine Neuauflage des Heideheims entstehen könnte. In der Sechs-Häuser-Gemeinde haben zwei Rechtsextremisten, die sich noch aus Skinhead-Tagen kennen, ein heruntergekommenes Anwesen gekauft: der ex-Vorsitzender der NL, Thomas Wulff, und Michael Grewe, der den FSN-Zentralversand leitet. Bei einer Hausdurchsuchung bei Grewe fand die Polizei 1997 eine Maschinenpistole, einen Karabiner, zwei Pistolen und über 1000 Schuss Munition. Schon im letzten Sommer gab es dort die erste Sonnwendfeier. Die nahe Stadt Boizenburg dient nicht nur als Bestelladresse für Grewes rechten Devotionalienhandel – dort firmiert auch das aus dem „Skingirl-Freundeskreis Deutschland“ (SFD) hervorgegangene „Braune Kreuz“ von Cathleen Grewe.

Rudolf Kleinschmidt, April 2000

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