Virtueller Deutscher Freundeskreis aus Schwaben

Calw: Der jüngst wegen einschlägigen „Propagandadelikten“, Betrug und einem Mordaufruf im Internet zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Vorbewährung sowie 200 Arbeitsstunden (vgl. bnr 7-00) verurteilte neonazistische Skinhead Dennis Entenmann (21) ist auch weiterhin im Internet aktiv. Seine virtuelle Neonazigruppe Deutscher Freundeskreis Schwaben (DFS), nach Angaben von Kennern der Szene eher eine Ein-Mann-Show, hat eine neue Internetadresse bei einem Provider in den USA gefunden. Die bisherigen DFS-Webseiten, eine über die Oldenburger Firma ECCE TERRAm auf Entenmann registrierte Second-Level-Domain, wurden dagegen nicht mehr aktualisiert.

Unter anderem versuchte Entenmann in der Vergangenheit, unter einer der weiteren auf ihn registrierten Internetadressen den Zugang zu anderen rechtsextremen Gruppen zu bündeln, indem er ihnen einen „arischen“ Internetnamen als Teil der Internetadresse anbot (siehe auch intern Internetangebot für virtuelle Arier). Interesse an diesem bisher scheinbar an technischen Problemen gescheiterten Angebot zeigten unter anderen diverse Internetauftritte aus dem Umfeld der sächsichen NPD.

Deren „Netzwart“ Jens Lehmann hat ebenso wie Entenmann diverse einschlägige Internetnamen über die Bad Segeberger Firma Niewerth und Franzen angemeldet. Die neuen Seiten des DFS verzichten auf die zweifelhafte Selbstbezeichnung als baden-württembergischer Ableger des Bündnis Rechts für Lübeck.

Beibehalten wurde dagegen die Geschäftsbeziehung zum Hagener RK Druck und Vertrieb von Rüdiger Kahsner, für den der DFS mit: „Aufkleber, Plakate, Propaganda“ wirbt und in dessen Emailadresse der Name Anette Kruse auftaucht. Kahsner mobilisierte in der Vergangenheit namens des Aktionskomitees Rudolf Heß zum bundesweiten Heß-Gedenkmarsch. Seine Druckerei ist Bestelladresse für die vom DFS angebotenen Aufkleber und Propagandamittel, darunter zahlreiche Motive, die Entenmann auch unter dem Namen Aktionsfront Bärensee, einem der bisherigen zahlreichen realen wie virtuellen Organisationsnamen, verbreitete.

Integriert in die neuen DFS-Seiten ist auch ein Diskussionsforum, in dem die seit längerer Zeit währende Auseinandersetzung zwischen JN-Mitglied Ziller aus Kornwestheim, der das Sinzine Kettensprenger herausgibt, und Entenmann, der dort früher mitarbeitete, eine virtuelle Fortsetzung findet, die dank Preisgabe von Adressen und eindeutige Aufforderungen („Nur ein toter ZILLER ist ein guter ZILLER“) durchaus noch zu realen Konsequenzen führen kann.

Rudolf Kleinschmidt, 5/2000

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