Braune Heimstätten im WorldWideWeb

Die meisten deutschsprachigen Neonazi-Webseiten werden über ausländische Provider ins Netz gestellt, ein Trend, der durch die Aktivitäten von Initiativen gegen Netznazis und auch Strafverfolgungsmaßnahmen noch verstärkt wird. Dass auch damit gegen deutsches Recht verstossen werden kann, zeigen nicht zuletzt die Durchsuchungen bei Mitgliedern des “Deutschen Freundeskreis Schwaben” (DFS) (vgl. extern bnr 07-2001) oder die Ermittlungen gegen Robin Christian Fritz, der unter dem Pseudonym Taiste die Seite einer “Arischen Bruderschaft” mit Bombenbauanleitungen und Hasslisten zu verantworten hat (vgl. bnr 09-2001).

Viele der braunen Seiten werden, wie andere Webseiten auch, über Freehoster, Anbieter von kostenlosem Speicherplatz, ins Netz gebracht. Kostenlos gibt es im Internet auch bei vielen Diensteanbietern Emailadressen, Gästebücher, Weiterleitungsadressen und Diskussionsforen, Angebote, die im Internet generell gerne genutzt werden. Betroffen davon sind in erster Linie bekannte oder generell bei Surfern beliebte Anbieter wie GMX, Geocities, Parsonomy und andere. Vielfach verstoßen die eingestellten rechtsextremen Inhalte, Äußerungen und Dateien etc. gegen die jeweiligen allgemeinen Geschäftsbedingungen der Anbieter – eine einzige, entsprechend formulierte Beschwerde kann hier schon zur Löschung der betreffenden Seite führen.

Meist ist dies jedoch nur ein kurzer Erfolg – viele der braunen Webpages tauchen an anderer Stelle mehr oder weniger rasch wieder auf, einige davon über kurz oder lang bei einschlägigen Providern, die “hate speech” zulassen oder die gezielt als braune Netzstätten auftreten. So galt der seit 1998 seine Dienste anbietende Naziprovider Yoderanium als das Sammelbecken neofaschistischer Internetseiten – bis er Anfang des Jahres unter anderem wegen finanzieller Probleme seine Dienste einstellen musste. Zuvor schon wies er in Mails darauf hin, dass die bei ihm eingestellten deutschen Nazisites zu Ermittlungen geführt hatten . Unumstrittender Nachfolger ist heute der Naziprovider “Front14″. Bei dem auf den Namen John Gill und eine Postfachadresse im amerikanischen Eagle River (Arkansas) registrierten Anbieter sind fast 300 Naziseiten angemeldet, ein Fünftel davon deutschsprachig. Darunter sind Seiten neonazistischer Kameradschaften ebenso wie der NPD-Kreisverband Rems-Murr, der hessische “Bembelsturm” oder die Internetseiten des aus einer Neonazipostille entstandene Seite “Der weisse Wolf”, bei der einiges auf David Petereit aus dem mecklenburg-vorpommerischen Blumenholz deutet. Mittlerweile bietet Front14 seine braunen Dienstleistungen auch gegen Bezahlung an.

Ebenfalls gegen Bezahlung bietet der Neonazi Garry Lauck unter dem Namen “RJG Engineering” seine Dienste als Provider unter drei “zensurfreien” Domainnamen an, bislang ohne erkennbaren Erfolg. Laucks Aushängeschild ist dabei der wahrscheinliche Schutz vor der “Meinungsverfolgung” in Deutschland und seine Sprachkenntnisse: “Man hat einen politisch zuverlässigen, deutschsprachigen, als Geschäftsmann erfahrenen Mitarbeiter in den USA, der alles regelt”. Daneben taucht Lauck vermehrt als Registrant von Domainnamen auf. So ist auf ihn nicht nur die Domain der NSDAP-AO registriert, als deren selbsternannter Führer der vorbestrafte Neonazi auftritt, sondern er steht mittlerweile auch bei diversen deutschen Domainnamen von Naziseiten als Domaininhaber, so z.B. bei der Online-Präsens der HNG-Nachrichten. Auch in Deutschland gibt es einschlägige Diensteanbieter für die braunen Kameraden. Hier hat sich besonders der ehemalige FAP-Landesvorsitzende und Betreiber des Hamburger Infotelefons, Jens Siefert, hervorgetan. Über die Internetseiten des NIT ermöglicht seine Firma Webpoint den braunen Kameraden das Anlegen kostenloser Gästebücher, die sie in ihre Seiten einbinden können. Zudem ist Webpoint Provider diverser rechtsextremer Webseiten, darunter “Signal online”, Domains des Neonazi-Anwalts Horst Mahler oder die Webpräsenes des NPD oder der “Aufruhr-Versand” aus Gera. Dieser wird betrieben von Jörg Soa (NPD) und Jens Krautheim, Führungskader der Kameradschaft Gera und NPD-Landesvorstandsmitglied. Krautheim tritt im Internet neuerdings auch als “nationaler Medienverbund Wynnweb” auf und bietet dort “kostenlose Gästebücher für Nationalisten”, um den Kameraden die Möglichkeit zu bieten, sich von “systemkonformen Anbietern zu trennen”, die sich von “Denunzianten” unter Druck setzen ießen. Integriert in jedes Gästebuch ist derzeit der Werbebanner des Aufruhr-Versandes. Infolge der polizeilichen Ermittlungen gegen den von ihm gegründeten Deutschen Freundeskreis Schwaben (DFS) haben dagegen die Internetaktivitäten des umstrittenen Rechtsextremisten Dennis Entenmann aus dem bayerischen Iphofen stark nachgelassen. Neben diversen, ihm zugeschriebenen Webpages und auf ihn registrierten Domainnamen hatte er sich in der Vergangenheit auch als Provider und Diensteanbieter versucht, unter anderem mit dem Domainnamen aryan.de. Derzeit ist von ihm dagegen lediglich eine auf seinen Namen lautende “Netzseite” online, und unter dem zeitweise nicht erreichbaren Domainnamen Netz88 versucht er, Emailadressen wie URLs an den braunen Mann zu bringen.

Rudolf Kleinschmidt; 05-2001

Nachtrag: Die WWW-Seiten des DFS sind mittlerweile mit mehreren pseudoanonymen Domainnamen und gehostet bei einem bekannten Naziprovider wieder im Internet abrufbar. (12/2000)
 
Nachtrag2: Nach einem “Wechsel” des Domainbesitzers und Vorsitzenden des DFS (Julius Jäger) und Durchsuchungen der Polizei gegen den DFS wurden die betreffenden Seiten aus dem Netz genommen.

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