“Jugendsünden” kosten Top-Job

Früherer österreichischer Neonaziaktivist Neidhardt wird nicht ÖBB-Immobilienchef

Wien: Nur kurz nach der Präsentation des neuen Immobilienchefs der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), Martin Neidhardt, wurde ihm der Dienstantritt am 1.12. vom Vorstand der ÖBB verwehrt. Grund für diese Entscheidung sind neonazistischen Aktivitäten Neidhardts in den 70er- und 80er-Jahren, von denen er sich laut Zeitungsberichten distanziert habe und die er als “Jugendsünden” bezeichnet. Diese “Jugendsünden” sind diverse neonazistische Aktivitäten, darunter die Mitgliedschaft in der später verbotenen österreichischen “Aktion Neure Rechte” (ANR), das Initiieren einer Demo zum 90. Geburtstag von Adolf Hitler in Braunau sowie – gemeinsam mit weiteren Aktivisten der ANR – die Gründung des “Nationalistischen Bund Nordland” (NBN), der behördlich untersagt wurde und der jetzt für seine Entlassung sorgte. Neidhard war zuvor Mitglied in der ANR gewesen, dort aber wegen ausstehender Mitgliedsbeiträgen ausgeschlossen worden. Zeitweise war er auch Mitglied der militante Wehrsportgruppe “Kameradschaft Babenberg”, diese verlies er 1977, da sie ihm “zu wenig radikal” war.

Mitglieder des NBN provozierten mehrfach in SS-ähnlicher Uniform, Neidhardt wurde dafür 1979 zu einer Geldstrafe verurteilt. 1980 wurde während einer Hausdurchsuchung bei ihm umfangreiches neonazistisches Material sichergestellt, im gleichen Jahr wurde er als verantwortlicher Redakteur der NBN-Zeitung “Der Stoßtrupp” wegen Beleidigung des Nationalrats verurteilt. Zudem war Neidhardt neben Gottfried Küssel (später Führer der verbotenen Volkstreuen Außerparlamentarischen Opposition (VAPO) und ebenfalls zeitweise “Babenberger”) oder dem Rechtsterroristen Ekkehard Weil einer der acht Angeklagten im Wiener Neonazi-Prozess von 1983/84 und wurde dort “bedingt verurteilt”. Heribert Schiedel vom DÖW erklärte gegenüber der Presse: “Die NBN galt bis zur VAPO als die militanteste Gruppe im österreichischen Rechtsextremismus”.

Der ÖBB wurde Neidhardt für den Posten des ÖBB-Immobilienchefs vorgeschlagen vom Personalberater Egon Zehnder. Dessen Geschäftsführer Joachim Kappel gilt als enger Vertrauter von FPÖ-Vizeobmann Thomas Prinzhorn. Kappels Gattin Barbara ist zudem Büroleiterin Prinzhorns und FPÖ-Kandidatin bei den Nationalratswahlen.

rudolf kleinschmidt 02-2001

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