Category Archives: holocaust

Das vergessene KZ von Ebensee

In der Markgemeinde Ebensee im oberösterreichischen Salzkammergut leben viele Familien auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers. Als vor einigen Jahren eine Gedenkfeier an der KZ-Gedenkstätte von Naziparolen grölenden Jugendlichen attackiert wurde, bekam die Kleinstadt das Image eines »Nazidorfes«. Die Dorfgemeinschaft wehrt sich dagegen, doch die wenigsten sind bereit, sich mit der Geschichte dieses Ortes auseinanderzusetzen. Das ist leider so bei uns«, sagt der junge Mann Anfang 20, der hier im Stollen die Besucher betreut. Ein rotes Hakenkreuz, verwischt, aber noch gut zu erkennen, prangt an der Wand im Inneren des Gedenkstollens in Ebensee. Daneben ist der Schriftzug »Heil« zu erkennen. Der Rest ist unleserlich. Ebensee ist ein Dorf mit 8 000 Einwohnern in Oberösterreich, im nördlichen Alpenvorland. (…) November 1943. Die Nationalsozialisten wüten in Europa. Auch durch Österreich zieht sich die Blutspur des deutschen eliminatorischen Expansionismus. Die Nazis schmieden einen irrsinnigen Plan. Abgeschirmt von den Bomben der Alliierten, wollen sie den Bau ihrer »Wunderwaffe«, der V4-Rakete, vorantreiben. Zu diesem Zweck setzen sie Zwangsarbeiter ein, die ein kilometerlanges, weitverzweigtes Stollensystem in die Berge treiben sollen. Dort soll die Arbeit weitergehen, die zuvor in der Raketenversuchsanstalt Peenemünde begonnen wurde. Codename: »Zement«. Eigens dafür wurde zwei Kilometer außerhalb der Ortschaft das Vernichtungslager Ebensee errichtet – eines von mehr als 40 Nebenlagern des KZ Mauthausen. Bis zur Befreiung durch die 3. US-Panzerarmee am 6. Mai 1945 hatten mehr als 8 700 Menschen hier den Tod gefunden. Das sind mehr Menschen, als Ebensee heute Einwohner hat. Das KZ galt als eines der grausamsten Lager in Österreich. In den letzten Wochen der NS-Herrschaft war es infolge eintreffender »Evakuierungstransporte« aus anderen Konzentrationslagern völlig überfüllt und wurde zum berüchtigten Hungerlager. Heute dient einer der Stollen als Gedenk- und Dokumentationsort. Er ist Teil der KZ-Gedenkstätte Ebensee, die mit dem Zeitgeschichte-Museum verbunden ist. Das Hakenkreuz an der Wand des Gedenk­stollens scheint den Ruf zu bestätigen, der der Marktgemeinde Ebensee seit einiger Zeit anlastet. Genauer: seit dem 9. Mai 2009. An diesem Tag wurden die an der Gedenkfeier zur Befreiung des KZ Teilnehmenden, unter ihnen zahlreiche Überlebende, von einer Gruppe vermummter, Naziparolen grölender Jugendlicher angegriffen und mit Luftgewehren beschossen. Damals schaffte es das kleine Ebensee sogar in die internationalen Medien, seitdem hadert man hier mit dem Image eines Dorfes, in dem rechte Jugendliche ihr Unwesen treiben, ein­gebettet in eine Dorfgemeinschaft, die sich weigert, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen.

via jungle: Das vergessene KZ von Ebensee

FPÖ wirft Bürgermeister nach NS-Sager aus Partei

Gurker Ortschef Kampl: “Das darf man nicht sagen, dass der zum Teil schlecht war” – Parteiausschluss folgte prompt. Die Kärntner FPÖ hat Mittwochabend auf Aussagen des freiheitlichen Bürgemeisters von Gurk, Siegfried Kampl, reagiert und den 78-Jährigen aus der Partei ausgeschlossen, wie die Partei in einer Aussendung mitteilte. In einem Interview mit der “Kleinen Zeitung” (Online-Ausgabe) hatte Kampl über die Nationalsozialisten erklärt: “Nur von dem, was sie gemacht haben, distanziere ich mich, nicht vom Nationalsozialismus. Das darf man nicht sagen, dass der zum Teil schlecht war.” Im Jahr 2015 will er trotzdem wieder bei der Gemeinderatswahl antreten. (…) Kampl war 2005 als damaliger BZÖ-Politiker als Bundesratspräsident vorgesehen, stolperte aber über seine Haltung zu Wehrmachtsdeserteuren, die er als “zum Teil Kameradenmörder” bezeichnete. Im aktuellen Interview erklärte er nun: “Ich habe nie die Absicht gehabt, jemanden zu beleidigen. Ich habe das damals so gesagt, wie ich es erlebt habe. In welchem Staat gibt es das, dass man Deserteuren 50 Jahre Pension nachzahlt und dann noch eine Auszeichnung verleiht? Ich wollte nur, dass das überprüft wird. Weil solche dabei waren, die eben nicht ausgezeichnet gehören.”

via derstandard: FPÖ wirft Bürgermeister nach NS-Sager aus Partei

siehe auch: Die Akte Kampl sen. (2005). Was BZÖ-Mann Siegfried Kampl bei seiner Rede verschwieg: Der wurde wegen Denunziation verurteilt. Siegfried Kampl fühlt sich verfolgt. Seit einer Woche steht der 68-jährige Kärntner BZÖ-Mann und Bundesrat im Kreuzfeuer nationaler und internationaler Kritik, nachdem er in der Länderkammer Wehrmachtsdeserteure als „zum Teil … Kameradenmörder“ bezeichnet und von selbst erlebter brutaler „Nazi-Verfolgung“ nach 1945 in Österreich gesprochen hatte. (…) In seiner Bundesratsrede am 14. April beschrieb Kampl in abgehackten Worten die Nachkriegszeit: „Nazi-Verfolgung, viele heimatlos, Vertreibung, rechtlos.“ Dem schloss er direkt an: „Mein Beispiel – ich habe sie (sic) mit voller Brutalität gespürt – fünf Geschwister, Mutter 1944 verstorben, Vater drei Jahre in Wolfsberg, am elterlichen Hof rechtlos.“ Es folgte das Bekenntnis zur Aufarbeitung der Geschichte: „Aber dann muss auch alles aufgearbeitet werden, auch jener Teil, bei dem ich sicher nur ein kleines Rädchen bin. Diejenigen, die damals die Rechtlosigkeit, die Unsicherheit erleben und ertragen mussten, waren auch Menschen.“ Siegfried Kampls Vater Franz, dessen Geschichte der Sohn zur drastischen Veranschaulichung der brutalen Verfolgung der Nazis wiedergab, war nicht drei, sondern knapp zwei Jahre im britischen Internierungslager Wolfsberg gewesen. Und er wurde nicht „rechtlos“ zur Verantwortung gezogen: Franz Kampl wurde durch das Volksgericht Graz, Senat Klagenfurt, am 25. Juni 1948 nach Paragraf 7 des Kriegsverbrechergesetzes rechtskräftig zu zehn Monaten Kerker verurteilt. Laut Gauakt gab der 1904 geborene Franz Kampl im NSDAP Aufnahmebogen an, bereits im Mai 1934 in die Partei eingetreten zu sein. Seine Tätigkeit als Illegaler in der bis März 1938 in Österreich verbotenen NSDAP war „politische Leitung“. Die offizielle Parteiaufnahme erfolgte am 22. Juli 1938, Franz Kampl wurde in seiner Heimatgemeinde Steuerberg NS-Ortsgruppenleiter. Im Juli 1945 wurde er durch das britische Field Secret Service verhaftet und interniert. 1946 eröffneten die österreichischen Behörden gegen Kampl senior ein Verfahren wegen illegaler NS-Zugehörigkeit und ein weiteres Verfahren nach dem Kriegsverbrechergesetz: Mit einem Zweiten wurde er beschuldigt, eine Nachbarin, die sich abfällig über Nazigrößen und den Kriegsverlauf geäußert hatte, denunziert zu haben. Die Frau war daraufhin vor ein NS-Volksgericht gestellt und zu vier Monaten Haft verurteilt worden. Nur durch Glück oder Zufall entging sie einem härteren Los: Es gibt hunderte ähnlicher Akten über Denunziation, auch im dörflichen Umfeld, und unter ihnen Fälle, in denen die Verratenen von der Gestapo in ein KZ überwiesen wurden.

Linkspartei: Ukraines Nationalwappen ist ein “Nazi-Symbol”

Die Debatte um den Krieg in der Ostukraine wird in Deutschland nach wie vor sehr emotional geführt. An steilen Thesen mangelt es dabei nie. Die Linksfraktion im Bundestag hat nun in einer Pressemitteilung das ukrainische Nationalwappen, den Dreizack, als „Nazi-Symbol“ bezeichnet. Hintergrund: Derzeit hält die Nato in der Westukraine ein militärisches Manöver ab. Daran nehmen auch drei Bundeswehrsoldaten teil. „Das NATO-Manöver hat sich den Namen ‚Schneller Dreizack‘ gegeben. Der Dreizack war und ist ein Symbol des militanten Flügels der Stepan-Bandera-Organisation“, schrieb der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Gehrcke in einer Pressemitteilung der Linksfraktion. „Diese Organisation war Teil der Nazi-Armee in der Ukraine und ist besonders durch die aggressive Vernichtungspolitik gegen Jüdinnen und Juden in der Westukraine bekannt geworden.“ (…) Das Problem mit dem Dreizack sei die historische Bedeutung des Symbols während der Nazi-Herrschaft, sagte am Donnerstag ein Mitarbeiter von Wolfgang Gehrcke der Huffington Post. Dass der Dreizack Staatswappen der Ukraine geworden sei, könne man als Kompromiss an den nationalistischen Westen des Landes verstehen.

via huff: Linkspartei: Ukraines Nationalwappen ist ein “Nazi-Symbol”

Jewish leaders press Germany to extend ban on Hitler’s Mein Kampf

International Jewish leaders on Monday urged German book sellers and publishers to continue blocking the dissemination of Adolf Hitler‘s Mein Kampf after a ban on the controversial text expires in 2015. At a meeting in Berlin, board members of the World Jewish Congress (WJC) unanimously agreed that the memoir‘s sale in book shops offends Holocaust survivors, welcoming a recent proposal by German officials to uphold a ban on the text. “Mein Kampf continues to be a tool of incitement for neo-Nazi and other racial bigotry-oriented groups and individuals throughout the world,” WJC leaders said in a statement, adding that Germany has a special responsibility towards victims of Nazi crimes. The resolution – one of several during the meeting – is an official policy guideline for the WJC, which represents Jewish communities in 100 countries across six continents. Germany‘s southern state of Bavaria has controlled the copyright of Mein Kampf since it impounded Hitler‘s legal estate after his suicide in 1945. Bavaria‘s ownership of the book allows authorities to use simple provisions of copyright law to block reprinting.

via europeonline magazine: Jewish leaders press Germany to extend ban on Hitler’s Mein Kampf

SS-Vernichtungslager #Sobibor – #Archäologen entdecken Reste von #Gaskammern

Die #SS errichtete das Lager Sobibor nur aus einem Grund: Um hunderttausende #Juden zu ermorden. Nach einem Aufstand zerstörten die Nazis 1943 alle Gebäude – doch nun wurden Forscher fündig. Polnische und israelische Archäologen haben nach jahrelanger Forschungsarbeit die Überreste der Gaskammern des deutschen Vernichtungslagers Sobibor entdeckt. Tomasz Kranz, Direktor der Gedenkstätte Majdanek, sprach von einer “historischen Entdeckung”. Das gesamte Areal sei ein “riesiger Tatort”, doch von besonderem Wert seien die Orte, die direkt mit dem Massenmord in Verbindung stehen. Die Forscher legten Gebäudereste frei, die aus roten Ziegelsteinen gemauert waren – Überbleibsel der Gaskammern. “Nach acht Jahren sind wir endlich am Ziel”, sagte der israelische Archäologe Yoram Haimi. Es sei eine “sehr wichtige Entdeckung” für die Holocaustforschung, sagte der Historiker David Silberklang von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem. (…) Anders als etwa Auschwitz-Birkenau war Sobibor ein reines Vernichtungslager ohne Möglichkeit für die Häftlinge, als Zwangsarbeiter vielleicht eine Überlebenschance zu haben. Zwischen April 1942 und Herbst 1943 wurden dort bis zu 250 000 Menschen ermordet.

via sz: SS-Vernichtungslager Sobibor – Archäologen entdecken Reste von Gaskammern

Sinti und Roma in der Gedenkstätte beleidigt

Drei mutmaßliche Rechtsextremisten müssen sich seit Montag wegen Störung der Totenruhe vor dem Amtsgericht Oranienburg verantworten. Den drei Angeklagten wird vorgeworfen, am 5. Juni vergangenen Jahres im Neuen Museum in der Gedenkstätte Sachsenhausen fremdenfeindliche Mitteilungsblätter der NPD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern verteilt zu haben. Angeklagt sind die 32-jährige Anja D. aus Flatow, der 26-jährige Pierre S. aus Wittstock und gleichaltrige Patrick S. aus Leegebruch. In dem NPD-Pamphlet werden Sinti und Roma Asylbetrug und Sozialmissbrauch vorgeworfen und beide Volksgruppen als “Zigeuner” tituliert. Zumindest die Angeklagte Anja D. soll bei der Verteilaktion ein T-Shirt mit der Aufschrift “Nationaler Widerstand” getragen haben. Die Staatsanwaltschaft Neuruppin wertet die Aktion als Störung der Totenruhe, weil im Konzentrationslager Sachsenhausen zwischen 1936 und 1945 auch tausende Sinti und Roma von den Nazis eingepfercht wurden

via moz: Sinti und Roma in der Gedenkstätte beleidigt

Das Mädchen, das die Nazis verkraulte

Judith Deutsch verzichtete auf ein Antreten bei den Olympischen Spielen 1936, sie wurde gesperrt und erst sehr spät rehabilitiert. Hochachtungsvoll, Judith Deutsch”. So endet der Brief, den Österreichs beste Schwimmerin am 26. Juni 1936 dem “Verband der Österreichischen Schwimmvereine” zukommen ließ. Es war der erste Tag, an dem sie einem Training fernblieb, sie bat, dies “freundlich zu entschuldigen”, denn: “Ich kann als Jüdin an den Olympischen Spielen in Berlin nicht teilnehmen, weil mir das mein Gewissen verbietet. Ich erkläre, dass dies mein eigener, freier, unabänderlicher Entschluss ist.” Ihr sei, schrieb Judith Deutsch, “bewusst, dass ich auf die höchste sportliche Auszeichnung, nämlich in der österreichischen Mannschaft bei den Spielen starten zu dürfen, verzichte”. Und sie bat den Verband, sie “keinem Gewissenszwang auszusetzen”. 17 Jahre alt war Deutsch, als sie den Brief verfasste, und doch schon eine der bekanntesten Sportlerinnen des Landes. Kurz zuvor hatte sie das Goldene Ehrenzeichen erhalten, nachdem sie bereits 1935 als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet worden war. Der Verzicht der Kraulerin auf die Nazi-Spiele war mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Verzicht auf Medaillen. Das ÖOC hatte etliche jüdische Sportlerinnen und Sportler für Berlin nominiert, neben Deutsch sagten auch ihre Schwimmkolleginnen Lucie Goldner und Ruth Langer sowie der Ringer Fincsus und die Leichtathleten Gottlieb und Neumann ab. Das IOC und auch das ÖOC hatten jüdischen Sportlern und Sportlerinnen zuvor ausdrücklich das Recht auf den Olympiaverzicht eingeräumt, die Reaktion des österreichischen Schwimmverbands schlug freilich in die Gegenrichtung aus. Deutsch, Goldner und Langer wurden auf Lebenszeit gesperrt, sämtliche Titel wurden ihnen aberkannt. Die Sperren wurden erst nach internationaler Aufregung auf zwei Jahre reduziert. Deutsch sollte später festhalten: “Mir erschien es als unmöglich, in Schwimmbädern zu schwimmen, in denen das Schild ,Hunden und Juden der Eintritt verboten’ nur für die Zeit der Olympiade abgenommen wurde.” (…) Erst 1995 wurde Judith Deutsch vom Schwimmverband rehabilitiert. Eine Einladung schlug sie aus, da sie nicht mehr nach Österreich zurückkehren wollte.

via die standard: Das Mädchen, das die Nazis verkraulte

siehe auch: JUDITH DEUTSCH. Country: Austria. Born: September 18, 1918, in Vienna, Austria. An Austrian swimming champion and freestyle record holder, from 1933 to 1935, Judith Deutsch was elected Outstanding Austrian Female Athlete of 1935 by the Austrian Sports Authority and selected to represent her country in the 1936 Olympic Games. But she refused to compete in the Berlin Olympics in protest, proclaiming,“ I refuse to enter a contest in a land which so shamefully persecutes my people.” Suspended from competition by Austrian authorities, she emigrated to Palestine and represented the Holy Land from then on.

Ukraine-Krise – Zweifelhafte Majdan-Kämpfer

Die Berichte über Verbrechen der Separatisten in der Ostukraine sind fast schon Routine geworden. Nun häufen sich Nachrichten, dass Schuld und Verstrickung nicht mehr nur einer einzigen Seite anzulasten sind. Seit Beginn der russischen Intervention in der Ostukraine sind Berichte über Grausamkeiten der Separatisten und ihrer Helfer im Industrierevier Donbass fast schon Routine geworden. Die Scheinhinrichtungen des Kommandanten „Bes“ (Dämon), die summarischen Gerichtsverfahren und Todesurteile des mutmaßlichen russischen Geheimdienstveteranen Igor Girkin („Strelkow“) im besetzten Slawjansk, Entführung, Raub, Prügel und Demütigung sind in vielen Fällen dokumentiert. Spätestens seit August aber beginnen sich nun Nachrichten zu häufen, die darauf hinweisen, dass in diesem Krieg, der nach Angaben der Vereinten Nationen schon 3000 Opfer gefordert hat, Schuld und Verstrickung nicht mehr nur einer einzigen Seite anzulasten sind. (…) Die Freiwilligeneinheiten sind zum Teil eine bewaffnete Fortsetzung des „Majdan“, der Demonstrationsbewegung, die im Winter in der Hauptstadt Kiew den kleptokratischen Präsidenten Viktor Janukowitsch gestürzt hat. Manche der damaligen „Hundertschaften“ aus der „Selbstverteidigung des Majdan“ werfen sich jetzt mehr oder weniger komplett, aber nun eben mit Kalaschnikows in der Hand, statt mit Knüppeln und Schilden, der Intervention im Osten entgegen. Sie haben in den vergangenen Wochen die Hauptlast der Gefechte im Donbass getragen und etwa im Kessel von Ilowajsk schwere Verluste erlitten. Diese Männer und Frauen, die sich oft mitten aus dem Berufs- und Familienleben an die Front gemeldet haben, um die im Winter erkämpfte Demokratie gegen die Intervention aus Russland zu verteidigen, können mit Recht als eine Wiederkehr des Scharnhorstschen Bürgersoldaten, des „geborenen Verteidigers“ seines Staates, gelten. Praktisch Privatarmeen von Oligarchen Allerdings zeigen die Vorwürfe von Amnesty International, dass das nicht die ganze Wahrheit ist. Weil das Freiwilligenheer der ukrainischen Revolution in rasender Eile während eines schon tobenden Krieges aufgestellt werden musste, weil man damals offenbar glaubte, jeden nehmen zu müssen, der sich meldete, haben sich unter die demokratischen Aktivisten des „Majdan“ auch zweifelhafte Elemente mischen können. Oligarchen wie der Milliardär Ihor Kolomojskij haben als Großspender mehrerer Bataillone praktisch Privatarmeen aufgestellt. Die bisher bedeutungslose rechtsextremistische Organisation „Sozial Nationale Versammlung“ (SNA) hat die Gunst der Stunde genutzt und unter ihrem Führer Andrij Biletzkij das Bataillon „Asow“ gegründet. Jetzt spielt sie eine Hauptrolle bei der Verteidigung der Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer. Biletzkijs Stellvertreter Oleh Odnoroschenko hat dieser Zeitung die Verbindung des Bataillons zur SNA bestätigt und hinzugefügt, zu den Zielen seiner Organisation gehöre es, die „rassische Identität Europas“ zu bewahren. Die Demokratie sei die schlechteste aller Staatsformen. Andere Feldkommandanten, wie Dmito Jarosch vom sogenannten „Rechten Sektor“, haben schon gelegentlich gedroht, die Waffen gegen die eigene Führung zu richten, falls bestimmte innenpolitische Forderungen nicht erfüllt würden.

via faz: Ukraine-Krise – Zweifelhafte Majdan-Kämpfer

Ian Hancock: 500 000 Romani Holocaust victims? There could have been twice that

The repeated number of 500 000 Romani deaths in the Porrajmos is becoming the conventional, accepted total. But we do not know this for a fact. The documentation has not been completely located nor analyzed. We must guard against this figure becoming the accepted total, appearing in the (small number of) books that even acknowledge the genocide of our people. Is it a move to diminish the extent of the mass murder, the samudaripen,  in the eyes of the world? If this low estimate can be shown to be true, this is surely a cause for gladness. But the number, in reality, was in fact much higher. Nobel prize-winner Günther Grass asked:  “Were the fates of the Jews and of the Roma and Sinti identical? We can only estimate the number, many more than one million Roma and Sinti were annihilated. But that is not the point. For me the decisive issue is the will to destroy, which was practiced in different ways.” The question of the numbers of Romanies who were killed in the Holocaust is a vexed one. Given the nature of their mode of life, no reliable estimate of the pre-war European Romani population exists. Similarly, the circumstances of their dispatch at the hands of the Nazis make this a question which can never be fully answered. This was dealt with in some detail in Hancock (1988b) ["Uniqueness, Gypsies and Jews", in Yehuda Bauer et al., Remembering for the future: Jews and Christians during and after the Holocaust], but relies here on König’s statement that The count of half a million Sinti and Roma murdered between 1939 and 1945 is too low to be tenable; for example in the Soviet Union many of the Romani dead were listed under non-specific labels such as Liquidierungsübrigen [remainder to be liquidated], “hangers-on” and “partisans”. . . The final number of the dead Sinti and Roma may never be determined. We do not know precisely how many were  brought into the concentration camps; not every concentration camp produced statistical material; moreover, Sinti and Roma are often listed under the heading of “remainder to be liquidated,” and do not appear in the statistics for Gypsies (König, 1989:87-89).
An article entitled “Dutch World War II deaths higher than recorded” (DutchNews.nl for Monday 8 October 2007) reported that [t]he number of Dutch people who died in World War II is considerably higher than the accepted figure to date according to researchers at Utrecht University, reports ANP news service on Monday. The researchers say not 210,000 but 280,000 Dutch people died in the war. The discrepancy comes from the statistics of those who were deported. These are recorded as ‘emigrants’ while in reality they were Jews and Gypsies who were transported to the gas chambers in German concentration camps. In the eastern territories, in Russia especially, Romani deaths were sometimes counted into the records under the heading of Jewish deaths.

via romea.cz: Ian Hancock: 500 000 Romani Holocaust victims? There could have been twice that

Europäische Aktion: Anzeige wegen Holocaust-Bestreitung

Hans Berger, der „Landesleiter“ der neonazistischen Europäischen Aktion (EA) für Österreich , hat dem Online-Magazin „Vice“ ein Interview gegeben, das von diesem den schönen Titel erhielt „Wie wahnsinnig ist die Europäische Aktion?“. Wir haben vor wenigen Tagen darüber und über die jüngsten Aktivitäten der EA berichtet. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) hat jetzt Hans Berger wegen des Interviews angezeigt. Landesleiter bei der EA wird man nicht durch Wahlen – die EA hat mit demokratischen Strukturen nichts am Hut. Es muss also schon eine besondere Qualifikation sein, die Hans Berger zum österreichischen Landesleiter befähigt. Dem Magazin „Vice“ gab Hans Berger ein Interview, damit Antwort auf die Frage gefunden werden könne „Wie wahnsinnig ist die Europäische Aktion?“. Nach dem Interview konnte „Vice“ für sich die Frage beantworten: „Sehr wahnsinnig, wenn man mit einem ihrer Mitglieder spricht“. In dem Interview wärmt Berger etliche Nazi-Legenden auf, wie das DÖW feststellt, um sich dann in langatmigen Sentenzen über den Holocaust auszubreiten, den er – so wie Bernhard Schaub, der Gründer der EA – nicht leugnet, sondern bestreitet: „Leugnen kann man nur etwas, von dem man weiß, dass es grundsätzlich existiert. Schaub bestreitet den Holocaust, weil die erforderlichen Unterlagen und Nachweise, was das wirklich ist, nicht diskutiert werden dürfen“.

via stoppt die rechten: Europäische Aktion: Anzeige wegen Holocaust-Bestreitung

A Battle for Roma History in the Czech Republic

There can be no more appropriate metaphor for Europe’s collective amnesia about the plight of Roma during the Holocaust than the Czech government’s inability to remove a pig farm situated on the site of a former concentration camp for Roma. Visitors to the sleepy village of Lety in Southern Bohemia, upon seeing the industrial farm behind rusty barbed wire, often remark how sinister it looks. Between 1942–43, around 1,500 Roma were taken to Lety and, of those not deported, at least 300 were murdered, most of them children. The total number of victims is disputed, but we would have a much clearer picture if historians and archeologists were allowed access to this private land to investigate and preserve the honor of the fallen. On the ground of such a historically and emotionally significant site, we would expect nothing less elsewhere in Europe. Instead, at Lety, the foul-smelling pig farm continues its business, unperturbed by the ghosts that haunt it.  It would be slightly more understandable if the authorities had only been made aware of this uncomfortable truth recently, but whispers have circulated around the village for decades. In fact this is how, 20 years ago, Roma historian and activist Paul Polansky began his work there. Polansky discovered documents revealing that there was indeed a “Gypsy” concentration camp at the Lety site—established and run not by the Nazis but by the Czech Criminal Police. Polansky spent years documenting the stories of Czech Roma survivors of Lety. This research forced the Czech government to recognize Lety as a Holocaust site, albeit without removing the pig farm. Not only does the country need to reexamine its treatment of Roma people, both then and now, but also its role in WWII, which was a more active role than some narratives suggest. Most Roma in the Czech Republic were killed or deported. Many international and human rights institutions have pressured the Czech government to buy the pig farm, clean up the site, and convert it to a dignified memorial. The government claims that the owners are charging too much money to sell the site. Pleading poverty after pleading ignorance for so long is still unacceptable.

via opensocietyfoundation: A Battle for Roma History in the Czech Republic

Slovak priest: Jews are to blame for Holocaust

He warns that the Roma are headed in the same direction. Slovak Catholic priest Emil Floriš said the Jews themselves are to blame for the Holocaust and the same can happen to Romanies, the Czech daily Právo writes.  “A part of the speech by Floriš, who spoke at a mass in Čadca, north central Slovakia, that was devoted to Jews and the Holocaust offends and humiliates the memory of the victims,” Lucia Kollárová, spokeswoman for the Headquarters of the Jewish Religious Communities in Slovakia, told the Slovak news agency SITA, Právo writes. Kollárová said a part of Floriš’s speech included untruths and anti-Semitic cliches, relativizing the suffering of the Jewish population during World War Two, also on the territory of present-day Slovakia.

via praguepost: Slovak priest: Jews are to blame for Holocaust

Stolperstein in Duisburg gestohlen – Staatsschutz ermittelt

Stolperstein in Duisburg gestohlen – Staatsschutz ermittelt. In Duisburg haben Unbekannte einen Stolperstein gestohlen, der an die Opfer des Nazi-Terrors erinnert. Der Stein neben der Hubbrücke in Alt-Walsum war zum Gedenken an den Niederländer Jaring Woudstra ins Pflaster gesetzt worden. Die Polizei sucht Zeugen, die die Tat möglicherweise beobachtet haben. Unbekannte haben einen Stolperstein, der in der Nachbarschaft der Walsumer Hubbrücke in den Boden eingelassen war, gestohlen. Jetzt ermittelt der Staatsschutz und die Polizei Duisburg sucht Zeugen, die Hinweise auf die Täter geben können.

via derwesten: Stolperstein in Duisburg gestohlen – Staatsschutz ermittelt

Denkmal für Euthanasie-Opfer enthüllt

In Berlin erinnert seit Dienstag ein Denkmal an die Opfer der Euthanasie im Nationalsozialismus. Es steht an einem geschichtsträchtigen Ort: Denn von Berlin-Tiergarten ging die Ermordung von mehr als 200.000 Menschen aus. Am 31. Januar 1941 notierte Reichspropagandaminister Joseph Goebbels in seinem Tagebuch: „Mit Bouhler die Frage der stillschweigenden Liquidierung von Geisteskranken besprochen. 40 000 sind weg, 60 000 müssen noch weg. Das ist eine harte, aber auch notwendige Arbeit. Und sie muss jetzt getan werden.“ Sie wurde getan. Hunderttausende Menschen mit geistigen oder körperlichen Behinderungen fielen den „rassehygienischen“ Vorstellungen der Nationalsozialisten bis 1945 zum Opfer. Philipp Bouhler, der Mann, der mit dieser Aufgabe betraut wurde, war Hitlers Kanzleichef und entschlossen, die Aktion T4, benannt nach der damaligen Adresse der Planungszentrale des Massenmords an Behinderten in der Berliner Tiergartenstraße 4, zum „Erfolg“ zu führen. Das systematische Morden der Nationalsozialisten begann mit der Aktion T4 und nicht wenige der Verantwortlichen mordeten später in Treblinka, Sobibor, Auschwitz und Belzec weiter. Die Überlebenden der Aktion T4 wurden nach 1945 ein weiteres Mal zu Opfern, diesmal der bundesdeutschen Nachkriegsjustiz, die bei Entschädigungsregelungen das „Erbgesundheitsgesetz“ der Nationalsozialisten noch als Rechtsgrundlage betrachtete. Zwangssterilisierungen folgten der Logik der „Verhütung erbkranken Nachwuchses“ – einer Idee, die auch dem Wiedergutmachungsausschusses im Deutschen Bundestag 1961 offenbar nicht oder noch nicht gänzlich fremd erschien. Zwangssterilisierten und Euthanasiegeschädigten blieb die Anerkennung als rassisch Verfolgte des NS-Regimes verwehrt.

via ksta: Denkmal für Euthanasie-Opfer enthüllt

Slowakei gedenkt des Widerstands gegen Nationalsozialismus

Mittelpunkt der Feierlichkeiten zum Jahrestag des slowakischen Nationalaufstandes ist das mittelslowakische Banská Bystrica, das einstige Zentrum des Aufstandes. Rund 10.000 Besucher aus dem In- und Ausland sollten am Freitag eintreffen. Unter den Gästen sind einige, die den Aufstand miterlebten. Auf 2000 schätzt das slowakische Verteidigungsministerium die Zahl der noch lebenden Partisanen. Im Mai, kurz vor dem Ende seiner Amtsperiode, lud der damalige Präsident Ivan Gasparovic den russischen Präsidenten Wladimir Putin zu der Feier ein. Zu dem Zeitpunkt kontrollierte Russland bereits die Krim, die EU sowie die USA hatten Sanktionen verhängt. Das Außenamt zog die Einladung nicht zurück, Putin lehnte selbst ab. An seiner Stelle sollte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu kommen. Rechtsradikaler Kotleba unerwünscht Laut Protokoll eröffnet die Veranstaltung der Vorsitzende der Selbstverwaltungsregion – dieser ist allerdings unerwünscht. “Ich lade doch keinen Faschisten dazu ein, den antifaschistischen Aufstand zu feiern”, erklärte Stanislav Micev, der Leiter des Museums des Slowakischen Nationalaufstandes. Mit Marian Kotleba steht ein Rechtsradikaler an der Spitze der Region, der den Aufstand als einen “von Kommunisten geführten Kampf gegen das eigene Volk” bezeichnet und ihn als das “Ende des eigenständigen slowakischen Staates” kritisiert hatte. Auch wenn Kotleba Persona non grata ist, schloss er nicht aus, als Privatperson teilzunehmen. Acht Jahre zuvor hatte ihn noch die Polizei wegen versuchter Ruhestörung abgeführt, als er die Feier besuchen wollte.

via derstandard: Slowakei gedenkt des Widerstands gegen Nationalsozialismus

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