Category Archives: Revisionismus

Drahtzieher rechter Internetseite stehen in Rostock vor Gericht – Tagsüber Kita-Erzieher, abends Neonazi – #thiazi

Den Machern des berüchtigten Thiazi-Forums wird Volksverhetzung vorgeworfen. Der Hauptangeklagte aus Barth führte vor seiner Verhaftung ein unauffälliges Leben. Vier Betreiber der Neonazi-Plattform „Thiazi.net“ müssen sich ab kommenden Freitag (28. November) vor dem Rostocker Landgericht verantworten. Ihnen werden Volksverhetzung und Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, teilte Gerichtssprecher Michael Mack mit. Die 2012 abgeschaltete Internetseite war mit 30 000 registrierten Nutzern eine der wichtigsten deutschsprachigen Internetplattformen für Rechtsextremisten.
Hauptdrahtzieher ist der ehemalige Kita-Erzieher Klaus-Werner R. (33) aus Barth (Landkreis Vorpommern-Rügen). Mitangeklagt sind Daniela W. (32) und Dominiki S. (33) aus Baden-Württemberg sowie der 28-jährige Denny S. aus Sachsen-Anhalt. Ursprünglich war gegen 35 Beschuldigte ermittelt worden, bei einer bundesweiten Razzia wurde 2012 kistenweise Beweismaterial sichergestellt (…) Die Nutzer des Online-Forums „Thiazi.net“ verherrlichten unter anderem den Nationalsozialismus, leugneten den Holocaust und hetzten gegen Ausländer.

via ostseezeitung: Drahtzieher rechter Internetseite stehen in Rostock vor Gericht – Tagsüber Kita-Erzieher, abends Neonazi

bildquelle: linksunten

Dossier thiazi: Das Thiazi-Forum war lange Jahre das größte deutschsprachige Neonazi-Forum – am 14.06.2012 beendete eine bundesweite Razzia sowie mehrere Festnahmen bis auf weiteres dessen braune Hetze.
Unser Dossier biete die bisherigen Artikel / Texte zum Thiazi.forum: Artikel zu / articles about thiazi / thiazi-forum at http://bit.ly/thiazi

Auch #Remagen will #Neonazis gegen Rechts marschieren lassen

Es ist ein unvermeidliches, abstruses Schauspiel, das am Samstag zum sechsten Mal in Folge in Remagen stattfindet: der sogenannte Gedenkmarsch der Neonazis. Zwischen 250 und 300 Teilnehmer erwartet Gerd Bertram (Leiter der Polizeidirektion Mayen). Und wie am vergangenen Wochenende in Wunsiedel werden die Rechtsextremen Geld für Aussteigerprogramme in die Kasse spülen. Zum Gedenkmarsch der Neonazis in Remagen haben auf der anderen Seite verschiedene antifaschistische Gruppen eine Versammlung angemeldet. Das Bündnis Remagen für Frieden und Demokratie greift die Idee von Wunsiedel vom vergangenen Wochenende auf. Dort waren Neonazis Teil eines unfreiwilligen Spendenlaufs, für jeden gelaufenen Meter hatten Sponsoren 10 Euro an die Aussteigerorganisation EXIT zugesichert. In Remagen wird die Idee jetzt kurzfristig aufgegriffen. Das Bündnis sucht Spender, die pro Teilnehmer 10 Euro zahlen. “Wir sind nun gespannt, ob wir für jeden Teilehmer einen Sponsor finden!”, heißt es auf der Seite. Zum Maßstab genommen werden soll die von der Polizei angegebene Teilnehmerzahl. (…) Was der Verwaltung bleibt, ist das Verhängen von strengen Auflagen, die vor Beginn des Marschs verlesen werden: darunter das Verbot von volksverhetzenden und rassistischen Äußerungen, Waffentrage-, Uniform- und Vermummungsverbot sowie die Auflage, dass der vorgeschriebene Demoweg an der Innenstadt vorbei eingehalten wird. Verstoßen Neonazis dagegen, kann die Polizei sie auch sofort festnehmen – je nachdem wie gravierend der Verstoß ist. Ob sich am Samstag auch Fußball-Hooligans unter die scheinbar Trauernden mischen, kann Bertram nicht abschätzen. I

via rhein-zeitung: Auch Remagen will Neonazis gegen Rechts marschieren lassen

Swastikas Painted at Babi Yar Memorial in Kiev

Swastikas were painted on the Holocaust memorial monument at Babi Yar in Kiev. It is the second time that the monument has been vandalized in two months. The graffiti was found Monday during a tour at the site for schoolchildren, The Jerusalem Post reported. A swastika was painted on the monument, located at the site where Nazi troops murdered more than 33,000 in September 1941. In a separate incident, anti-Semitic graffiti was spray-painted on the walls of a Jewish school in Kharkov, Ukraine.

via forward: Swastikas Painted at Babi Yar Memorial in Kiev

Langemarck – Verklärter Burschenschafter-Mythos

Hundert Jahre Erster Weltkrieg bedeuten auch hundert Jahre Langemarck-Mythos. Bis heute ist die völlig verschobene Darstellung von den Kämpfen um Langemarck am 10. November 1914 Teil eines nationalistischen Diskurses rechter Kräfte in Deutschland und Österreich.
 Vor 100 Jahren zogen Tausende, besoffen vom nationalistischen Taumel in Deutschland und Österreich, in den „großen“ Krieg. Vollmundig versprachen Kriegstreiber*, beim ersten Schnee wieder zu Hause zu sein. Angetrieben von Nationalismus, machten sich ganze Generationen selbst zum Kanonenfutter für Herrschende. Die Schlacht von Langemark ist da keine Ausnahme. Ab Oktober 1914 tobten rund um das flämische Dorf erbitterte Gefechte zwischen deutschen Soldaten auf der einen und französischen und britischen Soldaten auf der anderen Seite. Am 10. November fand ein Angriff der Deutschen statt, der aus deutscher Sicht grandios scheiterte. Um diesem Scheitern einen Sinn zu geben, wurde daraus der Mythos von Langemarck. Die Soldaten waren vor allem junge, schlecht ausgebildete Kriegsfreiwillige, viele Studenten und Burschenschafter. Diese konnten selbst gegen die erschöpfte französische Armee keinen Geländegewinn erreichen. 2.000 Männer starben auf deutscher Seite, propagiert wurde dieses große Sterben als „Heldentod“. Die jungen Soldaten seien furchtlos und mit den ersten Zeilen des Deutschlandliedes in die Schlacht gezogen, wo sie fürs Vaterland gestorben seien. Das Singen des Liedes wurde im Nachhinein hinzuerfunden, um dem Mythos mit noch mehr nationalistischem Pathos aufzuladen.
 Dieser Kriegskitsch war gefundenes Fressen für alle, die ein Interesse an Krieg hatten. So auch für die Burschenschaften, die sich durch den Mythos von Langemarck als die Kriegselite des „Volkes“ präsentieren konnten. Im gesamten Deutschen Reich fanden Langemarck-Feiern statt, Denkmäler wurden errichtet und die militärische Niederlage zum moralischen Sieg umgedeutet. Der heroische Kampf sowohl in Bezug auf Langemarck als auch der gesamte Erste Weltkrieg sollten als moralischer Sieg dargestellt werden. Auch wenn der Krieg im Gesamten verloren ging. 
1923 errichtete der antisemitische, deutschnationale Deutsche Studentenbund den Siegfriedskopf an der Universität Wien. Er steht in der Tradition der Langemarck-Denkmäler und der Langemarck-Feiern, in denen nationalistisches Pathos beschworen wurde. Hier zeigt sich schon klar, wohin sich die Geschichte entwickeln solle: das „deutsche Volk“ als eine verschworene „Volksgemeinschaft“, ob Wien, Berlin oder die Schlachtfelder des Weltkriegs. Langemarck wird zum Universalmythos für alle, die von einem Großdeutschland träumen.

via offensivegegenrechts: Langemarck – Verklärter Burschenschafter-Mythos

Salzburger Mahnmal für NS-Opfer erneut beschmiert

Gemeinderätin Haller forderte erneut Soko zur Aufklärung neonazistischer Verbrechen in der Stadt. In der Stadt Salzburg ist erneut ein steinernes Mahnmal für NS-Opfer am Kommunalfriedhof verunstaltet worden. Bisher unbekannte Täter haben vermutlich in der Nacht auf heute, Montag, den Schriftzug “Dem Gedenken der Opfer für Freiheit und Menschenwürde” mit schwarzer Farbe regelrecht angeschüttet. Der Magistrat geht von einem Sachschaden von 1.500 Euro aus. “Die Spurenauswertung läuft gerade. Wir hoffen, den Tatzeitpunkt dann relativ eng einschränken zu können”, sagte Polizei-Sprecher Ortwin Lamprecht zur APA. Das Landesamt Verfassungsschutz hat Ermittlungen eingeleitet. Dem Magistrat zufolge handelte es sich um eine schwarze Lackfarbe. “Die Stadt Salzburg wird die Schmiererei umgehend entfernen lassen”, hieß es in einer Aussendung. Die Empörung ist groß. Das Mahnmal zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus wurde schon öfters beschmiert. “Ende 2013, Anfang 2014 ist es mehrmals zu Verunstaltungen gekommen”, sagte Lamprecht. Im Dezember sprühten Unbekannte den Namen des 1930 verstorbenen SA-Sturmführers “Horst Wessel” auf den Gedenkstein. Im Jänner wurde über den Text des Mahnmals der Name eines deutschen Rechtsextremisten (“Horst Mahler”) mit schwarzer Farbe gemalt. Für die Polizei hatten die beiden Schriftzüge eine große Ähnlichkeit. Die Täter von damals wurden bisher nicht ausgeforscht. Und auch im jüngsten Fall tappen die Ermittler derzeit noch im Dunkeln.

via standard: Salzburger Mahnmal für NS-Opfer erneut beschmiert

Mainz: Unbekannte wollen mit Aushang von Zeitungsartikel Ressentiments gegen jüdische Gemeinden wecken

Sehr positive Aktionen, aber auch perfide Hetze haben in Mainz den 9. November begleitetet, an dem der Kristallnacht und ihrer Opfer gedacht wird. Vor 76 Jahren waren auch hier am Abend die Nazi-Horden losgezogen, um die Synagogen anzuzünden, Menschen zu quälen und auch zu ermorden. Übel daher eine Zettelaktion in der Neustadt, mit der Unbekannte ganz offenkundig Ressentiments gegen die jüdischen Gemeinden und Bürger in Mainz und im Land wecken wollte. So wurden zumindest an der Bushaltestelle „Mainstraße“ in der Rheinallee, nach Beobachtern aber auch an mindestens einer weiteren Haltestelle in der Neustadt, Kopien eines Zeitungsartikels mit dem Titel „Mehr Geld für jüdische Gemeinden“ ausgehängt. Darin stand, dass die Gemeinden 550.000 Euro statt bislang 275.000 Euro erhalten sollen. Dies habe der Landtag tags zuvor beschlossen. Der Artikel ist zwar nicht gefälscht, stammt allerdings vom Mai 2012. So sollte mit dem Aushang ganz offenkundig suggeriert werden, dass die jüdischen Gemeinden „schon wieder“ mehr Geld erhalten, wahrscheinlich um das alte schmutzige antisemitische Klischees zu bedienen, Juden seien nur auf Geld aus. Dazu ist neben der Summe auch die Passage unterstrichen, dass viele der Neumitglieder der jüdischen Gemeinden aus Russland stammen.

via az: Mainz: Unbekannte wollen mit Aushang von Zeitungsartikel Ressentiments gegen jüdische Gemeinden wecken

»Krank oder bösartig«

Empörung nach Diebstahl der Eisentür der KZ-Gedenkstätte Dachau. Polizei spricht von ersten konkreten Hinweisen. Der Diebstahl der Stahltür mit der Inschrift »Arbeit macht frei« aus der KZ-Gedenkstätte Dachau hat in Deutschland sowie weltweit Empörung hervorgerufen. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden, nannte die Schändung der Gedenkstätte »grässlich und schockierend«. Der »Bild«-Zeitung sagte er: »Wer so etwas macht, ist entweder krank oder bösartig. Wahrscheinlich beides.« (…) Von einer Verhöhnung der NS-Opfer spricht der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose. Wie die meisten Stimmen aus dem In- und Ausland vermutet auch Rose hinter dem Diebstahl eine Tat von Rechtsextremisten. »Das passt zu dem immer aggressiver werdenden Auftreten dieser Gruppen«, so Rose. Auch die Polizei vermutet einen rechtsextremen Hintergrund, verweist aber darauf, dass der sich derzeit nicht sicher bestätigen ließe. »Es gibt den einen oder anderen möglicherweise konkreten Hinweis«, sagte ein Polizeisprecher der Jüdischen Allgemeinen. Der Staatsschutz ermittelt.

via jüdische allgemeine: »Krank oder bösartig«

Rechte Szene in Südwestfalen und Nordhessen etabliert

Vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Dillenburg sind am Dienstag Schändungen des jüdischen Mahnmals in Bad Berleburg und am jüdischen Teil des Hermelsbacher Friedhofs am 9. November 2013 verhandelt worden. Angeklagt wegen Volksverhetzung sind zwei Männer: Robin S. (25) und Maik H. (23) aus Siegen. Vor dem Schöffengericht am Amtsgericht Dillenburg sind am Dienstag die Schändungen des jüdischen Mahnmals in Bad Berleburg und am jüdischen Teil des Hermelsbacher Friedhofs am 9. November 2013 verhandelt worden. Angeklagt wegen Volksverhetzung sind zwei Männer: Robin S. (25) und Maik H. (23) aus Siegen. Ihnen wird Volksverhetzung in mehreren Fällen vorgeworfen. Nach acht Stunden wurde die Verhandlung vertagt. Laut Aussage eines Polizisten hat sich in Südwestfalen und in Nordhessen eine rechte Szene etabliert, die bundesweit aktiv ist. Robin S. und Maik H. sollen am Gedenktages zur Reichspogromnacht, am Hermelsbacher Friedhof ein Transparent mit der Aufschrift: „Die ewige Lüge lebt weiter“ angebracht haben. Ein Transparent mit gleicher Aufschrift sollen sie am jüdischen Mahnmal in Bad Berleburg angebracht haben. Dort sollen sie außerdem einen Wildschweinkopf mit einem Fleischerhaken angebracht haben, aus dessen Maul eine zerfledderte Israel-Flagge hing. Das Mahnmal war mit roter Farbe beschmiert. Dazu wird ihnen vorgeworfen, an fünf weiteren Orten in Nordhessen Transparente mit der Aufschrift „Die ewige Lüge lebt weiter“ aufgehängt zu haben. Bei Robin S. war außerdem bei einer Durchsuchung ein schwarzer Schlagring gefunden worden. (…) Szeneanwälte: Dirk Waldschmidt, der Maik H. vertritt, ist als Verteidiger in der rechten Szene bekannt. Der ehemalige Landes-Vize der NPD trat auch schon im NSU-Prozess auf. Dr. Björn Clemens, Anwalt von Robin S., gilt ebenfalls als Verteidiger, der insbesondere vor Gericht im rechtsextremen Umfeld aktiv ist. 2010 verteidigte er den NPD-Funktionär Udo Pastörs.

via derwesten: Rechte Szene in Südwestfalen und Nordhessen etabliert

Das #Thinghaus in #Grevesmühlen – Ein Blick in den braunen Abgrund

Ein geselliger Familiennachmittag sollte es werden, ausgerechnet im Nazi-Treffpunkt Thinghaus. Wir sahen uns dort um. Ergebnis: Ein „Führer“, eine Holocaust-Leugnung und brauner Kuchen – uns ist der Appetit vergangen. Ein gut 2,50 Meter hoher Palisadenzaun aus massivem Holz macht das Gelände zu einer Festung, auf dem Holz-Wall liegt messerscharfer Stacheldraht. Auch ein Wachturm ist zu sehen und lässt eher an ein Straflager denken. Davor stehen mehrere breitschultrige Herren, vorzugsweise mit kahlem Kopf. Sie tragen weite, schwarze Hosen und schwarze Lederwesten. Mehrere Schilder warnen vor Hunden. Und über der Eingangstür hängt eine Videokamera. Am Eingang wehen mannshohe Fahnen mit dem NPD-Logo. Auf dem T-Shirt des einen Mannes prangt der Schriftzug „Nationaler Sozialist“. Die Anlehnung an die wohl dunkelste Epoche der Neuzeit fällt nicht nur auf, sie ist gewollt. Denn wir sind nicht irgendwo, und nicht irgendwer will uns Kaffee und Kuchen kredenzen. Das „Thinghaus“ in Grevesmühlen hatte zu einem „geselligen Familiennachmittag“ eingeladen. (…) Den Kuchen gäbe es drinnen, so heißt es. Als wir eintreten wollen, werden wir höflich aber bestimmt gestoppt. Wir würden geführt, heißt es. Als wir uns vorstellen, bleibt er seinen Namen schuldig. Er wird wohl wissen, warum. Denn sein Gesicht ist inzwischen in ganz Deutschland bekannt. Er ist seit Jahren einer der Einpeitscher der braunen Horden. Er ist zwölf Mal vorbestraft, auch wegen brutaler Angriffe auf Ausländer. Die NPD hatte damit aber offensichtlich kein Problem. Schließlich saß er für die Rechtsextremen im Kreistag und im Landesvorstand. Hausbesitzer war bis Anfang Februar in Haft In dem uns zugewiesenen „Führer“ erkennen wir Sven Krüger. Der 40-jährige Abrissunternehmer aus dem nahen Jamel ist sozusagen der Hausherr. Er hatte das 2000 Quadratmeter große Gelände 2009 gekauft. Sein Firmenlogo zierte ein Arbeiter, der mit einem Vorschlaghammer einen Davidstern, das Symbol des Staates Israel und des Judentums, durchschlug. Er scheint die freie Luft zu genießen. Schließlich saß Krüger bis Anfang Februar in Haft. Wegen „guter Führung“ wurde er auf Bewährung entlassen. Am Tag seiner Haftentlassung postete er „geläutert“ im Internet: „Wir werden siegen, irgendwann einmal. Und ich lebe nur für diesen einen Tag.“ (…) Auffällig viele kleine Kinder sind da. Sie laufen mit Zetteln durch den Raum und absolvieren wohl so eine Art Suchspiel. Als eines der Kinder nicht findet, was es finden soll, deutet ein Mann auf eben jenen Spruch an der Decke. Brav schreibt das Kind den Spruch ab und sucht weiter. An der Türseite bittet die „Gemeinschaft Deutscher Frauen“ um Spenden. Wofür bleibt offen, zumindest heute. Die Stimmung ist gruselig. Wir haben den Eindruck, dass jeder unsere Schritte beobachtet wird. Wo wir uns auch hinwenden, ständig verfolgen uns mehrere Augenpaare argwöhnisch. Man kennt sich hier. Und an dem „Tag der offenen Tür“ bleiben wir die einzigen Fremden. Intern bleibt damit auch eine Art Wandzeitung, aufgehängt gegenüber vom Büro des amtierenden NPD-Vorsitzenden Udo Pastörs. Deutlich prangt dort ein Plakat mit der Aufschrift „Mord“. Darunter ein Bild von Hitler-Stellvertreter Rudolf Hess. Allerdings wird ihm hier nicht die Schuld am millionenfachen Morden der Nazis und der industriellen Vergasung jüdischer Menschen in den Konzentrationslagern vorgeworfen. Nein! Die lebenslange Haft, zu der ihn das internationale Militärgericht in Nürnberg 1946 verurteilt hatte, wird hier als Mord auf Raten bezeichnet.

via nordkurier: Das Thinghaus in Grevesmühlen – Ein Blick in den braunen Abgrund

Beunruhigende Parallelgesellschaft – «Königreich Deutschland»

Sie zahlen keine Steuern und drucken ihr eigenes Geld: die sogenannten Reichsbürger. Bisher haben die Behörden das Phänomen belächelt – doch manche sehen die nationalistisch angehauchten Esoteriker inzwischen als Gefahr. Der König von Wittenberg ist ein Fan klarer Worte. «Steuern sind nur dafür da, Sie zu steuern», sagt Peter Fitzek und blickt selbstbewusst in die Runde. Sein Hemd ist mit einer Krone bestickt, am Revers klemmt ein Mikrofon. Es ist Tag der offenen Tür im «Königreich Deutschland», und wie immer lässt Fitzek seine Rede filmen. Niemandem soll entgehen, was er zu bieten hat: kostenlose Gesundheitsvorsorge, sichere Rente, keine Steuern. Der einzige Haken: Das Königreich Deutschland gibt es nicht, es existiert nur in Fitzeks Kopf. (…) Gerät die verschworene Gemeinschaft jedoch in Konflikt mit dem echten Staat, wird es schnell ungemütlich. Im Oktober 2010 streitet sich Fitzek – damals noch kein König – mit einer Wittenberger Rathaus-Mitarbeiterin und verletzt sie dabei am Arm. Als ihn das Amtsgericht daraufhin wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt, kommt es erneut zum Eklat: Fitzeks Anhänger versuchen den Richter «festzunehmen», da dieser gar nicht das Recht habe, ein souveränes Staatsoberhaupt zu verurteilen. In einer Wittenberger Grundschule hat der Monarch Hausverbot, weil er dort zwei Lehrerinnen bedroht hat. Er habe den «unmoralischen Sexualkundeunterricht» der Pädagoginnen stoppen wollen, sagt Fitzek heute. Noch einmal werde er so etwas aber nicht tun, beteuerte er kürzlich in einem Interview mit dem Mitteldeutschen Rundfunk. Solche Dinge fielen in die Zuständigkeit der «Neuen Deutschen Garde», einer Truppe aus älteren Kampfsportlern, die sich als Polizei des neuen Staates versteht. (…) Reichsbürger glauben, die Bundesrepublik sei kein legitimer Staat, sondern lediglich eine Firma der Alliierten. Sie sprechen von der «BRD GmbH», die immer noch unter Kontrolle der Siegermächte stehe – eine absurde Vorstellung. Trotzdem boomt die Szene, der sogar einige Prominente angehören. Der Sänger Xavier Naidoo macht kein Hehl daraus, dass für ihn Deutschland «kein richtiges Land» ist. Besonders deutlich wird das bei einem Interview im ARD-Frühstücksfernsehen vor drei Jahren. Auf die Frage, ob er sich frei fühle, antwortet der Sänger: «Nein, wir sind nicht frei, wir sind immer noch ein besetztes Land.» Anfang Oktober 2014 tritt Naidoo bei einer Veranstaltung der Berliner Reichsbürger auf. Im Publikum: Verschwörungstheoretiker, Kapitalismus-Kritiker – und Rechtsextreme wie der Berliner NPD-Vorsitzende Sebastian Schmidtke. Inzwischen ist sogar Naidoos Heimatstadt Mannheim das Engagement ihres einstigen Vorzeigebürgers peinlich. Man werde die weitere Zusammenarbeit überprüfen, heisst es. Der Sänger, der sein Engagement bei den Reichsbürgern mit künstlerischer Freiheit rechtfertigt, kooperiert mit der Stadt seit längerem bei Werbeaktionen.

via nzz: Beunruhigende Parallelgesellschaft – «Königreich Deutschland»

Alte und junge Kameraden vereint

Der rechtslastige Traditionsverband der Ritterkreuzträger, die im Zweiten Weltkrieg ausgezeichnet wurden, ist trotz des Ablebens zahlreicher ehemaliger Soldaten in regionalen Untergliederungen aktiv. Ende Oktober finden das 60. OdR-Bundestreffen in Baden Wimpfen (Kreis Heilbronn) statt. Rund einhundert Träger des Ritterkreuzes sind noch am Leben. Dennoch finden sich in den Mitgliederlisten der „Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger“ (OdR) zwischen 500 und 600 Namen. Der Verein mit Sitz in Wiesbaden nimmt auch junge Kameraden in seine Reihen auf, nur noch eine Minderheit gehört zur „Erlebnisgeneration“. 7318 Soldaten, darunter 438 Waffen-SS-Angehörige, hatten ab 1939 als besondere Auszeichnung das Ritterkreuz erhalten, über dessen Verleihung Adolf Hitler persönlich entschied. Die „Ordensgemeinschaft“ wurde 1954 zur „Pflege und Förderung der Tradition echten Soldatentums“ gegründet. Mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet wurde auch der SS-Mann Sören Kam (Jg. 1921), der auf der Liste der meistgesuchten NS-Verbrecher des Simon-Wiesenthal-Centers steht. In regionalen Sektionen treffen sich die Ritterkreuz-Freunde zu Stammtischen, so auch in Hannover. In der niedersächsischen Landeshauptstadt kommen regelmäßig Mitglieder und Sympathisanten der OdR zu einem Kaffeekränzchen zusammen. An einem Tisch in der hintersten Ecke eines Cafés in der Innenstadt saßen Anfang August gerade einmal eine Handvoll Teilnehmer, außerhalb der Urlaubszeit sollen es einige mehr sein. Sektionsleiter Hartmut Weeke aus Rinteln (Kreis Schaumburg) lädt zu den zweimonatlichen Treffen ein. Politisch sei er nicht aktiv, versichert Weeke (Jg. 1932). Über sein Geschichtsbild gibt er jedoch gerne Auskunft. Verbrechen der Wehrmacht seien ihm nicht bekannt, da müsste es sich um „Einzeltaten“ gehandelt haben. Und Verbrechen der Waffen-SS ließen sich teilweise „widerlegen“.

via bnr: Alte und junge Kameraden vereint

Die fünf beliebtesten Lügen der Nazi-Verteidiger

Von Auschwitz bis Zweiter Weltkrieg: Rechtsextremisten und ihre Sympathisanten versuchen immer wieder, nachgewiesene Tatsachen über das Dritte Reich und den Holocaust kleinzureden. Wahrscheinlich gibt es jede Woche irgendwo in Deutschland Vorträge wie den von Dirk Helms in Stockelsdorf (Schleswig-Holstein): Keine 20 Zuhörer verfolgten, wie er am vergangenen Donnerstagabend über “Mut zu Deutschland” sprach. Es handelte sich um eine Veranstaltung der Alternative für Deutschland (AfD) – und Helms griff ganz tief in das Repertoire der Geschichtsfälscher. Laut dem Bericht der “Lübecker Nachrichten” sagte er unter anderem, die Gaskammer im KZ Dachau sei erst nach der Befreiung von den Alliierten gebaut worden. Offenbar kein Einzelfall: Martin Sichert, den zeitweiligen Vorsitzenden des Nürnberger Kreisverbandes, will AfD-Chef Bernd Lucke aus der Partei ausschließen lassen – wegen der Äußerung, im Zweiten Weltkrieg hätten “die zwei größten Massenmörder gesiegt”. Beide Vorfälle zeigen voneinander unabhängig, dass Rechtsextremisten und ihre Sympathisanten weiterhin mit den Fakten der deutschen Zeitgeschichte hadern – und darauf setzen, beim Publikum auf Verständnis zu stoßen. Ein kleiner Überblick, was der deutschen Öffentlichkeit bevorstehen könnte.

via welt: Die fünf beliebtesten Lügen der Nazi-Verteidiger

#AfD -Vortrag: “Alliierte bauten die #Gaskammern von #Dachau “

Die Veranstaltung der Alternative für Deutschland (AfD) lockte keine 20 Gäste an. Zum Glück, könnte man wohl sagen, denn einige Äußerungen am Abend bewegten sich ganz, ganz nahe an der Leugnung des Holocaustes. Die Alternative für Deutschland (AfD) hat bei den jüngsten Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen beachtliche Erfolge gefeiert. Auch in Ostholstein steht die AfD gut da — bei den Europawahlen im Mai holten die Polit-Newcomer starke 7,8 Prozent. Die AfD-Vortragsveranstaltung „Deutsche Selbstwahrnehmung“ im Stockelsdorfer Herrenhaus war allerdings nur dünn besucht. Im ersten Stock sitzen insgesamt 17 Menschen — 15 Männer, zwei Frauen. Eine Zuhörerin mit Perlenarmband erzählt nicht ganz ohne Stolz, dass AfD-Gründer Bernd Lucke der Professor ihrer Tochter war. (…) Die Medien missbräuchten ihre Macht und verbreiten Unwahrheiten. Unterdrückung sei an der Tagesordnung und am „Schicksal“ der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Eva Herman, die wegen ihrer positiven Äußerungen über die Mutterrolle im Dritten Reich ihren Job verlor, zu sehen. Der Beginn des Zweiten Weltkrieges sei, entgegen der Forschungsmeinung, nicht von Hitler geplant gewesen. Die Alliierten hätten eine „erbarmungslose Propaganda“ verfolgt. Dann zitiert er Carl Schmitt, einen Juristen, der wegen seines Einsatzes für die Nationalsozialisten höchst umstritten ist. Seine Ausführungen gehen weiter: Im Konzentrationslager Dachau seien erst im Nachhinein von den Alliierten Gaskammern eingerichtet worden — um zu täuschen. Dann berichtet er von einem angeblichen KZ-Überlebenden, der Schülern eine ausgedachte Geschichte erzählt habe, jedoch nie ein KZ von innen gesehen habe

via ln-online: AfD-Vortrag: “Alliierte bauten die Gaskammern von Dachau”

Erneut Razzia gegen mutmaßliche Administratoren eines Neonazi-Forums

In rund sechs Wochen beginnt vor dem Landgericht Rostock der Prozess gegen vier mutmaßliche Hintermänner und -frauen des „Thiazi-Forums“. Der Vorwurf lautet auf Bildung einer kriminellen Vereinigung. Dessen ungeachtet gehen die Behörden deutschlandweit gegen weitere Forums-Aktivisten vor. Gestern führte das LKA Düsseldorf eine Razzia bei drei Verdächtigen durch. Ein 25-jähriger Kölner wurde festgenommen, gegen ihn lag ein Haftbefehl vor. Bis zu seiner Abschaltung im Sommer 2012 war das „Thiazi-Forum“ mit seinen gut 30.000 Benutzern das größte und bedeutendste deutschsprachige Internetforum der Neonazi-Szene. Die Ermittlungen der Behörden dauern an, erst im Juni diesen Jahres führten Beamte in zwölf Bundesländern umfangreiche Durchsuchungsmaßnahmen bei 35 Beschuldigten durch. Sie stehen im Verdacht, als Sponsoren und Geldgeber das kriminelle Forum unterstützt zu haben. Bereits in wenigen Wochen müssen sich dessen ungeachtet vier mutmaßliche „Macher“ vor dem Landgericht Rostock verantworten. Den Angeklagten, unter ihnen ein damals 30-jähiger Erzieher aus Barth (Mecklenburg-Vorpommern) und eine 29-jährige Hausfrau und Mutter aus Untereisesheim (Baden-Württemberg), wirft die Staatsanwaltschaft die Bildung einer kriminellen Vereinigung vor. Ermittlungen dauern an Gestern nun schlug das LKA Düsseldorf im Auftrag der Staatsanwaltschaft Köln zu. Intensive Ermittlungen führten die Spezialisten auf die Spur von drei Männern aus Köln, Wuppertal und Ostwestfalen, die als Administratoren ein Internetforum, mutmaßlich das „Thiazi“-Forum, betrieben haben sollen. Bei der Razzia wurde ein 25-jähriger Mann festgenommen. Gegen den Kölner lag ein Haftbefehl vor. Er wird dem zuständigen Haftrichter vorgeführt.

via endstation rechts: Erneut Razzia gegen mutmaßliche Administratoren eines Neonazi-Forums

#Hassprediger Xavier #Naidoo – Ein #Psychogramm in eigenen Worten

Es gab eine Zeit, da verstörte der deutsche Popsänger Xavier Naidoo sein Publikum bloß mit weichgerauchten Schmuse- und Erlösungsfantasien und verkaufte en passant ein paar Millionen Platten. Das dürfte den bekennenden Christen inzwischen leider nicht mehr komplett ausfüllen. In jüngerer Zeit häufen sich jedenfalls die fragwürdigen Naidoo-Aussagen über Politik im Allgemeinen und den amerikanischen Imperialismus im Besonderen sowie die Naidoo-Auftritte bei antisemitischen, neurechten oder sonstwie verfassungsfeindlichen Demonstrationen. In diesem Licht muten freilich auch einige ältere Songtexte und Interviewpassagen etwas verstörend an. Ein Psychogramm in eigenen Worten: (…) “Wo sind unsere Helfer, unsere starken Männer, wo sind unsere Führer, wo sind sie jetzt?” (aus dem Song “Wo sind sie jetzt?”, 2012) “Mir ist Gott und danach der Mensch als seine Schöpfung heilig. Und bevor ich irgendwelchen Tieren oder Ausländern Gutes tue, agiere ich lieber für Mannheim.” (im Interview mit dem “Musikexpress”, Juni 1999) “Ich bin ein Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe.” (ebenda)

via profil.at: Hassprediger Xavier Naidoo: Ein Psychogramm in eigenen Worten

siehe auch: Ohne “Läuterung” ist keine Verbindung zum “Sohn Mannheims” mehr denkbar. Auch Antisemitismus ist Xavier Naidoo nicht fremd. Nach unseren Recherchen ist Xavier Naidoo kein “Sorgenkind” mehr, sondern ein “gefallener Sohn”. Er hat den Rahmen der “künstlerischen Provokation” verlassen und agiert politisch auf unerträgliche Weise. Er stellt sich als “Systemkritiker” dar, nutzt aber “die Systeme” egoistisch und geschäftlich bislang außerordentlich erfolgreich. Er entwickelt sich immer mehr zum geistigen Brandstifter und Mannheim ist gut beraten, sich von ihm zu trennen. Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz steht mit ihm im Kontakt – zeigte sich aber fassungslos. “Wie die Jungs von der Keinherzbank, die mit unserer Kohle zocken / Ihr wart sehr, sehr böse, steht bepisst in euren Socken / Baron Totschild gibt den Ton an, und er scheißt auf euch Gockel / Der Schmock ist’n Fuchs und ihr seid nur Trottel” “Baron Totschild” steht klar für “Baron Rothschild”, einen jüdischen Bankier. “Schmock” ist ein aus dem jüdischen entlehntes Schimpfwort. Beide Begriffe sind klar Nazi-Jargon. Die Zeilen stammen aus dem 2009 veröffentlichen Lied “Raus aus dem Reichstag”. Ein Text mit von übelsten Beleidigungen gegen die Finanz- und Firmenwelt, gegen Politiker und gegen das politische System. Garniert mit Gewaltphantasien: “Ich reize euch auf’s Blut, nein, ich trinke euer Blut / Denn als Vampiranha mache ich mich echt gut / Und ihr wünscht mir den Tod wie euch das tägliche Brot / Doch unsere Fehde hat erst begonnen und ich bring euch in Not” Xavier Naidoo ist 43 Jahre alt und schreibt Texte wie ein verwirrter Teenager auf Drogen. (…) Xavier Naidoo wurde als Junge sexuell missbraucht. Er wuchs als “Schwarzer” in einer weißen Welt auf. Er lernte Kickboxen, “um sich wehren zu können”. Er war Türsteher vor einer Techno-Disco. Es heißt, er habe Drogengeschäfte gemacht. Er wurde wegen Fahrens ohne Führerschein und Drogenbesitz als Straftäter verurteilt. Er ist geschäftlich als Musiker sehr erfolgreich – auch, wenn man ihn als “Erweckungs-Säusler mit einem gläubig-treuen Millionenpublikum” (Spiegel online) bezeichnet und sein “Werk” als Kindermusik. Er ist ein Star. Und vielleicht bekommt ihm dieser “Weg” überhaupt nicht. Er nimmt für sich das Recht heraus, antisemitisch sein zu dürfen. Zur Gewalt aufzurufen. Alles und jeden ohne nähere Begründung in Frage zu stellen. Jeden zu beleidigen, wie es ihm gefällt – denn das hält er für “Kunst”. Er ist ein Egomane vor dem Herrn. Einer, dessen Reich keine Grenzen kennt. Und narzisstisch genug, sich als Liebesgott zu inszenieren, der alles gut macht. Er ist gegen Rechts, aber wenn er rechts ist, dann ist es die Wahrheit und hat nichts mit Rechts zu tun – auch, wenn er sich beim Rüdiger und beim Thomas bedankt, obwohl er eigentlich nicht weiß, “wo er gerade aufgetreten ist”. Der Masterplan könnte Armageddon sein Xavier Naidoo plant nach eigener Darstellung alles, hat die Medien im Griff, denen er gleichzeitig vorwirft, dass sie lügen. Er wittert staatliche Komplotte und nutzt den Rechtsstaat zu seinem Vorteil. Er hält Deutschland für nicht frei und besetzt und hat doch gerade hier Karriere gemacht. Er glaubt anscheinend, dass Mannheim ihm viel zu verdanken habe und denkt dabei nicht an alle anderen Institutionen, Geschäfte und Menschen, die genauso Mannheim sind; Oh, wie bös ist das System. Reichsbürger, Montagsdemonstranten, NPD und jetzt auch Xavier Naidoo: Was heute Systemkritik heißt, ist oft kaum mehr als eine organisierte Denkverweigerung. In den achtziger Jahren konnte man mit wohl temperierter Systemkritik noch staatszersetzende Ängste schüren. Spätestens seit der Finanzkrise ist radikale Systemkritik indes im Mainstream angekommen. Aber was heute bisweilen unter diesem Namen läuft, offenbart sich oft nur als die Fortsetzung des Wahnsinns mit anderen Mitteln. Das hat beispielsweise Xavier Naidoo gerade gezeigt. (…) Aber so eine “Systemkritik”, die dunklen Geheimmächten nachspürt, hat natürlich zwei unschlagbare Vorteile. Zum einen schrumpft die Welt mit einem Schlag auf die Größe einer Nussschale. Zum anderen funktioniert solch eine solipsistische Realitätsverweigerung ja in ihrer Logik immer als eine Art ideologische Selbsterhaltung. Wie alle Verschwörungstheorien lässt sie sich nämlich nicht widerlegen. Steht beispielsweise in der Zeitung, dass die Twin Towers nicht von der CIA gesprengt wurden, so muss ja erst recht das Gegenteil wahr sein. Denn die “Systempresse”, die sieht man natürlich kritisch

siehe auch: Bilderstrecke: Die besten Zitate von Xavier Naidoo im Überblick. Es gibt einen Menschenschlag, der an Einhörner denkt, wenn er Pferdegetrappel hört. Als regelrechter Bilderbuch-Crank geht Xavier Naidoo einen Schritt weiter: Er glaubt wohl so fest an Einhörner, dass er sich nicht mehr von der Existenz von Pferden überzeugen lässt. In unserer Bilderstrecke haben wir die unterhaltsamsten Entgleisungen des bekanntesten Soulsängers Deutschlands gesammelt.


News zu/über Xavier Naidoo im Blog: http://goo.gl/kHlvlS

Wir empfehlen auch: http://www.rheinneckarblog.de/?s=naidoo

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