AmeriKKKa

Martin, Roger: AmeriKKKa. Der Ku-Klux-Klan und die Ultrarechte in den USA

Die amerikanische Neonazi-Szene und der KuKluxKlan (KKK) sind in Deutschland weitgehend unbekannt oder reduzieren sich auf die – irrige – Annahme, daß der KKK eine südamerikanische Rassistengruppe weißer Farmer ist. Vielleicht fällt mancher/manchem dann noch das Bombenattentat amerikanischer Neonazis in Oklahoma ein, und damit hat es sich dann vielfach schon. Daher ist das Angebot, diese Wissenslücken zu schließen, begrüßenswert. Der Ku-Klux-Klan und die Ultrarechte in den USA, eine Übersetzung des Buches: “AmériKKKa. Voyage dans l’internationale néofasciste”, verspricht mit Titel und Klappentext in diesem Zusammenhang einiges.

LeserInnen mit übergroßen Erwartungshaltung werden bei der Lektüre jedoch einige Enttäuschungen erleben. So wurde in den acht Kapiteln (Inhaltsverzeichnis) des Buches, das laut Einleitung “eine lebendige und vielseitige Dokumentation” mit “Fakten und Belegen” bieten will, ein Anmerkungsapparat gänzlich eingespart, und damit bleiben die Ausführungen in diesem Buch unbelegt und damit nicht verifizierbar. Zumindest für wissenschaftliche Arbeiten bleibt dieses Buch damit eine schlechte Wahl. Doch auch der sonstige Gebrauchswert wird – nicht nur dadurch – geschmälert. So verzichtete der Verlag gänzlich auf ein Personen- und Organisationsregister. Dies ist schade, weil diverse Namen und Gruppen auch im Zusammenhang mit Gruppen und Personen in Europa auftauchen. Darüber hinaus wird die Lektüre und der Gebrauch des Buches erschwert durch eine uneinheitliche Handhabung der amerikanischen Gruppennamen und der dafür genutzten deutschen Übersetzungen. Verständnis und Lesbarkeit wären erleichtert worden durch eine einheitliche Lösung und möglicherweise auch durch eine Orientierung an anderer Literatur, die sich auf die rechte Szene in den USA bezieht. Denn meist werden in der Auseinandersetzung mit amerikanischem Neofaschismus und dem Ku-KluxKlan für die englischen Originalnamen genannt – nicht jedoch in AmeriKKKa. Damit wird die arbeit mit diesem Buch erschwert, dazu kommt, daß mit diesem Lapsus LeserInnen, die sich noch nie mit dieser Thematik beschäftigt haben, Zugänge und Zusammenhänge erschwert und möglicherweise verwehrt werden – so z.B., wenn in einer Nachrichtensendung über auch im Buch genannte Gruppen berichtet wird (mit dem korrekten englischen Namen, selten noch mit einer einmaligen und raschen Übersetzung), während im Buch konsequent englische Originalnamen gemieden werden.

Das Buch selbst wird mit seiner Mischung aus Reportage, Darstellung der Entwicklung des bzw. der Ku-KluxKlan(s) und der Beschreibungen von Gewalttaten seinem Anspruch nur bedingt gerecht. Dennoch: Mag die Reihenfolge der Darstellung des/der Klans ist zwar gewöhnungsbedürftig sein, sie ist informativ, und die Darlegung der Entwicklung in den verschiedenen Phasen und die Feststellung, daß es mehr als einen Klan gibt, dürfte für die meisten LeserInnen neu sein. Die Darstellung der neueren Entwicklungen und der Einbindung von Klans in das neofaschistische Netzwerk beschreiben eine bedrohliche Tatsache, die oftmals nicht gesehen oder verleugnet wird. Sie beinhaltet auch einen Kurzabriß über den KuKluxKlan in Deutschland (S.283f) und einen Verweis auf eine Kreuzverbrennung in Deutschland, bei der der ameriklanische Neonazi und Klanchef Dennis Mahon anwesend war im – übrigen kein Fake für stern-tv, sondern bittere Realität.

Trotz eingeschränktem Gebrauchswert: Wer schon Vorkenntnisse hat, findet in diesem Buch zahlreiche Informationen, wem Vorkenntnisse gänzlich fehlen, bleiben dadurch möglicherweise verschiedene im Buch enthaltene Informationen vorenthalten – jedoch nicht die Kenntnis über die Geschichte des Klans und seiner Verbindungen. Dafür sind dann allerdings fast 40.- DM ein stolzer Preis…

Martin, Roger: AmeriKKKa. Der Ku-Klux-Klan und die Ultrarechte in den USA; Hamburg (Rotbuch) 1996 310 Seiten; DM 39,80

Inhaltsverzeichnis

  • Vorwort / Einleitung
  • Drei exemplarische Fälle (Blutige Zahlen / Das Massaker von Greensboro / Operation “Roter Hund”: Dominica / Reise in den Abgrund des Schreckens / Rulo, Nebraska, 1985)
  • Rückblick: Hundert Jahre Ku-Klux-Klan 1865-1965 (Der erste Klan / Wiederaufleben: 1915-1944 / Der dritte Klan: 1944-1967 / Nazi-Klan-Story 1957
  • Das Erwachen der Ultrarechten (Der vierte Klan / 33-5 oder der fünfte Klan / Nazi-Klan-Story 1980)
  • Im Sumpf der Ultrarechten (Die Klans / Nazi-Klan-Story 1981 / Die Neonazis / Der militärisch-religiöse Komplex / Nazi-Klan-Story 1983)
  • Das Innenleben der Organisation (Einen Geheimorganisation / Die Liebe zum Griechischen / Das unsichtbare Reich / Titans, Dragons und Wizards / Geheimhaltung, Jargon und kabbalistische Formeln / Aufmachung, Symbole und Rituale / Nazi-Klan-Story 1984)
  • V-Männer, Polizeispitzel, Provokateure (Stetson Kennedy / Gary Thomas Rowe / Ed Dawson / Jerry Thompson / Douglas Seymore / Nazi-Klan-Story 1985)
  • Der Klan-Chef im Schafspelz: Dave Holland, Grand Dragon (Nazi-Klan-Story 1987)
  • 1990-1995: Bilanz, Entwicklung, Tendenzen (Neue Kampffelder: Abtreibung, Homosexualität, Waffengesetz / Die ultrarechte Galaxie: Tote Gestirne und neue Sterne / Auf dem Weg zur braunen Internationalen: Kanada, Südafrika, Europa… / Nazi-Klan-Story 1988/89)
  • Schluß (Nazi-Klan-Story 1992-95 / Bücher, Platten, Filme / Nazi-Klan-Story 1990-?)

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