Von Mussolini bis Fini

Gerhard Feldbauer: Von Mussolini bis Fini. Die extreme Rechte in Italien

Italien ist nicht nur das Urlaubsland, das den Amtssitz des Bischofs von Rom und abgeblichen Statthalter jenes höheren Wesens auf Erden umschließt, sondern auch ein Land mit einer faschistischen Traditionslinie, die allzuoft, mehr noch als Traditionslinien in Deutschland, Österreich oder Spanien, unbekannt sind. Das bei Elefantenpress (Elefantenpress erschienene Buch: Von Mussolini bis Fini des Journalisten Gerhard Feldbauer will daher laut Klappentext “kompetent über alle wesentlichen Aspekte des italienischen Neofaschismus, seiner Vorläufer, terroristischen Aktivitäten, Verbindungen zu Geheimdienstkreisen, zu Mafia und Vatikan und zu seinen aktuelle Chancen” informieren.

Fraglich bleibt, ob dieser Ansatz auf 220 Seiten zu verwirklichen ist. Unbefriedigend bei diesem Buch bleibt auch der Anmerkungsapparat – der Autor sah genau 24x eine Notwendigkeit zu einer Anmerkung. Damit wird der/die LeserIn dazu gezwungen, den Ausführungen des Autors weitestgehend Glauben zu schenken, ohne diese verifizieren zu können. Ob damit der propagierte Informationsanspruch zu gewährleisten ist, sei dahingestellt. Bei einer möglichen Neuauflage oder Überarbeitung ist hier eine Nachbesserung dringend angebracht.

Sieht mensch über diese Schwachstellen hinweg, so bietet dieses Buch ein akzeptables Übersichts- und Einstiegswerk zum Thema Neofaschismus in Italien an, nicht zuletzt wegen der spärlichen sonstigen Überblicksliteratur zu diesem Thema. Neben einer Einführung zum historischen Faschimus und dem Neofaschismus nach 1945 finden sich im Buch Kapitel zum Movimento Sociale Italiano, dem MSI, zu Berlusconi und der Forza Italia und der “Transformation” des MSI in die Allenaza Narzionale – damit deckt der Autor einen Großteil der mehr oder weniger offenkundigen Entwicklung italienischer Antidemokraten und Antidemokratinnen ab. Zu seinem Kapitel über die “Spannungsstrategie, NATO, CIA und Gladio” sei der Hinweis auf das ein Jahr später – ebenfalls bei Elefantenpress erschienene – Buch: intern “Gladio” nachgetragen, das dieses “Phänomen” in einen gesamteuropäischen Zusammenhang zu stellen versucht. Hier sei auch verweisen auf eine mehrteilige Dokumentation des BBC und eine mehrteilige Dokumentation von arte, die sich diesem Thema und dem Terror, der mittelbar und unmittelbar mit Geheimdiensten und der NATO zusammenhing und -hängt, widmeten.

Interessant gerade aus deutscher Sicht ist auch das Kapitel: “Bundesdeutsche Hilfe für scharze Terroristen”, das den Verquickungen des BND in den italienischen Rechtsterror nachgeht. Dabei kommen Kontakte zum Tragen, die bis zur Zeiten des Nationalsozialismus heranreichen. Darüberhinaus werden hier erneut Kontakte des MSI zu konservativen Kreisen in der BRD angesprochen, zu CDU/CSU, den revanchistischen Landsmannschaften oder der Bundeswehr. Zwingend notwendig in einem Buch über italienischen und dementsprechend auch berücksichtigt ist ein Kapitel über den bis heute ungeklärten Mord an Aldo Moro, der mit seinen Ungereimtheiten und offenen Fragen, deren Beantwortung wie eine Verschwörungstheorie erscheinen, zu Spekulationen Anlaß gibt. Auch hierzu sei auf eine Dokumentation verwießen, die arte ausstrahlte. Erwähnung findet schließlich auch das “Geflecht von geheimlogen, Neofaschisten, Vatikan und Mafia”, das sich vor allem um die Geheimloge Propaganda Due (P2) dreht, eines Geheimbundes um den ex-SS-Mann Licio Gelli, der einen “Staat im Staate” bildete, Staatsstreich und schwarzen Terror protegierte und alles tat, um die Demokratie abzuschaffen:
“Die Spur der P2 ziehe sich ‘durch nahezu alle Skandale, Putschversuche, Bombenattentate und eine Vielzahl von ungeklärten Verbrechen’”. Neben dem politischen Imperium wird hier auch Bezug genommen auf das dahinterstehende finanzielle Imperium – spätestens hier kommen unselige Verbindungen mit dem Vatikan zum Tragen.”

Auch wenn das Buch nur einen Einstieg in die von ihm gestellte Thematik bieten kann und mit weiterführenden Hinweisen eher geizt, kann es eine wertvolle Hilfe sein. Das angegliederte Personen- und Sachregister, eine lobenswerte Eigenschaft der Eidtion Antifa bei Elefantenpress verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.

Gerhard Feldbauer: Von Mussolini bis Fini. Die extreme Rechte in Italien; Berlin ( Elefantenpress) 1996; 222 Seiten (Paperback); DM 29,90

Inhaltsverzeichnis

  • Fini ante portas? Eine Einleitung
  • Der Faschismus unter Mussolini (1919-1945)
  • Der italienische Neofaschismus nach 1945
  • Movimento Sociale Italiano – Aktions- und Parlamentspartei
  • Neofaschismus innerhalb und außerhalb des MSI
  • Spannungsstrategie, NATO, CIA und Gladio
  • Bundesdeutsche Hilfe für schwarze Terroristen
  • Bis heute nicht aufgeklärt – der Mord an Aldo Moro
  • Das Geflecht von Geheimlogen, Neofaschisten, Vatikan und Mafia
  • Berlusconi und die Forza Italia
  • Aus Movimento Sociale wird Alleanza Narzionale
  • Schlußbetrachtungen
  • Personenregister
  • Sachregister

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