Rechte Frauen

Der von der Journalistin Renate Bitzan herausgegebene Sammelband Rechte Frauen erschien 1997 bei Elefenatenpress. In ihm wird von den jeweiligen Autorinnen in knapp 20 Aufsätzen versucht, sich einem lange nicht wahr- oder ernstgenommenen Thema zu nähern. Auch heute noch wird der Neofaschismus/Rechtsextremismus von Wissenschaft und Politik oft und gerne gleichgesetzt mit einem maskulin dominierten oder gar einem per se maskulinen Phänomen.

“An diesem ‘Tabu’ ist inzwischen nachhaltig gerüttelt worden, und neben der weiteren Analyse des Zusammenhanges zwischen (Neo-)Faschismus und Patriachat haben Untersuchungen, Recherchen und Diskussionen begonnen, die das rechtsextremistische Potential und die neofaschistischen Aktivitäten von Frauen und Mädchen in den Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit stellen. In diese Perspektive ist auch dieser Band einzuordnen”, so die Einleitung.

Die Verbindung Frau und Rechtsextremismus wird vielfach ignoriert – oder aber von der Presse in meist reißerischen “Reportagen” teilweise überzogen und meist personenzentriert dargestellt; beispielhaft dafür Reportagen von SPIEGEL TV, die auch dem nicht unumstrittene Buch: “Wir sind auch die kämpfende Front”. Frauen in der rechten Szene der Journalistin Sonja Balbach zugrundeliegen. Der vorliegende Band über Rechte Frauen geht einen anderen Weg: Hier wird sich diesem Thema innerhalb von drei Themenkomplexen auf unterschiedliche Weise genähert.

Den ersten Teil bildet das Aufzeigen des ideologische Spektrum und das unterschiedliche Engagement rechter Frauen vom Rechtskonservativismus bis hin zum offenen Rechtsextremismus, die zu beobachtenden Differenzen sowie ein Exkurs über ein antifaschistisches Feminismus-Verständnis. Hier finden sich z.B. Arbeiten zu rechten Zeitschriftenautorinnen und ihren Themen, zu rechtskonservativen Politikangeboten von und für Frauen, zum (Neu-)Heidentum, Lebensschutz-Bewegung oder zu Frauen in rechten Parteien, Cliquen und Organisationen.

Der zweiten thematischen Block rekuriert auf den gesellschaftlichen Umgang mit dem Thema: “Frauen und Rechtsextremismus”. Zu nennen sind hier z.B. ein Text über “Frauen/Mädchen und Rechtsextremismus” als Thema für die Medien sowie zu Ansätzen in der Sozialarbeit zur Arbeit mit diesem Klientel.

Als dritter Teil werden von der Herausgeberin die Kurzbiographien rechter Frauen genannt (insgesamt 27 Frauen aus unterschiedlichen rechten Spektren, darunter die “Psychagogin” Christa Meves(siehe auch intern Auftritt Ch. Meves beim Katholikentag in Mainz), deren letzter Auftritt in Mainz im Erbacher Hof stattfand, wo sie gegen eine rheinland-pfälzische Aufklärungsbroschüre zu Felde zog (Meves vertritt ein ultrareaktionäres Menschen- und Frauenbild und ist Trägerin des Bundesverdienstkruzes), die rechtsextreme Funktionärin Ursula Müller aus Mainz, die mit ihrem Mann seit Anfang der 70er Jahre eine nicht unerhebliche Rolle im bundesdeutschen Rechtsextremismus spielt(e), die jüngst als Anti-Antifa-Aktivistin enttarnte rechtsextreme Funktionärin Inger Preßmar oder die hessische CDU-Abgeordnete Erika Steinbach, u.a. bekanntgeworden als Gegnerin der Ausstellung: “Kriegsverbrechen der Wehrmacht” und als Funktionärin des revanchistischen BdV.

Wie bei allen Büchern der Reihe Antifa-Edition aus dem Elefantenpress-Verlag ermöglicht bei diesem Buch ein Namens- und Sachregister auch ein Quer- und Nachlesen. Neben der Auswahlbibliographie werden antifaschistische Periodika und Archive ebenso aufgeführt wie eine Auswahl von laufenden oder frisch abgeschlossenen Projekten zum Themenkomplex: “Rechte Frauen”. Wir empfehlen dieses Buch.

Renate Bitzan (Hg): Rechte Frauen. Skingirls, Walküren und feine Damen; Berlin (extern Elefantenpress) 1997; 310 Seiten (Paperback); DM 39,90


Inhaltsverzeichnis

  • Themen und Positionen rechter Zeitschriftenautorinnen
  • Mit Gott für Kinder-Küche-Kirche. Rechtskonservative Politikangebote von und für Frauen
  • Faschistische Feministinnen – ein Widerspruch?
  • Die Priesterin kocht ganz einheitlich – Heiden und Sekten
  • Fetisch Weiblichkeit. Über die diffizilen Zusammenhänge zwischen spirituellem Ökofeminismus und rechter Ideologie
  • “Lebensschützerinnen”
  • Varianten des Zweifels – Feminismus und Faschismus
  • Zwischen Rechtskonservativismus und Neonazismus – Frauen in rechtsextremen Parteien und Organisationen
  • Politische Aktivistinnen im militanten neofaschistischen Spektrum
  • “Mädchen sollen am besten ihre Klappe halten” – Mädchen in rechten Cliquen
  • Jana, 16 Jahre
  • Rechtsextremismus – ein Männerproblem?
  • Ausmaß und Formen rechtsextremer Einstellungen bei Frauen
  • Eigene Motive – eigene Formen?
  • Ansätze in der Sozialarbeit mit rechten Mädchen
  • Resümee
  • Kurzbiographie rechter Frauen
  • Bericht zur überregionalen Tagung “Mädchen, Frauen, Rechtsextremismus”
  • Auswahlbibliographie
  • Archive und Gruppen
  • Personenregister
  • Sachregister

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