Selbstbilder rechter Frauen

Mit ihrer unter dem Titel “Selbstbilder rechter Frauen” verlegten Dissertation arbeitet die Journalistin Renate Bitzan erneutan der Thematik “Frauen und Rechtsextremismus”. Im Gegensatz zu ihrem 1997 bei Elefantenpress erschienenen Sammelband intern Rechte Frauen, in dem sie das Ergebnis diverser Interviews aufzeigte und damit einen Einblick gab, hat sie für ihre Dissertation nicht auf Interviews zurückgegriffen, sondern sechzehn als rechtsextrem eingestufte Publikationen im Hinblick auf Veröffentlichungen und Aussagen von Frauen untersucht.

Ebensowenig wie DIE rechte Ideologie oder DAS GESCHLOSSENE RECHTSEXTREME WELTBILD gibt es DAS rechte Frauenbild – zumindest nicht als Konsenes aller Frauen, die sich in rechtsextremen Zusammenhängen äußern. Anstelle von bindenden, übergreifenden Leitbildern wird in der detailreichen empirischen Untersuchung von Bitzan aufgezeigt, dass es neben facettenreichen Unterschieden im Selbstbild und im Frauenbild auch Überschneidungen zu feministischen Ansätzen gibt, was zu einem Plädoyer für einen bewußten antirassistischen Feminismus führt, der sich nicht auf eine Patriachatskritik beschränken darf, sondern perspektivisch die Aufhebung jeglicher Hierarchien und Herrschaftsverhältnisse zum Ziel haben muss.

Die Untersuchung von Publikationen zeigt auch den Stellenwert von Frauen in der rechten Presse sowie verschiedener Themenschwerpunkte (siehe intern Inhaltsverzeichnis) darin auf, wobei sog. “Frauenthemen” nach “Nationales” und “Gegnerschaften” an dritter Stelle rangieren (was sich bei der Herausnahme der einzigen Frauenzeitschrift (Die Kampfgefährtin) verschob). Ein Ergebnis der Untersuchung ist die Feststellung, dass rechtsetxremes Gedankengut und emanzipatorische Ansätze ebenso zusammengehören können wie die auch andernorts feststellbaren Versuche, aus linken oder demokratischen Zusammenhängen bekannte Begriffe und Ideologeme umzuwerten, umzudeuten, zu instrumentalisieren und damit eine potentielle Schnittstelle zu öffnen.durchaus häufig vorkommen, eindeutige Fraktionen mit einheitlichen Standpunkten dazu allerdings fehlen.

Neben der ausführlichen Analyse, die über 360 Seite ausmacht, verfügt das Buch über einen umfangreichen Anhang, in dem sowohl die empirischen Ergebnisse dargestellt sind wie auch das Quellenmaterial (insgesamt 16 rechtsextreme Zeitschriften) jeweils kurz vorgestellt wird. Ein Verzeichnis der Autorinnen, geordnet nach den entsprechenden Zeitschriften, sowie ein lexikalischer Informationsteil zu den Autorinnen der untersuchten rechtsextremen Zeitschriften runden das Buch ab und machen es auch zu einem antifaschistischen Nachschlagewerk. Einzig das fehlendes Indexverzeichnis, das eine Recherche über das komplette Buch ermöglicht hätte, schmerzt etwas.

Renate Bitzan: Selbstbilder rechter Frauen. Zwischen Antisexismus und völkischem Denken; Tübingen (edition diskord) 2000; 544 Seiten (Paperback); DM 48.-

Inhaltsverzeichnis

  • Inhalt
  • Einfuhrung
  • Forschungs- und Diskussionsrahmen
  • Begriffsklärungen
  • Frauen und Rechtsextremismus
  • Zahlen und Daten zur Involviertheit von Frauen
    • Tatbeteiligung
    • Organisierungsgrad
    • Wahlverhalten
    • Einstellungen
  • Soziologische Diskussion und Medienbeiträge zu Frauen und Rechtsextremismus
    • Voraussetzungen
    • Politik- und Gewaltformen
    • Motivationen
    • Diskussion einiger Aspekte
    • Ausgewählte journalistische Beiträge
    • Veränderte Prämissen
  • Aspekte aus den feministischen Diskussionen um die (Mit-)Täterlnnenschaft von Frauen und um das Verhältnis von Rassismus und Sexismus
  • Abschied von der Opferperspektive
  • Zu Kategorien der (Mit-)TäterInnenschaft und zum Verhältnis Sexismus / Rassismus
    • “Mittäterschaft”
    • “Komplizinnen”
    • Kritik an der mangelnden Reichweite der Mittäterschafts-These
    • Primat des Patriarchats oder “triple Oppression” und “Dominanzkultur”?
    • Zum Verhältnis von Sexismus und Rassismus
    • “Täterinnen” und zusammenfassende Diskussion der genannten Kategorien
  • Wie sind die Autorinnen in rechtsextremen Zeitschriften zu bezeichnen?
    • Mittäterinnen, Komplizinnen und Täterinnen
    • Produzentinnen von Ideologie, Akteurinnen im Diskurs
  • Rechte Presse
  • Empirische Untersuchung
  • Präsenz-Analyse
  • Themenhäufigkeits-Analyse
  • Positionen-Analyse zu “Frauenthemen”
  • Bestimmung des Materials
  • Positionen zu verschiedenen “Frauenthemen”
    • Zum Geschlechterverhältnis allgemein
    • Zu Mutterschaft / Familie / Kindererziehung
    • Zur Berufstätigkeit von Frauen
    • Zu Ehe / Liebesbeziehungen / Sexualität
    • Zu Vergewaltigung / sexueller Gewalt
    • Zu Feminismus / Emanzipation / Frauenbewegung
    • Sexismuskritik
    • “Positive Frauenbezogenheit”
    • Konflikte mit Männern / Spaltungen zwischen Frauen
    • Zu §218 StGB / Schwangerschaftsabbruch
    • Zu “Behinderten” / Krankheit / Pflegebedürftigen
    • Zu Bevölkerungspolitik
    • Fazit der Positionen-Analyse
  • Gibt es klare Fraktionen? – Quantitative Prüfung der Frage, ob es relevante Gruppenbildungen zwischen Autorinnen, Zeitschriften oder Organisationen gibt, die sich in ihrem Meinungsprofil zu den diversen “Frauenthemen” weitgehend decken
  • “Anschlußstellen” zwischen Feminismus und Rechtsextremismus
  • Zur Notwendigkeit der Auseinandersetzung
  • Zur Auslegung der Begriffe “Feminismus” und “Rechtsextremismus”?
  • Zur Frage der Überschneidungen
  • Brücken zum Feminismus seitens rechter Frauen? (kommentierte Beispiele)
  • Brücken zum Rechtsextremismus bei Feministinnen? (kommentierte Beispiele)
  • Schluß
  • Anhang
  • Zu den empirischen Kapiteln
    • Graphiken zur Präsenz-Analyse
    • Katalog, Tabellen und Erläuterungen zur Themenhäußgkeits-Analyse
      • Stichwortkatalog
      • Zum methodischen Vorgehen
    • Katalog und Erläuterungen zur Positionenanalyse
    • Detaillierte Untersuchungsschritte zum Kapitel “Gibt es klare Fraktionen?”
      • Zur Bestimmung der Variablen und ihrer Ausprägungen
      • Zur rechnergestützten Datenbearbeitung
      • Zur Auswertung
    • Zum Quellenmaterial
    • Vorstellung der ausgewählten Zeitschriften
      • Criticon
      • Deutschland in Geschichte und Gegenwart
      • Elemente
      • Etappe
      • Europa vorn
      • Junge Freiheit
      • MUT
      • na klar!
      • Nachrichten der HNG
      • Nation
      • Nation (&) Europa
      • Neue Anthropologie
      • Staatsbriefe
      • wir selbst
      • DFF informiert /Die Kampfgefährtin
      • Der Mädelbrief
    • Quellenverzeichnis
    • Verzeichnis der Autorinnen, geordnet nach Zeitschriften
    • Informationen zu den Autorinnen der untersuchten rechtsextremen Zeitschriften
    • Verzeichnis der verwendeten Sekundärliteratur
    • Abkürzungsverzeichnis
    • Tabellen- und Graphiken-Verzeichnis
    • Danksagung

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