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Verborgene NSU-Kontakte

Wie nah waren sich  NSU-Netzwerk und „Hammerskins“ wirklich? Im Münchner Prozess weigert sich ein wichtiger Zeuge, über die Verbindungen zur geheimen Bruderschaft auszusagen. Thomas Gerlach bestreitet nicht, Mitglied zu sein, aber ansonsten möchte er „zu dem Thema Hammerskins gar nichts sagen“. Ende Juli wird der bundesweit bekannte Neonazi zum dritten Mal vor das Oberlandesgericht geladen. Aus diversen Gründen ist der Thüringer „Hammerskin“ Thomas Gerlach für das NSU-Verfahren in München interessant: Er war mit der Helferin und engagierten Neonazistin Mandy S. befreundet, baute die Kameradschaftsszene in Zwickau mit auf, als sich das Kerntrio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe dort versteckte, kannte das enge Umfeld des NSU-Angeklagten Eminger und organisierte gemeinsam mit dem mutmaßlichen Waffenbeschaffer Ralf Wohlleben mehrere einschlägige Veranstaltungen. Der quirlige, sprachbegabte Neonazi Gerlach kennt die autoritären Strukturen seiner Szene bestens. Einen Tag vor seiner Aussage am 10. Juli soll er den Chef der „Hammerskin Nation“-Division in Ludwigshafen, Malte Redeker, getroffen haben. Bis zwei Wochen vor dem Gerichtstermin war der als cholerisch geltende Jenaer Neonazi André Kapke sein Arbeitgeber auf dem Bau. Im Saal mauerte der 35-jährige Monteur aus Schmölln, er erzählte nur das Nötigste. Oben auf den Rängen saßen die einflussreichen Kameraden Maik Eminger aus Brandenburg und Enrico Marx aus Sachsen-Anhalt. Zwischen 2001 und 2004 befand sich Gerlach in Haft, dort schulte er sich politisch weiter und lernte per Briefkontakt die Unterstützerin der „Hilfsorganisation für nationale politische Gefangene“ (HNG), Mandy S. aus dem Erzgebirge kennen. (…) Tatsächlich bewegte sich Gerlach exakt im politischen Umfeld der NSU-Angeklagten Ralf Wohlleben und André Eminger, muss eigentlich auch Holger G. und Carsten S. aus Jena gekannt haben. Noch 2000 lief der umtriebige Thüringer Gerlach, genannt „Ace“, mit „Blood&Honour“-Shirt herum, seit etwa 2002 zählte er zum „Hammerskin“-Chapter in Westsachsen.
Würde Gerlach umfassend aussagen, könnte er den „Hammerskin“-Chef und Betreiber des Szene-Geschäfts „Gjallarhorn Klangschmiede“, Malte Redeker, womöglich belasten. Einerseits wird das militante internationale Netzwerk in den USA mit einem rassistischen Amoklauf mit mehreren Toten in Verbindung gebracht, andererseits verfügte auch Redeker über engere Kontakte zu mindestens einem NSU-Angeklagten, als bisher bekannt. Denn 2005 gehörte der mächtige Ludwigshafener zum engen Kreis der Händler, die unter Aufsicht von Ralf Wohlleben, André Kapke und Thomas Gerlach beim „Fest der Völker“ in Jena verkaufen durften. Filmkameras mochte der öffentlichkeitsscheue Neonazi, der ursprünglich aus Schleswig-Holstein stammt, schon damals nicht. Federführend war beim Fest des „Heimatschutz’ Thüringen“ auch das Chemnitzer Musiklabel „PC Records“ dabei. Dessen Chef Yves Rahmel gilt als ebenso einflussreich wie zurückgezogen. Rahmels Firma steht in enger Verbindung zu Bands und Akteuren der „Hammerskins“.

via bnr: Verborgene NSU-Kontakte

siehe auch: Informationen zu Malte Redeker, den Hammerskins Westmark und LUNARA (Ludwigshafen); 18. Dezember 2011. In der aktuellen Presseberichterstattung werden der Neonazi-Zusammenhang LUNARA („Ludwigshafener Nazis und Rassisten“) und der Ludwigshafener „Hammerskin“ Malte Redeker mit neonazistischen „Untergrund“-Aktivitäten in Zusammenhang gebracht.  LUNARA gilt den Behörden als „terroristische Vereinigung“, Malte Redeker soll unter anderem Schießtrainings im Ausland organisiert haben. Verbindungen der Hammerskins, insbesondere von Personen der „Hammerskins Westsachen“, zum mutmaßlichen Unterstützerkreis des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) wurden in der vorletzten Woche von antifaschistischen Medien offen gelegt.

NSU-Prozess: Schlechte Aussichten für Wohlleben

Angeklagter Ralf Wohlleben: Untersuchungshaft dauert an. Die Verteidiger des Angeklagten Ralf Wohlleben beantragten im NSU-Prozess das Ende seiner Untersuchungshaft – und scheiterten. In der Begründung für die Ablehnung lässt sich das Gericht erstmals in die Karten schauen. Am Montag wurde es spannend im NSU-Verfahren. Nach mehr als einem Jahr Verhandlungsdauer zeichneten sich erstmals Anhaltspunkte dafür ab, wie das Gericht die Anklage wegen Mittäterschaft beziehungsweise Beihilfe zum Mord an neun Personen einschätzt. Vorläufiges Fazit: Die Aussichten zumindest für den Angeklagten Ralf Wohlleben sind nicht rosig. Nach Monaten sich schier endlos hinziehender Zeugenvernehmungen und Am Montag wurde es spannend im NSU-Verfahren. Nach mehr als einem Jahr Verhandlungsdauer zeichneten sich erstmals Anhaltspunkte dafür ab, wie das Gericht die Anklage wegen Mittäterschaft beziehungsweise Beihilfe zum Mord an neun Personen einschätzt. Vorläufiges Fazit: Die Aussichten zumindest für den Angeklagten Ralf Wohlleben sind nicht rosig. Nach Monaten sich schier endlos hinziehender Zeugenvernehmungen und Sachverständigenanhörungen hatte die Verteidigung des Angeklagten Ralf Wohlleben Ende Mai den Antrag gestellt, die seit zweieinhalb Jahren bestehende Untersuchungshaft ihres Mandanten aufzuheben oder zumindest außer Vollzug zu setzen. Die Frage war nun: Was wird der Senat dazu sagen? Die Wohlleben-Verteidiger Nicole Schneiders und Olaf Klemke argumentierten so: Eine objektive Beihilfehandlung zum Mord an neun Personen, die mit einer Pistole Ceska 83 erschossen wurden, sei bisher nicht nachgewiesen. (…) Wohllebens Anwälte vertreten jedoch grundsätzlich die Ansicht, es sei nicht belegt, dass Wohlleben über die Mordpläne des NSU Bescheid gewusst habe. Das sogenannte Trio, bestehend aus den verstorbenen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sowie der ebenfalls angeklagten Beate Zschäpe, sei vor seinem Untertauchen lediglich mit Delikten aufgefallen, die Gewalt androhten, zum Beispiel mit nicht-zündfähigen Bombenattrappen. “Es ist nicht ersichtlich, warum Herr Wohlleben damit rechnen musste, dass das sogenannte Trio dazu übergehen sollte, Ausländer anzugreifen oder gar zu töten”, heißt es in dem Antrag der Verteidiger. An diesem Dienstag, dem 121. Verhandlungstag, wurde den Angeklagten nun die seit langem erwartete Entscheidung des Gerichts mitgeteilt: Wohlleben bleibt in Haft. In seiner Entscheidung ließ das Gericht erstmals seine Auffassung zum bisherigen Prozessverlauf erkennen. Anträge wie der von Schneiders und Klemke werden häufig genau zu diesem Zweck gestellt. Die Verteidigung will zwar schon dem Mandanten zur Freiheit verhelfen. Aber vor allem will sie wissen, wo sie steht. Und dies dürfte jetzt ziemlich klar sein.(…) Die Bundesanwaltschaft hatte in ihrer akribischen Stellungnahme zur Haftfrage dem Senat eine Steilvorlage geliefert. Der dringende Tatverdacht habe sich in der Beweisaufnahme nicht nur bestätigt, sondern intensiviert, sagen die Ankläger. Es sei “dringend davon auszugehen”, dass es sich bei der von Carsten S. an Böhnhardt und Mundlos übergebenen Waffe um die Tatwaffe der “Ceska-Mordserie” gehandelt habe, auch wenn Unsicherheiten blieben. Es bestehe weiterhin der dringende Verdacht, dass Carsten S. auf Weisung Wohllebens gehandelt habe, da dieser in seiner umfassenden Einlassung vor Gericht genau dies bestätigte. Die Bundesanwaltschaft hat demnach offensichtlich keinen Zweifel an den detaillierten und nahezu durchweg selbstbelastenden Angaben von Carsten S. Seine Aussage wird von den Anklägern als “in objektiver Hinsicht” glaubhaft eingeschätzt. Aus der Fülle der Argumente der Bundesanwaltschaft sei nur herausgegriffen, dass Wohlleben auch am Vertrieb des menschenverachtenden “Pogromly-Spiels” des NSU maßgeblich mitgewirkt habe. Und dass er den Mitangeklagten Holger G. veranlasste, eine weitere Schusswaffe nebst Munition für das Trio nach Zwickau zu transportieren.

via spon: NSU-Prozess: Schlechte Aussichten für Wohlleben

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Dossier / Beiträge zu Rechts-Anwältin (RA) Nicole Schneiders: http://goo.gl/cbPp0


Dossier Rechtsterrorismus / articles about right-wing terrorism:
Nationalsozialistischer Untergrund – Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe. Polizistinnenmord, Rohrbombe, Thüringer Heimatschutz (THS)
Dossier: Kategorie NSUhttp://bit.ly/ths-nsu


Neuer Zeuge könnte Ralf #Wohlleben schwer belasten

Deutsch: Ralf Wohlleben

Image via Wikipedia

Hat Ralf Wohlleben, der Mitangeklagte von Beate #Zschäpe, das #NSU-Trio länger als bisher bekannt im #Untergrund versorgt? Die mögliche Aussage eines neuen Zeugen im NSU-Prozess legt das nahe. Ralf Wohlleben sitzt meist frisch rasiert auf der Anklagebank im Münchner Oberlandesgericht. Doch einige Fotos zeigen den ehemaligen NPD-Funktionär und NSU-Unterstützer durchaus mit langem Ziegenbart. Das erscheint vielleicht ungewöhnlich für einen Neonazi, aber nicht ungewöhnlich für Ralf Wohlleben, den Mann im Hintergrund, der die Drecksarbeit gern von anderen erledigen ließ und sich lieber als Spießer denn als Schläger inszeniert. Sein Bart jedenfalls könnte nun relevant werden. “Wie ein Kosake” habe der Ralf ihn getragen damals, sagt Krysztof S. Der Pole ist sich sicher, dass Ralf Wohlleben genau der Mann ist, dem er Nachhilfe in Sachen “Auto-Aufbrechen” geben musste. Er habe ihn an seinen engstehenden Augen auf einem Bild in der Zeitung wiedererkannt. Von ihm haben sein Kumpel und er einen Revolver erhalten, der spanischen Marke Astra. Zwischen November 2003 und Februar 2004 sei das gewesen. Krzysztof S. und sein Kumpel brauchten damals Waffen, sie hatten Banküberfälle geplant. Ralf Wohlleben brauchte ein Gerät zum Überwinden von Wegfahrsperren für VW-Busse. Eine Hand wäscht die andere. (…) Das Gerät zum Knacken der Wegfahrsperre könnte außerdem für genau die Mietwagen bestimmt gewesen sein, die Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos für ihre Mordtouren in den Westen benutzt haben. Denn laut Krzysztof S. hatte Ralf Wohlleben unbedingt einen “Aufbrecher” für VW LT haben wollen – Fahrzeugtypen, die auch das NSU-Trio mindestens zehn Mal angemietet hat. Ralf Wohlleben könnte Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe also viel länger als bisher bekannt im Untergrund unterstützt haben. Zum Zeitpunkt des Deals zwischen S. und Wohlleben hatte der NSU schon vier Menschen ermordet.

via stern: Neuer Zeuge könnte Ralf Wohlleben schwer belasten

#NSU-Prozess: Eine kleine juristische Sensation

Es war eine juristische Machtprobe, die der Verteidiger des Ex-NPD-Funktionärs Ralf #Wohlleben gleich zu Beginn des 55. Verhandlungstages im NSU-Prozess inszenierte – und für sich entschied. Der Anwalt Olaf Klemke zwang den Vorsitzenden Manfred Götzl, seine Einschätzung einer prozessualen Situation zu revidieren. Eine Stunde Bedenk- und Beratungszeit später gab er nach. Für jeden, der die Verhandlungsführung dieses Richters kennt, eine kleine Sensation. Anwalt Klemke aus Cottbus, ein Mann mit millimeterkurz geschorenen Haaren und bislang ohne Starallüren, gefällt sich zunehmend in der Rolle des Enfant terrible unter den Verteidigern. Er beherrscht die Strafprozessordnung und stellt dies bei jeder Gelegenheit fast lustvoll zur Schau. Darüber hinaus hat er keinerlei Hemmungen, sich als Szene-Verteidiger zu profilieren. Offensichtlich wollte Klemke die für diesen Verhandlungstag erwartete Aussage des Zeugen Andreas S. verhindern. S. war in den Jahren 1999/2000 Mitarbeiter in einem Szeneladen in Jena und soll derjenige gewesen sein, der die mutmaßliche Tatwaffe des NSU, eine Ceska 83 mit Schalldämpfer, auf Wunsch Wohllebens an den Angeklagten Carsten S. verkaufte. Es fehle die “subjektive Tatseite” In drei ausführlichen Vernehmungen im Ermittlungsverfahren hatte S. den Waffenverkauf unumwunden zugegeben. Außerdem: Die mutmaßlichen NSU-Mörder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt verkehrten in dem Szenetreff, man kannte sich, Jena ist schließlich keine Weltstadt. Und dass die Waffe für die beiden untergetauchten Männer bestimmt war, dürfte in bestimmten Kreisen der Stadt ausgiebig Anlass für Überlegungen zur Verwendung der Ceska gegeben haben. S. befinde sich als Zeuge in der Gefahr, dass gegen ihn wegen Beihilfe zum Mord ermittelt würde, falls er sich vor Gericht äußerte, so Klemke. Ein Anfangsverdacht bestehe auf jeden Fall. (…) Oberstaatsanwalt Jochen Weingarten war nicht erfreut über Klemkes Antrag: “Es überrascht schon sehr”, so der Anklagevertreter, “dass ausgerechnet ein Verteidiger von Herrn Wohlleben einen Anfangsverdacht wegen Beihilfe zum Mord geradezu herbeireden will.” Weingarten hatte recht: Klemke wollte Wohlleben schützen vor einer eventuell belastenden Zeugenaussage und ging dabei das Risiko ein, seinen Mandanten in ein ungünstigeres Licht zu rücken, als es ein Verteidiger normalerweise tut. Denn wenn es schon für S. gefährlich werden könnte, dann umso mehr für Wohlleben. (…) Der Prozess befindet sich zurzeit in einer Phase der Neuorientierung. Neun der insgesamt zehn dem NSU zur Last gelegten Tötungsdelikte sind in den vergangenen sechs Monaten verhandelt worden. In der nächsten Zeit wird es hauptsächlich um das Umfeld der Angeklagten gehen, in dem ihnen mutmaßlich auf verschiedenste Weise geholfen wurde. In den vergangenen Tagen zeichnete sich schon ab, dass bei Zeugen aus der rechten Szene mit wenig Bereitschaft zu rechnen ist, an der Aufklärung mitzuwirken.

via spon: NSU-Prozess: Eine kleine juristische Sensation

siehe auch: Ziel erreicht, der Zeuge schweigt.Der NSU-Prozess verzögert sich immer weiter – weil sich gerade jene Zeugen, die dem Trio nahestanden, nicht erinnern wollen. Besonders die Verteidiger von Ralf Wohlleben wollen die Zeugen zum Schweigen bringen. Er möchte sich jetzt doch lieber mit seinem Anwalt besprechen, sagt der Zeuge am Mittwoch. „Haben Sie denn schon einen?“, fragt ihn der Vorsitzende Richter. „Nein, noch nicht.“ – „Schaffen Sie das bis Montag?“ – „Ja, schätze schon.“ Zuvor hatte der Verteidiger von Ralf Wohlleben in Anwesenheit des Zeugen darauf hingewiesen, der Vorsitzende möge ihn doch noch deutlicher darauf hinweisen, dass er nichts sagen müsse, was ihn belasten könne. Der Zeuge, der wieder gehen kann, bevor er überhaupt befragt werden konnte, ist Andreas Sch. Der 40 Jahre alte Mann, der als Beruf „Hausmeister“ angibt, war Mitinhaber eines Geschäftes in Jena mit Kundschaft aus der rechtsextremen Szene. Andreas Sch. soll 1999 für den Angeklagten Carsten Sch. die Pistole vom Typ Česká samt Schalldämpfer besorgt haben. Den Auftrag dazu habe indes Ralf Wohlleben gegeben – und auch das Geld beschafft, so lautet die Anklage. Mit dem Abgang des Zeugen war schnell klar, dass für das Gericht diese Woche so gar nicht nach Plan laufen werde. Schon am Dienstag war bis in den Abend Silvia S. vernommen worden, die Holger G. 2005 ihre Krankenkassenkarte für 300 Euro verkauft hatte – angeblich ohne zu wissen, was dieser damit anstellen werde. Die Karte hatte Holger G. nach seinen Angaben an Beate Zschäpe weitergegeben, welche die Karte offenbar für eine Brillenanfertigung und einen Zahnarztbesuch samt Ausstellen eines Bonusheftes nutzte. Denn diese Dokumente wurden am Dienstag ebenso eingeführt wie ein Bibliotheksausweis, Brillenpässe, eine Paybackkarte sowie die Kundenkarte für einen Baumarkt – alle Karten waren auf den Namen der Zeugin ausgestellt.

Dossier Rechtsterrorismus / articles about right-wing terrorism:
Nationalsozialistischer Untergrund – Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe. Polizistinnenmord, Rohrbombe, Thüringer Heimatschutz (THS)
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Selber Waffenlieferant – NSU liefert Revolver an Schlapphutbande

Treffen in der Bezirksstaatsanwaltschaft Koszalin in Polen: Der eine kommt direkt aus dem Gefängnis. Es ist der Logistikchef der Schlapphutbande, lange Jahre Deutschlands gefährlichste Bankräuber. Die anderen sind vom Bundeskriminalamt und der Bundesanwaltschaft. Sie ermitteln gegen den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), lange Jahre Deutschlands gefährlichstes Mörder-Trio. Was sie hören, stellt die Verbindung her zwischen NSU und Bankräubern. Beide sollen den selben Waffenlieferanten gehabt haben: NPD-Mann Ralf Wohlleben. Das behauptet Krzysztof Szafranski, Logistikchef der Schlapphüte. Der 42-Jährige sitzt in Wierzchowo, Westpommern (Polen), im Gefängnis, nachdem er wegen der Schießerei am 3. August 2005 in der Goetheallee vom Landgericht Göttingen zu zwölfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Damals hatten er und ein Mittäter nach einem Bankraub in Wieda (Harz) auf der Flucht in Göttingen ein Auto geraubt und auf einen Mann aus Frankfurt geschossen, der lebensgefährlich am Kopf getroffen wurde. Im März haben die NSU-Ermittler in Polen den Inhaftierten aufgesucht. Das Protokoll dieser Vernehmung liegt dem Tageblatt vor. Es enthält Brisantes. So schildert Szafranski detailliert, wie er Anfang 2004 mit einem anderen Mitglied der Räuberbande in Jena eine Schusswaffe besorgte – einen spanischen Astra-Trommelrevolver, eingetauscht gegen ein Gerät, das an VW-Fahrzeugen die elektronische Wegfahrsperre überwindet. Szafranski werden Lichtbilder vorgelegt. Er tippt auf Nummer 29, das Foto von Ralf Wohlleben, der als Waffenlieferant des Mördertrios Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe in München als Mitangeklagter im NSU-Prozess sitzt. „Ich bin mir zu hundert Prozent sicher“, sagt Szafranksi und begründet, warum er so sicher ist. Mundlos und Böhnhardt kenne er aber nicht.

via göttinger tageblatt: Selber Waffenlieferant – NSU liefert Revolver an Schlapphutbande

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Anwältin von Ralf Wohlleben war im Jenaer NPD-Vorstand aktiv

Deutsch: Ralf Wohlleben

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Ralf Wohlleben, Ex-NPD-Kreisvorsitzender von Jena, hat derzeit sicher Gründe, zu den gegen ihn von der Bundesanwaltschaft erhobenen Vorwürfen auf Unterstützung der Jenaer Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund zu schweigen. Vor allem aber folgt er dem Ratschlag seiner Anwältin. (…) Die Verteidigerin, Rechtsanwältin Nicole Schneiders, hatte aber nicht nur dies mitzuteilen. Sie sah sich auch veranlasst, “Spekulationen” zu ihrer Person “vorzubeugen”. So sei es zutreffend, was in der vergangenen Woche das Online-Magazin “Kontext. Wochenzeitung” öffentlich machte. Sie sei in der Tat während ihres Studiums in Jena 2001/2002 Mitglied der NPD im Kreisverband Jena gewesen, “kurzzeitig”, betont sie. (…) Bereits 2001 veröffentlichte Recherchen des “Infoladens” – einer Einrichtung Jenaer Antifaschisten – in der Zeitschrift “Future” zufolge war Nicole Schneiders, die damals noch ihren Geburtsnamen Nicole Schäfer führte, nicht nur einfaches Mitglied bei den “Nationalen”. Sie fungierte zumindest als Mitglied des Vorstandes im Kreisverband, nach Informationen von “Kontext” als Stellvertreterin von Ralf Wohlleben. Und als Jura-Studentin soll sie Rechtsschulungen in der “Szene” durchgeführt haben. (…) Wie Generalbundesanwalt Harald Range jetzt erklärte, seien die rekonstruierten Bekennervideos der Jenaer NSU-“Zelle” mit Musik der rechtsextremen Band “Noie Werte” unterlegt. Die aus dem Raum Stuttgart stammende Band war bereits in den 80er Jahren gegründet worden. Ende 2010 löste sich die wohl älteste rechtsradikale Band auf. Sänger der für gewaltverherrlichende und verfassungsfeindliche Texte bekannten Band sei nach Darstellung des Südwestrundfunks Steffen Hammer gewesen. Der wiederum gehöre als Rechtsanwalt derselben Kanzlei wie Nicole Scheiders an.

via otz: Anwältin von Ralf Wohlleben war im Jenaer NPD-Vorstand aktiv

siehe auch: Von Rechts wegen. Manche aus dem braunen Sumpf in Jena tauchten ab im terroristischen Untergrund. Andere tauchten auf in der bürgerlichen Mitte. Der verhaftete mutmaßliche Terrorhelfer Ralf Wohlleben hatte als NPD-Funktionär in Jena eine Stellvertreterin. Die Frau war später mutmaßlich in einem rechtsextremen Netzwerk aktiv und machte als Rechtsanwältin mit Kollegen in Rastatt und Stuttgart Karriere; NSU hatte wohl Kontakt zu Rechtsextremen im Land. Die vom Bundeskriminalamt (BKA) rekonstruierten Videos zu Taten der Zwickauer Terrorgruppe “Nationalsozialistischer Untergrund” (NSU) waren laut Generalbundesanwalt Harald Range mit Musik der rechtsextremen Skinhead-Band “Noie Werte” aus dem Raum Stuttgart unterlegt. Sänger der Band war bis vergangenes Jahr Steffen Hammer, der als Rechtsanwalt in der Kanzlei “H 3″ arbeitet. Diese betreibt Büros in Stuttgart und Rastatt. Dieser Kanzlei gehört auch die Anwältin Nicole Schneiders an, die selbst früher NPD-Mitglied war. Schneiders hat nach Informationen des Online-Magazins “Kontext:Wochenzeitung” vergangene Woche die Verteidigung von Ralf Wohlleben übernommen. Schneiders soll in Jena studiert haben.

siehe auch: http://bit.ly/fvEqXq – Die Rechte und das Recht; in: Strategien der extremen Rechten: Hintergründe-Analysen-Antworten; edited by Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster

Dossier Rechtsterrorismus / articles about right-wing terrorism: Nationalsozialistischer Untergrund – Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe. Polizistinnenmord, Dönermord, Rohrbombe, Thüringer Heimatschutz (THS) – Dossier: Kategorie NSU – http://bit.ly/ths-nsu

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