Neonazi vor Gericht – Rassismus beim Volksfest

In Witzenhausen geht ein Mann auf einen nigerianischen Arzt los und beschimpft ihn als „Drecksnigger“. Wegen versuchter Körperverletzung und Beleidigung wird der Neonazi zu einer Geldstrafe verurteilt.Natürlich hat Dennis G. nicht das Geringste gegen Ausländer. Oder, wie er seinen Anwalt erklären ließ: „gegen Menschen anderer Hautfarbe oder Rasse“. Dass er bei einem Volksfest im nordhessischen Witzenhausen gleich zweimal auf einen aus Nigeria stammenden Arzt losgegangen ist und ihn als „Drecksnigger“ beschimpft hat? Alles halb so wild, erklärte der Verteidiger, und auf keinen Fall ein Hinweis auf eine rechte Gesinnung. „Wenn ihm auf Helgoland ein Bayer auf den Fuß tritt, sagt er auch ‚Scheiß-Bayer‘ – ohne etwas gegen Bayern zu haben.“ Das Amtsgericht in Eschwege wollte das freilich nicht ganz so entspannt sehen. Am Dienstag verurteilte es den 28-jährigen Fliesenleger und freiwilligen Feuerwehrmann aus Hannoversch Münden wegen versuchter Körperverletzung und Beleidigung zu einer Geldstrafe von 6750 Euro (145 Tagessätze à 45 Euro). Ein 27-Jähriger, der mit ihm das Witzenhäuser Erntefest im August 2015 besucht und dabei nach Überzeugung des Gerichts ebenfalls rassistische Beleidigungen ausgestoßen hat, soll 2100 Euro zahlen (60 Tagessätze à 35 Euro). Beide Männer behielten sich vor, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Nichts gegen Ausländer? Dennis G., der vor Gericht in einem T-Shirt der umstrittenen Rockband „Böhse Onkelz“ erschien, gehört zur rechtsextremen Szene seiner Heimatstadt. 2009 wurde er wegen Volksverhetzung verurteilt, weil er die Insassen eines polnischen Autos anlasslos mit den Worten „Euch müsste man alle vergasen“ angepöbelt hatte. Bei Facebook postet der Neonazi Bilder der nationalsozialistischen Wehrmacht und ist Mitglied in der Gruppe „Keine weiteren Asylantenheime in Deutschland“. Aggressiv gegen Ausländer Und auch den Verteidiger, der sich so originell um die Relativierung der Vorwürfe bemühte, hat er nicht zufällig gewählt: Klaus Kunze aus dem niedersächsischen Uslar vertritt nicht nur immer wieder Rechtsextreme, er ist auch selbst als rechter Publizist bekannt.
In jener Augustnacht im Witzenhäuser Festzelt hatten zuvor schon andere Rechtsextreme einen Streit vom Zaun gebrochen, weil sie sich an der Anwesenheit einer Gruppe von Flüchtlingen störten. Auch der 32-jährige Arzt, den später die beiden Angeklagten anpöbelten, konnte dafür keinen anderen Grund erkennen als seine Hautfarbe. „Nigger, was machst du hier in Deutschland?“, hätten sie gerufen. „Du sollst nach Hause gehen.“ Dennoch glaubte das Gericht der Darstellung von Dennis G., dass es sich um eine ganz normale Kneipenauseinandersetzung gehandelt habe:

via fr: Neonazi vor Gericht Rassismus beim Volksfest

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