Russische Hooligans in Köln: Verkannte Dimension

Russische Hooligans verprügelten zur EM Touristen in Köln. Das Amtsgericht hat nun Bewährungsstrafen verhängt, der Staatsanwalt spricht von Verharmlosung. Als Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn zu seinem Plädoyer anhebt, wird es rasch still in Saal 13 des Kölner Amtsgerichts. Es sei ihm völlig klar, warum die Öffentlichkeit ein so großes Interesse an dem Verfahren habe. Fußball, Europameisterschaft, prügelnde russische Hooligans auf der Kölner Domplatte: “Das sind die Kernthemen des Entertainments.” Doch man solle sich nicht täuschen, sagt er und blickt mit ernster Miene durch den Raum, in dem sich auch zwei Mitarbeiter des russischen Konsulats eingefunden haben. Das, was sich da am frühen Abend des 16. Juni 2016 in Köln ereignet hatte, kurz nach den Ausschreitungen bei der Fußball-EM in Marseille, sei eben nicht einfach eine gewöhnliche Wirtshausschlägerei gewesen. Es handele sich vielmehr um eine politisch motivierte Straftat, begangen von rechtsradikalen russischen Hooligans. Die mutmaßlichen Täter: Zwei Köche, ein Manager einer Uhrenfirma, ein Wirtschaftsprüfer und ein Mathelehrer, im Alter zwischen 26 und 30 Jahren, angeklagt der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung. Die Opfer: Zwei spanische Touristen, die an jenem Tag Antifa-Aufkleber an eine Metalltür klebten. “Antifa?”, hätten die Russen gefragt. “Antifa!”, hätten die Spanier geantwortet. Danach flogen die Fäuste. “Die Motivation war menschenverachtend” Die 21 und 24 Jahre alten Spanier gingen zu Boden, Tritte ins Gesicht folgten. Das Ergebnis: ein offener Nasenbeinbruch, Prellungen, Schürfwunden. “Die Motivation war menschenverachtend, minderwertig, verächtlich, ideologisch”, sagt Willuhn mit einiger Schärfe und blickt dabei in die entsetzten Gesichter der sechs Verteidiger. Es ist ein Verhandlungstag, den die Beteiligten so schnell nicht vergessen dürften. Vor dem Beginn der Verhandlung pöbeln zwei breitschultrige Männer gegen die Journalisten und begrüßen schließlich mit herzlichem Winken einen der Pflichtverteidiger. Claus Eßer, die schwarzen Haare bis in den Nacken zurückgegelt, das weiße Hemd locker bis zum unteren Rippenbogen aufgeknöpft, um den Hals eine schwere Silberkette, an beinahe jedem Finger einen Ring, äußerlich mehr Milieustudie als Rechtsanwalt, ein Kölner Original. (…) “Dass die Angeklagten nun gestanden haben, ist deshalb auch nur rein taktischer Natur. Sie wollen so schnell wie möglich wieder zurück in die Heimat”, räumt ein Verteidiger unumwunden ein. Doch so ganz harmlos scheinen die fünf Russen nicht zu sein. Mindestens zwei von ihnen wurden auf Kameraaufnahmen wiedererkannt, die sie im Stadion von Marseille zeigen, beim EM-Vorrundenspiel Russland gegen England. Vor und während der Partie war es zu schweren Ausschreitungen mit zahlreichen Verletzten gekommen.

via spon: Russische Hooligans in Köln: Verkannte Dimension

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