Kalaschnikow gefällig? Lieferung per Packstation

Moderne Waffenhändler nutzen digitale Schwarzmärkte im sogenannten Darknet. Auch der Münchner Amokläufer soll sich so seine Glock 17 besorgt haben. Wir erklären, wie das in Deutschland funktioniert. (…) Wer verstehen will, warum David S. – genannt Ali – so einfach an eine Waffe kommen konnte, sollte sich den Fall des Darknet-Händlers Christoph K. näher anschauen. Viele Details der illegalen Geschäfte des Mechatronik-Studenten sind im Urteil des Landgerichts Schweinfurt festgehalten, das ihn im März zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt hat. Es ist ein Dokument, wie heute moderner Waffenhandel in Deutschland funktioniert.(…) Auf den Darknet-Plattformen sind Händler und Käufer mit Tarnnamen angemeldet. Christoph K. nannte sich “maxmustermann”. Der Münchner Amokläufer David S. soll sich als “Maurächer” in den Foren speziell nach einer Glock-Pistole samt Munition umgesehen haben. Zwar hätte die Polizei viele seiner Nachrichten im Darknet schon frühzeitig lesen können, technisch wäre seine Identität für deutsche Behörden vor dem Amoklauf kaum zu ermitteln gewesen.
Bezahlt wird im Darknet meist mit der digitalen Währung Bitcoin, die ebenfalls weitgehend Anonymität ermöglicht. Versandt wird die gekaufte Ware oft per Post – zum Beispiel an Packstationen. Seine Maschinenpistolen verschickte Christoph K. innerhalb Deutschlands, aber auch nach Frankreich und mehrfach nach Großbritannien. Dass seine Empfänger damit möglicherweise Mörderisches planten, interessierte ihn nur am Rande.
Mehrere Fälle mit erstaunlichen Parallelen Trotz all der Geheimniskrämerei der Täter häuften sich zuletzt die Verfahren gegen Darknet-Waffenhändler. Die Fälle weisen zahlreiche Parallelen zum Vorgehen des Schweinfurter Studenten auf. Man kann deshalb durchaus von der Darknet-Methode der Waffenhändler sprechen. Ein wesentlicher Teil des Online-Waffenhandels bleibt analog – das ist eine Chance für die Ermittler Am Donnerstag wurde in Heidelberg ein 32 Jahre alter Sportschütze zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt, weil er unter dem Pseudonym “Dosensuppe” rund 65 Waffen im Darknet verkauft hatte. Skorpion-Maschinenpistolen, Kalaschnikows und sogar eine Heckler & Koch MP5. Zu seinen Kunden sollen ein Rechtsextremist mit Tarnnamen “Sturmsoldat” und ein österreichischer IS-Sympathisant gehört haben. Anfang Juli hat die Staatsanwaltschaft in Stuttgart drei Männer angeklagt, die Sturmgewehre samt Munition für 11.200 Euro auf dem illegalen Schwarzmarkt vertrieben und die Gewinne über eine Tankstelle gewaschen haben sollen. Einer von ihnen ist Werkzeugmacher, ein anderer – offenbar der Darknet-Händler – agierte unter dem Spitznamen “Gunny”. Im gutbürgerlichen Pulheim bei Köln verhaftete Ende April eine Sondereinheit des Zolls einen Anwalt, Familienvater und Schützenvereinsmitglied. Er soll in erheblichem Umfang Waffen und Munition über das Darknet vertrieben haben. Beim Zugriff kamen Blendgranaten zum Einsatz. Die Fahnder erwischten den Mann am Computer – er konnte seine Festplatte nicht mehr verschlüsseln. Ein Glücksfall für die Ermittler.

via welt: Kalaschnikow gefällig? Lieferung per Packstation

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