Haft für Angriff auf Asylbewerber

Ein Freitaler soll mit einem Kumpel einen Iraker brutal verprügelt haben. Er schlug nicht das erste Mal zu. Richterin Daniela Höllrich-Wirth wählt harte Worte: „Was haben Sie denn für die deutsche Gesellschaft geleistet? Wohl nichts“, sagt sie zum Angeklagten Ernst H. „Sie leben auf Kosten der Gesellschaft und haben noch eine negative Einstellung zu Ausländern. Warum denken Sie, Sie können sich das leisten?“ Vorher sprach die Richterin am Amtsgericht Dippoldiswalde den 22-jährigen Freitaler wegen vorsätzlicher und gefährlicher Körperverletzung sowie Sachbeschädigung für schuldig. Der Angeklagte soll Ende Oktober vergangenen Jahres an der Bushaltestelle Glück-Auf-Straße in Freital-Zauckerode einen Asylbewerber brutal verprügelt haben. Nachdem sie zusammen aus dem Bus gestiegen sind, soll er ihm laut Anklage einen Kopfstoß verpasst und weiter mit Fäusten auf ihn eingeschlagen haben, als der Iraker schon am Boden lag. Laut Zeugen folgen Tritte gegen den Körper und den Kopf. Ein Kumpel von Ernst H. war mit dabei und hat ebenfalls zugeschlagen. H. nennt vor Gericht den Namen des bis dahin unbekannten Mittäters. Der Staatsanwalt kündigt ein weiteres Ermittlungsverfahren an. Vor Gericht gibt der Angeklagte die Schlägerei zwar zu, sagt aber er könne sich nicht mehr an den genauen Hergang erinnern – zu viel Alkohol sei an diesem Tag geflossen. Die im Krankenhaus abgenommene Blutprobe ergab einen Wert knapp unter zwei Promille Alkohol, zudem hatte Ernst H. Reste von Crystal im Blut. „Es war brutal“, sagt eine Zeugin am zweiten Verhandlungstag. „Einer hat gegen den Kopf getreten, als wäre er ein Fußball.“ Die fast 70-jährige Freitalerin ist dazwischengegangen – und hat möglicherweise Schlimmeres verhindert. „Ich habe einen am Arm gepackt und etwas wie ‚Jetzt ist Schluss hier‘ geschrien“, erzählt sie. „Dann sind sie abgehauen wie die Katzen.“ Sie habe den verletzten 19-Jährigen zum Arzt gebracht und kümmere sich seitdem um ihn. „Wissen Sie, ich habe mich bei ihm entschuldigt für ihre Tat “, sagt sie zum Angeklagten. „Ich bin auch Deutsche, und ich schäme mich für Sie.“ Zwei weitere Zeugen bestätigen die Anklage. Sie saßen mit in dem Bus, kennen den Angeklagten aus Jugendzeiten und haben geholfen, ihn zu identifizieren.

via sz online: Haft für Angriff auf Asylbewerber

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s