Hellas Kagran – Der braune Sumpf der Donaustadt

„Politik hat im Fußball nichts verloren!“ Immer wieder taucht diese Phrase, manchmal in leicht abgewandelter Form, in Fußballforen und in den sogenannten Kurven – den organisierten Fanszenen der jeweiligen Klubs – nahezu aller österreichischen und europäischen Vereine auf. Was für viele Fußballinteressierte auf den ersten Blick vielleicht sogar logisch klingen mag, erweist sich spätestens bei genauerer Betrachtung der Vereinsvorstände, der nationalen Verbände oder der jeweiligen Anhängerschaft als Trugschluss. Blickt man bspw. auf die Vorstandsmitglieder der vier großen Wiener Klubs Austria, Rapid, Vienna und Sportklub fällt schnell auf, dass hier zahlreiche namhafte Politiker, Gewerkschafter und Wirtschaftstreibende aufscheinen. Hier davon auszugehen, dass sich diese Proponenten des öffentlichen Lebens aus reiner Fußballbegeisterung in die jeweiligen Vorstände wählen lassen, ist schlicht naiv. Ein Fußballverein ist immer eine Stätte des persönlichen Austauschs, ein Herd hitziger Debatten und meist ideologisch gefärbt. Stichwort Arbeiterklub versus bürgerliches Pendant. Spätestens bei dieser Trennung fängt Politik im Fußball an. Arbeiter gegen Bonzen, Hackler gegen Kapitalisten.
Schon Adolf Hitler wusste, die Faszination, die vom Fußball ausgeht und die Massen begeistert für seine politischen Propagandazwecke zu nutzen. So vermittelte ein laufender Meisterschaftsbetrieb bis kurz vor Kriegsende eine gesellschaftliche „Scheinnormalität“ nach innen und außen, wie große Spiele auch regelmäßig für Kriegsdiplomatie herangezogen wurden. Fußball kann nicht von Politik getrennt werden. Diese Umstände im Hinterkopf behaltend, möchte ich mich in diesem Artikel mit einem der mittlerweile wohl politischsten Vereine Österreichs auseinandersetzen: Hellas Kagran (…) Große Erfolge konnten die Kagraner jedenfalls nie für sich verbuchen. Dies änderte sich 2011 als Hellas mit dem überraschenden Gewinn des Wiener Fußballcups einen der größten Erfolge der Vereinsgeschichte für sich verbuchen konnte und somit für den ÖFB-Cup spielberechtigt war. Als Gegner wurde der Bundesligist Wacker Innsbruck zugelost, welcher seit vielen Jahren für seine antifaschistische Fanbasis bekannt ist. Das Spiel ging letztlich am 6. August 2011 in der Donaustadt über die Bühne und entwickelte sich zum Skandalspiel: Zahlreiche amtsbekannte Neonazis aus dem Umfeld von „Unsterblich“, einer neofaschistischen Fangruppe der Austria Wien, sowie der „Alten Garde“, das rechtsextreme Pendant von Rapid Wien in dessen Umfeld auch Gottfried Küssel bis zu seiner Verhaftung im April des selben Jahres zu organisieren versuchte, pilgerten zu diesem Spiel um ihre einschlägigen Naziparaphernalia zu präsentieren und die Auswärtsfans mit Schlachtrufen wie „Zyklon B fürn FCW“ samt zugehöriger Zischlaute zu konfrontieren. Christian Hein, FPÖ-Bezirksrat in Ottakring und zum damaligen Zeitpunkt stv. Bezirksvorsteher des Bezirks, akklamierte die faschistische Propaganda der angereisten Neonazis via Facebook mit den Worten: „Unsterblich on Tour!! Vielen Dank für die Unterstützung von Hellas Kagran.“ Was einen Ottakringer Bezirksrat dazu veranlasst, einem Fanclub aus Favoriten zu huldigen, der in Kagran antisemitisches und rechtsextremes Gedankengut von sich gibt, wird klar, sobald man die Entwicklung des Vereins und seiner Führung seit 2007/08 genauer beleuchtet. Was war passiert? Im Februar 2008 übernahm Martin Graf, damals noch dritter Nationalratspräsident der FPÖ und Alter Herr der deutschnationalen Burschenschaft Olympia , offiziell das Präsidentenamt des ehemals von Sozialdemokraten geführten Vereins.  (…) Doch nicht nur Vorstand und Funktionäre sind eindeutig im deutschnationalen Lager verhaftet: So wurde erst vergangene Saison mit Christian Rauchhofer ein neuer Trainer bestellt, der vormals als Fankoordinator der Austria Wien dafür verantwortlich war, dass Reichkriegsflaggen, SS-Totenkopfbanner und Blood&Honour-Transparente ihren Einzug auf der Osttribüne im Horr-Stadion fanden, was für die Austria untragbar war. Mit Adrian Kloos spielte jahrelang ein Mitglied von „Unsterblich“ als Stammkraft im Tor der Kagraner und der vor wenigen Wochen neu verpflichtete Spieler Nikon El Maestro wurde von seinem ersten Profiverein SC Wiener Neustadt wegen der Veröffentlichung eines rassistischen Raps entlassen. Am augenscheinlichsten treten die Verbindungen ins rechtsextreme Lager allerdings beim Fanclub „Kategorie D“ zu Tage: Hier versammelt sich das who-is-who der Wiener Neonazi- und Hooliganszene, welches bereits mit Stadion- und Hausverboten bei Rapid und Austria belegt wurde.

via unsere zeitung: Hellas Kagran – Der braune Sumpf der Donaustadt

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