Prozessauftakt gegen Prohliser Asylzündler

Vorm Landgericht müssen sich vier Angeklagte für den Brand an einem geplanten Asylheim verantworten. Doch einer will keinen Molotowcocktail geworfen haben. Es gab wohl gute Gründe, dass das Landgericht nicht nur einen Verhandlungstag angesetzt hat. Mehr als eineinhalb Stunden brauchen die beiden Richter Joachim Kubista und Sven Andreae am Montagmittag schon allein, um die Vorstrafen der vier Angeklagten aufzulisten. Auf über 50 Einträge im Bundeszentralregister bringt es das Quartett, das auf der Anklagebank sitzt. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft diesmal: gemeinschaftlich begangene Brandstiftung. Es ist die Nacht vom 6. zum 7. Oktober vergangenes Jahr, als vier Molotowcocktails auf die leer stehende Schule in der Boxberger Straße in Prohlis fliegen. Zwei Tage später hätten in das Haus Flüchtlinge ziehen sollen. Von zwei Seiten werfen die Täter die Brandsätze auf das Gebäude. Der kurz nach dem Anschlag eintreffenden Feuerwehr gelingt es schnell, den Brand zu löschen. Der Schaden hält sich in Grenzen: Eine Holztür ist beschädigt, Fensterscheiben sind kaputt. Nach vier Monaten Ermittlungen verkündet die Staatsanwaltschaft im Januar, Anklage zu erheben. Einer der Täter, Marcel K., ist schon im Juni zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt worden. „Es war eine Dummheit“, zeigte sich K. damals reumütig. Am Montag nun sitzen die drei Mittäter vor dem Richter. Neben den beschuldigten Dirk S., Robert H. und Raschid S. hat auch Aniko A. auf der Anklagebank Platz genommen. Sie soll laut Staatsanwaltschaft zum Anschlag angestiftet haben, verweigert nun aber die Aussage. Zwei der drei Männer, Dirk S. und H., hatten dagegen schon vor der Verhandlung die Tat gestanden. In den Lebensläufen der drei männlichen Angeklagten finden sich diverse Gemeinsamkeiten – nicht nur die Liste der Vorstrafen: Alle kommen aus schwierigen familiären Verhältnissen, gehen oder gingen lange Zeit keiner geregelten Tätigkeit nach, haben Probleme mit Drogen. Die Eltern von Dirk S. etwa trennten sich, als er vier war. Die Ausbildung hat er abgebrochen und dann „in den Tag hineingelebt“. Drogen, vor allem Haschisch und Crystal, gehörten zum Alltag. Drei Haftstrafen hat der 33-Jährige verbüßt, saß dafür mehr als zweieinhalb Jahre im Gefängnis.

via sz online: Prozessauftakt gegen Prohliser Asylzündler

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