Türkischer Journalist zu seiner Festnahme – „Nun fürchten sich die Leute vor mir“

Nach dem Putschversuch wurden dutzende Haftbefehle gegen Journalisten erlassen – darunter Bülent Mumay. Wieder frei, beschreibt er die Absurdität der Festnahme. taz: Herr Mumay, am Freitagabend wurden Sie aus der Haft entlassen. Wie geht es Ihnen? Bülent Mumay: Ich mache mir große Sorgen um meine Kollegen. Es sind noch so viele in Haft, die nicht wissen, was ihnen vorgeworfen wird. Aber mir selbst geht es gut. Gegen Sie und 41 weitere Jour­na­lis­tInnen wurde vergangenen Montag Haftbefehl erlassen. Was wurde Ihnen vor­ge­wor­fen? Ich wurde beschuldigt, einer terroristischen Vereinigung namens Fethullah-Gülen-Organisation geholfen zu haben. Ich war geschockt, als ich das erfahren habe. Ich habe alles erwartet, aber nicht, dass mir vorgeworfen wird, Teil eines Militärputsches oder der Gülen-Bewegung zu sein. Selbst als Gülen und Erdoğan noch sehr enge Freunde waren, habe ich beide immer stark kritisiert. Was ist seit Ihrer Verhaftung am Dienstag geschehen? Ich wurde auf der Polizeistation in Gewahrsam genommen. Zurzeit werden Tausende Menschen verhaftet. Die Polizeistationen sind vollkommen überfüllt. Nachdem ich drei Nächte in der Polizeistation verbracht hatte, wurde ich am Freitagmorgen vor Gericht geführt, um 20.30 Uhr war ich frei. (…) Ich weiß auch nicht, wer die Entscheidung getroffen hat, mich zu verhaften. Vor der Verhaftung, als es schon einen Haftbefehl gegen mich gab, bin ich mit meinem Anwalt zum Gericht gegangen, um herauszufinden, was gegen mich vorliegt. In der Akte, die der Staatsanwalt geöffnet hat, war nur Bullshit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein echter Richter oder Staatsanwalt diese Akte tatsächlich vorbereitet hat. Haben Sie eine Idee, wer dahinterstecken könnte? Nein, aber ich weiß, warum ich verhaftet wurde. Manchmal, wenn Autoritäten nichts finden, was sie einem vorwerfen können, setzen sie einfach deinen Namen auf eine Liste, um ihn zu beschmutzen. Die Regierung mag nicht, dass ich Stellung gegen sie beziehe. Seit 18 Jahren arbeite ich als kritischer Journalist für große Medienhäuser. Sie haben auf einen Vorwand gewartet, um meinen Namen auf ihre Liste zu schreiben. Wie geht es den anderen inhaftierten JournalistInnen? Wie es aussieht, müssen sie mehrere Monate in Haft bleiben, bis zum Prozess. Ich hoffe, sie werden entlassen. Ich habe sie erst auf der Polizeistation kennengelernt, aber ich bin mir sicher, dass die meisten unschuldig sind.

via taz: Türkischer Journalist zu seiner Festnahme – „Nun fürchten sich die Leute vor mir“

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