Nazi-Verdacht bei den Wikingertagen

Achtspeichiges Hakenkreuz auf einem Schild bei den Kampf-Vorführungen sorgt für Wirbel / Veranstalter sprechen von „unglücklicher Motivwahl“. Im Getümmel bei den Kampf-Vorführungen auf den Wikingertagen fiel es den meisten Besuchern gar nicht weiter auf: Einer der Schaukämpfer trug einen Schild, dessen Bemalung zumindest für Missverständnisse sorgen kann. Es zeigt ein slawisches Sonnensymbol – ein achtspeichiges Hakenkreuz, das so oder ähnlich auch von Angehörigen der Neonazi-Szene verwendet wird. Wikingertage-Veranstalter Stephan Vollbehr erhielt deshalb gestern bereits Anfragen von überregionalen Medien. Wikinger und Neonazis – das ist ein sensibles Thema. Schließlich instrumentalisierte schon das NS-Regime die Wikinger und die Geschichte Haithabus unter dem Stichwort „Ahnenerbe“ im Sinne ihrer Rassen-Ideologie. Vor rund 15 Jahren versuchten Neonazis mehrmals, mit massiver Präsenz auf den Wikingertagen das Volksfest für sich zu vereinnahmen. (…) Im Nachhinein gibt Vollbehr jedoch zu, dass die Motiv-Wahl auf dem umstrittenen Schild „unglücklich“ gewesen sei – auch weil die Farbwahl Schwarz-Weiß-Rot die Wirkung noch verstärkt habe. Schließlich sind dies nicht nur die Farben des Deutschen Reiches, sondern auch die Farben, in denen die Nazis ihre Hakenkreuze zeigten. Einer der ersten, denen dies auffiel, war der Holmer Fischer Jörg Nadler. Auch er macht auf die Farben des Deutschen Reiches aufmerksam. „Die bloße Verwendung dieses Symbols würde ich ohne die Farbwahl vielleicht noch als instinktlos und dumm bezeichnen“, meint er. (…) Wer ist der Mann, der mit diesem Symbol in die Kampfarena der Wikingertage spazierte? Während der Vorführungen trug er einen Helm, der sein Gesicht verdeckte. Weder Henry Gau, der Leiter der Kampfspiele, noch Stefan Lösch, der Moderator und Chef des Wikingerdorfes, können ihn identifizieren.

via shz: Nazi-Verdacht bei den Wikingertagen

siehe auch: Nazis im Wolfspelz. Eine Lokalzeitung berichtet über die „Schleswiger Wikingertage“ – und sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, ein Hakenkreuz auf der Titelseite abzubilden. (…) Nun ist offenbar weder „Carl“ noch der Zeitung aufgefallen, dass einer der „geschlagenen Nordmänner“ ein Schild mit einem Kolovrat, einer Hakenkreuz-Abwandlung mit acht Haken in schwarz-weiß-rot trägt. Auf der Titelseite der „Schleswiger Rundschau“ vom 1.8. ist das Schild auf dem Aufmacher-Foto zu sehen. Die „Schleswiger Nachrichten“ reagieren auf den Hinweis des Antifaschistische Pressearchiv und Bildungszentrum Berlin via Twitter: „Hakenkreuze haben vier Arme, die in die andere Richtung drehen.” „So etwas“, sagt Karl Banghard, „gab es natürlich im Frühmittelalter nicht.“ Für ihn ist spätestens durch die Farbwahl ein politisches Bekenntnis eindeutig zu erkennen. Banghard ist Mitarbeiter des Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen und Autor der von dieser kürzlich herausgegebenen Broschüre „Germanen und der rechte Rand – Nazis im Wolfspelz“. Neonazis besetzen Vorgeschichte Das Heft beschreibt fundiert, wie Neonazis auf Events wie den Wikingertagen Vorgeschichte besetzen und wie sie Codes aus alter Zeit entwenden und mit neuen Bedeutungen besetzen und entstellen. Organisierte Versuche der extremen Rechten, Germanen- und Wikingerbilder zu besetzten und auf entsprechenden Events zu agitieren sieht Banghard spätestens seit Beginn der 1980er Jahre.

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