Sant’Anna di Stazzema – 72. Jahrestag des deutschen Massakers

Der Ort: Das aus mehreren Ortschaften bestehende Bergdorf und die dortige Gedenkstätte in den Apuanischen Alpen oberhalb der Marmorbrüche um Massa und Carrara sind am besten von der Via Aurelia aus zu erreichen: von Pietrasanta über Monteggiori-La Culla.
Die Ereignisse: Am 12. August 1944 richteten in Sant’Anna di Stazzema Einheiten der 16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer-SS“ ein Blutbad an, dem in den verschiedenen Siedlungen des Dorfes über 500 Zivilpersonen zum Opfer gefallen sind, unter ihnen fast ausschließlich ältere Menschen, Frauen und viele Kinder, das jüngste gerade 20 Tage alt.  Eine genaue Zahl der Opfer ist auch Jahrzehnte nach der Mordaktion nicht zu nennen. Hintergrund für das Massaker, nach Marzabotto das zweitgrößte an italienischen Zivilisten, bildete die brutale Partisanenbekämpfung durch Wehrmacht und SS während der Sommermonate 1944 in dieser Region, die nach der Aufgabe Mittelitaliens einerseits die Westflanke der „Gotenlinie“, der deutschen Verteidigungsstellung quer über den Apennin, bildete, gleichzeitig aber zu einem zentralen Gebiet des bewaffneten italienischen Widerstands geworden war. Bei den deutschen Truppen hatte sich auf der Grundlage der völkerrechtswidrigen Befehle zur sog. „Bandenbekämpfung“ der Grundsatz „Zivilist ist gleich Partisan“ durchgesetzt. Zu der Bevölkerung Sant’Annas – in Friedenszeiten ungefähr 300 Menschen – waren damals einige Hundert Flüchtlinge aus der Küstenregion gekommen, die vor den Luftangriffen der Alliierten auf die Städte zwischen Viareggio und Carrara und die dortige Industrie Schutz suchten. Am Morgen dieses 12. August rückten von Pietrasanta her SS-Einheiten der 16. SS-Panzergrenadier-Division „Reichsführer-SS“ unter dem Komnando von Anton Galler und Walter Reder auf die Siedlungen von Sant’Anna vor, Einheiten der Wehrmacht – vermutlich das Bataillon der Gebirgsjäger Mittenwald – sperrten das Gebiet ab. In den Tagen vorher war es zu Schusswechseln mit Partisanen oberhalb des Dorfes gekommen, weshalb der Kampfeinsatz angeordnet wurde. Die Angreifer verteilten sich auf die Ortschaften des Dorfes. Dort trieben sie die Bewohner der Häuser auf Sammelplätze, in Stallungen und Hinterhöfe und ermordeten sie mit Handgranaten und Feuerwaffen. In Sant’Anna selbst wurden die Dorfbewohner vor der Dorfkirche mit Maschinengewehrfeuer niedergemäht.Die meisten Häuser der Siedlungen wurden niedergebrannt. Das Massaker war am Nachmittag noch nicht beendet (…) Das Militärgericht La Spezia hat nach jahrelangen Ermittlungen, zu denen der Historiker Carlo Gentile mit wesentlichen Archivrecherchen beigetragen hat, 2005 zehn angeklagte SS-Angehörige in Abwesenheit wegen Mordes an 560 Zivilpersonen zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil wurde vom Revisionsgericht in Rom im November 2006 bestätigt. Es blieb in Deutschland bis heute ohne Folgen.  Der italienische Staatanwalt Marco De Paolis, Ermittler und Ankläger im Strafprozess wegen der Verbrechen in Sant’ Anna di Stazzema vor dem Militärgericht in La Spezia (2010), kommentierte die Einstellung des Ermittlungsverfahrens in Stuttgart (2012) mit Unverständnis: “Die deutschen Kollegen glauben nicht, dass es Mordmerkmale gibt, und vor allem gehen sie nicht davon aus, dass die Leute, die die Taten begangen haben, schon im Vorhinein die Intention hatten, das zu tun, was sie getan haben; also vorsätzlich gehandelt haben. Das ist meiner Meinung nach falsch und steht im Gegensatz zu unseren Ermittlungen … (Der einstellende deutsche Staatsanwalt – Red.) müsste erklären, wie es möglich ist, dass mehr als 400 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder, in zwei Stunden umgebracht werden von Personen, die das spontan beschlossen haben, und wie es sein kann, dass eine komplette Abteilung sich in der Nacht zuvor in Bewegung setzt, um diese Aktion durchzuführen…” (Interview in: Kontext-Wochenzeitung, 29./30.2012, S. 3).

via Gedenkorte: Sant’Anna di Stazzema 

siehe auch: : STAZZEMA: OGGI IL 72ESIMO ANNIVERSARIO DELLA STRAGE
STAZZEMA. Commemorazione oggi del 72/o anniversario della strage di Sant’Anna di Stazzema (Lucca), l’eccidio nazista avvenuto il 12 agosto 1944 e costato la vita a 560 persone. L’orazione ufficiale sarà tenuta dal sottosegretario alla Giustizia Cosimo Maria Ferri, in rappresentanza del Governo. Tra i partecipanti alla cerimonia la console generale italiana a Nizza Serena Lippi insieme al sindaco di Stazzema Maurizio Verona, la vicepresidente della Regione Toscana Monica Barni e il presidente dell’associazione Martini di Sant’Anna Enrico Pieri. Il sindaco Verona ha spiegato che rivolgerà un appello “al sottosegretario Ferri, perché lo porti al Governo”, affinché “la memoria della strage di Sant’Anna venga diffusa soprattutto nelle scuole e tra i giovani” per trarne “un insegnamento per il futuro. La cultura del diverso che si sta diffondendo somiglia troppo a quelle ideologie che si propagarono in Europa negli anni ’30 del secolo scorso e che portarono devastazione e morte: furono la causa dei milioni di morti sui campi di battaglia, nei campi di concentramento, nei tantissimi luoghi di stragi contro i civili proprio come a Sant’Anna di Stazzema”.

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