Das Ende von Migrantenschreck? Polizei schnappt Kunden von Waffenshop

Eigentlich könnte Konstanz auch für besorgte Bürger ein friedliches Nest in idyllischer Lage sein. Die Verbrechensentwicklung in der Bodenseemetropole liegt unter dem Durchschnitt im Ländle, und auch Gerüchten über die angeblich steigende Kriminalität aufgrund des Flüchtlingszuzugs tritt der Polizeipräsident höchstpersönlich entgegen.
Ein Konstanzer jedoch schätzte die Lage offensichtlich etwas anders ein. Der Mann, den die Polizei als „ganz normalen Bürger“ beschreibt, dachte sich wohl, er sei bewaffnet besser dran. Der Shop, der ihm diesen Wunsch erfüllen sollte, läuft auf die bezeichnende Domain Migrantenschreck.ru: eine Website, die nicht nur verspricht, Hartgummi-Knarren mit hoher Schusskraft „ohne bürokratische Hürden“ per Post zu verschicken, sondern zudem empfiehlt, die Waffen für einen ganz besonderen Zweck einzusetzen—gegen Flüchtlinge und Migranten. Der Kauf ging allerdings gehörig schief. Wie Recherchen von Motherboard und der Website Mimikama zeigen, könnte der Fall des Konstanzer Kunden sogar der Anfang vom Ende von Migrantenschreck sein. Denn die Schlinge um die Seite zieht sich immer enger zu: Mehrere Polizeibehörden und Staatsanwaltschaften haben sich der Sache angenommen und ermitteln aus verschiedenen Richtungen gegen die Betreiber. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis die Website vom Netz geht. Frühere Produktbeschreibungen und aktuelle Posts in der „Nachrichten“-Sektion der Website lassen dabei keinen Zweifel, wessen Geistes Kind die Verantwortlichen sind: Sie hetzen gegen „Rapefugees“ und „Gangbang-Asylanten”, beschwören den Untergang ihres Deutschlands und rufen offen zur Bewaffnung auf. Praktischerweise bietet die Website dem geneigten Leser nicht nur präapokalyptisches Verschwörungsgeraune, sondern auch das geeignete Equipment für den kommenden Bürgerkrieg: etwa der Revolver „Migrantenschreck MS55 Lady“, der „jeden Schurken—egal ob Ficki-Ficki-Fachkraft oder Hobbydieb“ vertreibe; oder das Gewehr „Migrantenschreck HD130 Superior“, das mit 9-Millimeter-Kaliber und einer Schusskraft von lebensgefährlichen 130 Joule aufwartet.
Was die Website jedoch verschweigt: Sie bietet illegale Ware an. Die Knarren fallen allein schon aufgrund der hohen Mündungsenergie in die Kategorie scharfe Feuerwaffen und sind damit erlaubnispflichtig. (…) Laut Ermittlern zog der Migrantenschreck-Kunde seine Bestellung zurück, nachdem die Exekutive bei ihm zuhause aufkreuzte. Gegenüber den Beamten begründete der Mann seinen Kaufversuch damit, sich „selbst verteidigen zu müssen“. Er wollte die Waffe zu seinem „Schutz“ in der Wohnung aufbewahren. Vor wem oder was er sich schützen wollte, konnten aber auch die Polizisten vor Ort nicht klären, wie ein Ermittler im Gespräch mit Motherboard trocken kommentierte. Ob der Konstanzer überhaupt sein Hartgummi-Gewehr bekommen hätte (angenommen die alarmierte Bank hätte geschwiegen), ist allerdings vollkommen unklar. Die Ermittler vermuten nämlich inzwischen, dass es sich bei dem Shop Migrantenschreck um eine Betrugsmasche handeln könnte: „Für mich ist es fraglich, ob die Betreiber überhaupt ausliefern“, sagt etwa der Beamte, der die Anzeige gegen den nun Beschuldigten aufgesetzt hat. Tatsächlich ist den Behörden bisher kein Fall bekannt, wo ein Abnehmer erfolgreich eine Waffe erwerben konnte. Die Polizei Konstanz jedenfalls geht mittlerweile davon aus, dass die Seite ein Fake ist, um Kunden zu prellen.  (…) Die Herkunft der angepriesenen Waffen werden erst die weiteren Ermittlungen belegen. Allerdings führt bereits jetzt eine mögliche Spur nach Ungarn. Zum einen nennt der Shop eine ungarische IBAN, an die alle Kunden ihr Geld überweisen sollen. Die IBAN gehört zur Bank Sberbank Magyarorszag Zrt Kozpont in Budapest. Zum anderen sind die Waffenangebote nahezu identisch mit dem Angebot des ungarischen Waffenproduzenten Keserű Művek Fegyvergyár

via motherboard.vice: Das Ende von Migrantenschreck? Polizei schnappt Kunden von Waffenshop

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