Rechte Idylle

Sachsen-Anhalt Das Dorf Schnellroda wird zur Kulisse für die krude Ideologie des rechten Vordenkers Götz Kubitschek. Was sagen die Einwohner? Das Flugblatt klingt mehr nach Vorladung als nach Einladung. Es wurde in die Briefkästen von Schnellroda und den umliegenden Dörfern geworfen und wirbt für einen Diskussionsabend mit Götz Kubitschek. Seine Kritiker sind mit Namen geladen. Bürger aus dem Zweihunderteinwohnerdorf, die sich erlaubt hatten, öffentlich Stellung zu beziehen zum politischen Wirken von Kubitschek, dem selbsternannten Vordenker der Neuen Rechten. Bürger, die die Sache nicht von „Nachbar zu Nachbar“ geklärt hatten, wie es im Flugblatt heißt. (…) Später redet er über Flüchtlinge, sagt, dass es doch für Syrer würdiger sei, mit Waffen für ihr Land zu kämpfen, als in das Lagerleben in Deutschland zu flüchten. Da passt es gut, dass diese „Alternative“, bei der alle bleiben und sterben, wo sie sind, Kubitscheks geistigen Bürgerkrieg befrieden würde, in dem es angeblich „um die Existenz unserer Nation, unseres Volks“ geht. Diese Dramatisierung ist aus seinen Pegida-Reden bekannt. Ruft Kubitschek darin zu Gewalt auf, stachelt er an und hetzt auf? Nein, sagt er, er habe sich immer von Gewalt distanziert. Das stimmt, doch seine Reden folgen einem Schema. Am Anfang steht die Warnung vor dem Untergang, das deutsche Volk solle „ausgetauscht“ werden. Dann fragt er, wie weit „wir“ gehen dürfen, inwieweit „wir“ ermächtigt sind. Die Antwort: Wir brauchen Widerstand! Friedlich vorerst, mehr könne er jetzt noch nicht sagen, erklärte Kubitschek in einer Dresdner Rede. In Schnellroda droht die Stimmung im Saal zwischenzeitlich zu kippen. Kubitschek wird ungehalten. Seine Frau Kositza springt ihm zur Seite. Sie grätscht in einen offenbar unerwünschten Redebeitrag zu Nationalsozialismus, völkischem Denken und fehlender Abgrenzung. Kositza will vom Redner wissen, wie er denn heiße. Ja, wo kommt er überhaupt her, dröhnt Kubitschek. Die Antwort gibt er sich selbst: Sicher nicht von hier! Das motiviert die Kubitschek-Unterstützer zu Zwischenrufen. Nach zwei Stunden ist die Show vorbei. Kubitschek gibt noch zu bedenken, was seine Kinder aushalten müssen, wenn ihre Eltern in der Öffentlichkeit derart angegangen werden. Was er nicht fragt: Was denken die Kinder eigentlich, wenn ihre Mutter auf Youtube erzählt, dass man ihnen den Mund mit Seife auswäscht, sobald sie schmutzige Wörter in den Mund nehmen? Zum Beweis lutscht die Mutter im Video tatsächlich an einem Stück Seife. Das ist also die rechte Idylle in Schnellroda

via freitag: Rechte Idylle

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